Nr. 03/2012 vom 19.01.2012

Wie Wasser zur Ware wird

Urs Schnell und Res Gehriger beleuchten die Rolle, die der Nestlé-Konzern bei der Ausbeutung natürlicher Wasserquellen spielt.

Von Sonja Wenger

Es sei «der falsche Film zur falschen Zeit», sagte ein Vertreter des Lebensmittelkonzerns Nestlé den Schweizer Journalisten und Filmemachern Urs Schnell (Regie) und Res Gehriger (Recherche). Gemeint war ihr Film «Bottled Life – Nestlés Geschäfte mit Wasser», der seine Premiere an den Solothurner Filmtagen feiert.

Tatsächlich könnte der Zeitpunkt für den ersten Dokumentarfilm, der sich spezifisch mit Néstles Wassergeschäft auseinandersetzt, besser nicht sein. So deklarierte 2010 die Uno den Zugang zu sauberem Trinkwasser als Menschenrecht. Die Erfüllung dieses Rechts liegt für über eine Milliarde Menschen aber noch immer in weiter Ferne. Laut Maude Barlow, der ehemaligen Chefberaterin der Uno für Wasserfragen, sterben deswegen jährlich mehr Menschen als durch HIV / Aids, Malaria, Kriege und Verkehrsunfälle zusammen.

Gehriger und Schnell sind um die halbe Welt gereist, um die Rolle zu beleuchten, die der Konzern Nestlé im enorm lukrativen Wassergeschäft spielt. Sie zeigen dabei auf, dass es mit der von Nestlé-Chef Peter Brabeck gern zitierten Unternehmensverantwortung nicht weit her ist. Beispiele aus Pakistan, Nigeria und den USA verdeutlichen, dass für Nestlé vor allem Brabecks Leitmotiv gilt, dass «Wasser ein Lebensmittel ist und deshalb, wie jedes andere Lebensmittel auch, einen Marktwert haben sollte». In vielen Ländern zapft der Konzern das Grundwasser ganzer Regionen ab und verkauft es dann wieder der lokalen Bevölkerung – zu überteuerten Preisen und ohne sich um die langfristigen Folgen der sinkenden Grundwasserspiegel zu kümmern. Für Barlow handelt es sich dabei um eine «kriminelle Unternehmenspolitik».

Wie gewohnt nimmt Nestlé auch zu den Vorwürfen in «Bottled Life» keine Stellung: Trotz wiederholter Interviewanfragen hat der Konzern bis heute auf keine der Fragen von Gehriger geantwortet, Nestlés Tore blieben dem Journalisten weltweit verschlossen. Eine Tatsache, die die Notwendigkeit dieses Dokumentarfilms zusätzlich unterstreicht.

www.woz.ch/dossier/nestle.html

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