Nr. 17/2016 vom 28.04.2016

Im Kampf gegen die Götter

Von Stefan Howald

Mit seinen Spinnenfäden schwingt sich Spiderman von Wolkenkratzer zu Wolkenkratzer. Gefährlich ist es dort oben in luftigen Höhen und hart die Verdingarbeit als Fensterputzer. Superheld sein ist heute kein Zuckerschlecken.

Die globale Wirtschaft ist immer enger verknüpft. Dabei verschärft sich einerseits die Arbeitsteilung im Weltmassstab. Andererseits vollzieht sie sich nicht mehr nur zwischen den Nationen, sondern auch innerhalb dieser. Im Zentrum des globalen Weltwirtschaftssystems sind Sektoren mit Niedriglöhnen, Wohnungsnot und sozialer Prekarisierung entstanden; umgekehrt haben sich in den bisherigen wirtschaftlichen Randgebieten glitzernde freie Investitionszonen und entsprechende Gesellschaftsschichten herausgebildet.

Zum 1. Mai bietet ein WOZ-Dossier Einblicke in die veränderte Arbeitsgesellschaft. Die Fotoserie, die das Dossier bebildert, stellt mexikanische MigrantInnen, die in den USA arbeiten, ins Universum der Superhelden. Ja, ihre Anstrengungen sind zuweilen übermenschlich: Sie erledigen all die harte Arbeit, um den in Mexiko zurückgebliebenen Familien Geld senden zu können. Ohne sie wären die SuperschurkInnen und Superreichen nicht denkbar.

In der fantastischen Fiktion steckt auch die Verheissung auf Gerechtigkeit und einen radikalen Umsturz. Dafür können wir uns aber nicht auf SuperheldInnen verlassen. Im Roman «Die Ästhetik des Widerstands» folgt der Schriftsteller Peter Weiss den Spuren des griechischen Halbgotts Herakles, der dem irdischen Geschlecht der Giganten im Kampf gegen die Götter beisteht. Weiss schliesst: Wir hier unten «müssten selber mächtig werden», um den auf uns lastenden Druck hinwegzufegen.

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