Nr. 14/2014 vom 03.04.2014

Regierung foult Wagenplatz

Von Emma Vogt

Einen Fussballplatz haben sie schon, keinen grossen zwar, aber dafür auf Rädern: Ein fahrender Tischfussballkasten begleitete die 500 DemonstrantInnen, die am vergangenen Sonntag für den Erhalt des Wagenplatzes in Basel auf die Strasse gingen. Denn der Regierungsrat beabsichtigt, dass der Platz am Klybeckquai zwei Fussballfeldern weichen soll. Die Demonstration verlief friedlich und humorvoll. Es wurden Töpfe mit Pflanzen zur Begrünung des Platzes mitgetragen, und Musik beschallte Kleinbasel in Sonntagsstimmung.

Nachdem die seit August 2012 bestehende Wagensiedlung von zahlreichen Orten vertrieben wurde, besetzten die BewohnerInnen letzten Frühling das brachliegende Migrol-Areal am Hafen. Im Sommer duldete die Stadt die Besetzung schliesslich bis auf weiteres. Gleichzeitig wurde das Areal zur Zwischennutzung bis 2019 ausgeschrieben. Doch die Regierung vergrämte InteressentInnen mit langwieriger Bürokratie, bis sie im Februar die Suche abbrach.

Nun will sie mit Fussballplätzen eine passende Lösung gefunden haben. Doch die Empörung ist gross. Soll der Wagenplatz gegen die Quartierbevölkerung ausgespielt werden, die seit längerem mehr Grünflächen im Quartier fordert? Georges A. Böhler, Präsident des Quartiervereins Pro Kleinhüningen, bezeichnete die Idee in der «Basler Zeitung» als «schlechten Witz» und kündigte an, Einsprache zu erheben.

Auf dem Areal wächst derweil die selbst organisierte Wiederbelebung durch die Wagenplatz-BewohnerInnen. «Wir gehen dem Bedürfnis nach gemeinschaftlichem, unabhängigem und selbstbestimmtem Wohnen nach», schreibt das Kollektiv. Dass die Stadtverwaltung dies nicht akzeptiere, lege ihre Unfähigkeit offen, mit alternativen Lebensformen umzugehen. Die Angst, dass der Wagenplatz nicht verschwindet, wenn die Brache verwertet werden soll, scheint die Regierung zunehmend nervös zu machen. Denn das Hafenareal hat Konfliktpotenzial: Seit die Regierung 2010 ihre Vision für das Grossprojekt «Rheinhattan» präsentiert hat, formiert sich breiter Widerstand (siehe WOZ Nr. 51/2013).

Mit oder ohne Fussballfelder, der Konflikt um die Entwicklung Kleinbasels wird weitergehen. Auch für die BewohnerInnen des Wagenplatzes ist klar: «Wir werden hier bleiben.»

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