Nr. 14/2007 vom 05.04.2007

«Unser Eisbär ist einfach sehr herzig»

Kuoni wirbt mit Eisbären am Sandstrand für Flugreisen. Gleichzeitig wird der Eisbär Knut zum Symbol des Klimawandels. Der Kuoni-Pressesprecher sieht darin keinen Widerspruch.

Von Rachel Vogt

WOZ: Peter Brun, wie geht es Kuoni Schweiz?

Peter Brun: Dem Unternehmen geht es gut. Wir haben in der Schweiz den Umsatz um fast sechzehn Prozent auf 981 Millionen Franken steigern können. Die Kuoni-Gruppe erreichte international das beste Konzernergebnis aller Zeiten. In der Schweiz hat vor allem der Langstreckenbereich zum Wachstum beigetragen. Die Buchungen des laufenden Jahres haben siebzehn Prozent zugenommen! Die Schweizer Gäste mögen halt weisse Sandstränedesdeddeedd

Auch der Norden, etwa Kanada und Alaska, ist beliebt, besonders im Sommer.

In letzter Zeit wird intensiv über Umweltfragen debattiert. Bei Kuoni auch?

Ja, das ist ein wichtiges Thema. Wir führen Diskussionen auf oberster Stufe. Wir arbeiten momentan beispielsweise an einem Projekt zum Klimaschutz sowie an einem besseren Angebot im öffentlichen Verkehr für unsere Mitarbeitenden. Die Sensibilisierung nimmt allgemein zu, auch bei den Kunden.

Wird dieses Thema für Ihre Kundinnen und Kunden also wichtiger?

Das werden wir sehen. Die Frage stellt sich, ob die Diskussionen auch weitergehen, wenn es einen nasskalten Sommer oder einen bitterkalten Winter gibt. Wird der Sommer hingegen trocken und heiss, wird das Thema länger in unserem Bewusstsein bleiben.

Glauben Sie, dass Flugreisen ein Grund für den Klimawandel sind?

Ich denke, es ist die Summe davon, was die westliche Gesellschaft insgesamt macht. In einem Artikel habe ich gelesen, dass Flugreisen sieben Prozent des CO2-Ausstosses verursachen. Den grössten CO2-Ausstoss verzeichnet aber die Industrie und hier vor allem die USA, China oder auch Indien. Flugreisen haben dazu im Verhältnis einen geringeren Anteil. Es sollten deshalb nicht einzelne Konsumenten oder Branchen an den Pranger gestellt werden.

Haben die Leute ein schlechtes Gewissen, wenn sie Flugreisen buchen?

Nein. Viele Leute möchten sich ein- oder zweimal pro Jahr Ferien gönnen. Und sie möchten diese Ferien am Strand und bei garantiert schönem Wetter verbringen. Vielleicht wählen sie aber auch einmal beispielsweise Wellnessferien per Bus oder Zug. Oder eine Schiffsreise. Wir haben auch solche Angebote.

Sehen Sie auch positive Aspekte beim Klimawandel?

Wir sind nur Gast auf diesem Planeten. Wir müssen der Erde Sorge tragen. Dies gilt nicht nur für die Ferienzeit. Dies beginnt in unserem Alltag. Daher finde ich so simple Diskussionen wie jene um die Glühbirne, die durch Sparlampen ersetzt werden soll, ein guter Ansatz, sich über den Klimawandel Gedanken zu machen. Wir alle kommen auf diese Welt und werden sie irgendwann wieder verlassen. Doch die Erde bleibt.

In Ihrer aktuellen Werbekampagne gibt es ein Sujet, das einen Eisbären mit Jungem an einem Sandstrand zeigt. Ist das auch eine positive Vision des Klimawandels?

Nein, hier besteht kein Zusammenhang. Die Werbekampagne zeigt Gegensätze auf, die auffallen. Und wem eben nichts auffällt, dem empfehlen wir Ferien. Ich glaube kaum, dass wir in der realen Welt Eisbären an einem Palmenstrand erleben werden.

Da haben Sie wohl recht. Der kleine Eisbär Knut ist ja übrigens zum Symbol des Klimawandels erkoren worden.

Wir haben unser Eisbären-Sujet schon letzten Herbst geplant, also schon lange vor der grossen Klimadebatte. Da war der Uno-Bericht gar noch nicht veröffentlicht.

War das Bild in den letzten Wochen intern ein Thema?

Nein. Auch unser Eisbär auf dem Plakat ist einfach sehr herzig. Man denkt da nicht gleich an den Klimawandel. Und falls es doch als Anregung dazu verstanden wird, ist das ganz in Ordnung.

Und Sie persönlich, sind Sie besorgt über den Klimawandel?

Auf jeden Fall mache ich mir persönlich Gedanken dazu. Die gegenwärtige Diskussion geht nicht spurlos an einem vorbei. Vor allem wenn man selbst Kinder hat, die die Zukunft gestalten werden.

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