Nr. 04/2005 vom 27.01.2005

Zwinkernde Tote

Von Isabelle Meier

Erbrochenes essen? Eine zwinkernde Leiche? Ein lebender Hundekopf? Keine Szenen aus einem billigen Horrorfilm, sondern wissenschaftliche Experimente: 1802 ass ein junger Doktorand Erbrochenes von Gelbsuchtpatienten, um die Übertragung dieser Krankheit zu erforschen; im gleichen Jahr wurde ein Hingerichteter mit Strom beinahe zum Leben erweckt (sein Zwinkern jedenfalls liess Schaulustige reihenweise in Ohnmacht fallen - das Experiment inspirierte Mary Shelley zu ihrem Roman «Frankenstein»); und 1928 versuchten russische Forscher zu beweisen, dass das Leben ewig sei, indem sie einen abgetrennten Hundekopf maschinell am Leben erhielten.

Nachlesen kann man diese Untersuchungen neben vielen anderen makabren und skurrilen Experimenten aus sieben Jahrhunderten im «Buch der verrückten Experimente» des Wissenschaftsjournalisten Reto U. Schneider. Verrückt ist entweder die Versuchsanordnung (siehe oben) oder aber das Ergebnis der Experimente: So zeigte etwa die sozialpsychologische Milgram-Studie (1961), dass der Nachbar von nebenan ohne Grund einen anderen Menschen foltert, wenn er dazu aufgefordert wird. In diesem berühmt-berüchtigten Experiment verpassten zwei Drittel der Teilnehmenden einer anderen Person zur Strafe lebensgefährliche Stromstösse, wenn es der Versuchsleiter verlangte.

Wer detaillierter über die Studien Bescheid wissen will, kommt allerdings weniger auf seine Rechnung: Die Experimente sind kurz, aber manchmal etwas oberflächlich beschrieben. Im reich illustrierten Buch lässt sich aber wunderbar herumstöbern und ganz nebenbei ein äusserst lebenspraktischer Nutzen aus der Wissenschaft ziehen: Der beste Spruch, mit einer begehrten Person in Kontakt zu kommen, lautet angeblich: «Es ist mir etwas peinlich, aber ich möchte dich gerne kennen lernen.»

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