Nr. 21/2011 vom 26.05.2011

Stadt der vier Klimazonen

Von Bettina Dyttrich

Wer gerne einsame Waldspaziergänge unternimmt, Vögel beobachtet und seltene Pflanzen sucht, wird auf einer Städtereise nicht unbedingt glücklich. Ausser sie führt nach Wien: Dort ist das alles möglich, wenige Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Der Nationalpark Donauauen mit seinen fast tropisch wirkenden Auenwäldern liegt teilweise auf Stadtgebiet; im Westen breiten sich die Laubwälder des Wienerwaldes aus. Die Artenvielfalt ist gross, denn Wien liegt dort, wo die Ausläufer der Alpen auf die ungarische Tiefebene treffen. Vier Klimazonen berühren sich hier.

Es gibt also viel zu erzählen vom Ökosystem Wien – das Buch dazu ist fast drei Kilo schwer. Es geht um Erd- und Klimageschichte, Böden und Wasser und die Lebewesen der verschiedenen Wiener Landschaften. Eingestreut in die Kapitel sind viele kurze Texte: über den Biolandbau in der Stadt, den Landschaftswandel im Prater, besondere Tier- und Pflanzenarten wie die Donau-Sandbiene oder den Urzeitkrebs Triops cancriformis, dessen Eier jahrzehntelang im Lehm überdauern, bis er bei starken Regenfällen ausschlüpft. Sorgfältig ausgewählte Fotos und Grafiken, historische und neue Karten, Satelliten- und Infrarotbilder ergänzen das schön gestaltete Buch.

Auch die Menschen gehören zum Ökosystem. Im Nachwort werden jene gewürdigt, ohne die Wien viel verloren hätte: die BesetzerInnen der Donauauen, die in den achtziger Jahren ein Flusskraftwerk bei Hainburg verhinderten. Sehr gelungen ist das Kapitel «Wohnen in Wien»: Kritisch untersucht es die Wohnqualität von Bauten der letzten Jahrzehnte. Gute Noten erhält der Wohnpark Alt-Erlaa aus den siebziger Jahren, wo versucht wurde, mit grosszügigen Terrassen und Dachschwimmbädern Verdichtung und Lebensqualität zu verbinden. Viele neuere Gebäude schneiden dagegen schlecht ab.

Also, liebe Naturfreunde und -freundinnen, auf gehts nach Wien! Zum Beispiel mit der WOZ-Reise im August (siehe www.woz.ch/unterwegs). Der Wohnungsbau steht ohnehin auf dem Programm, das auch individuelle Erkundungen erlaubt. Nur die Donauauen sind für einen Besuch nicht so geeignet: Im Spätsommer wimmelt es dort von fiesen Stechmücken.

 

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