Nr. 22/2016 vom 02.06.2016

Layla und ihr Bauch

Von Silvia Süess

«Lass uns eine Frauenband gründen», schlägt die siebzehnjährige Layla ihrer besten Freundin Melanie vor. «Ich würde dann Schlagzeug spielen», erwidert diese begeistert. Die beiden Mädchen sitzen gut gelaunt auf dem Pausenhof. Soeben konnte die heimlich gerauchte Zigarette in letzter Sekunde vor dem Lehrer versteckt werden. Die Zukunft scheint für die jungen Mädchen offen für alles.

Wenige Tage später besuchen sie ein Konzert der texanischen Frauenband «Girl in a Coma», wo sich Laylas Blicke mit jenen von Aaron kreuzen, später werden sie sich an der Schule wiederbegegnen. Da ist Layla schon schwanger – allerdings von ihrem Exfreund, einem dauerbekifften Taugenichts.

«Petting Zoo», der erste Langspielfilm der texanischen Regisseurin Micah Magee, spielt im Milieu der weissen Unterschicht der texanischen Kleinstadt San Antonio. Da wird mit Drogen und Waffen gedealt, es wird herumgeschrien und gesoffen – und mitten durch dieses White-Trash-Elend stakst zielstrebig die schlanke, blonde Layla, unbeirrt und auf den ersten Blick auch unbeteiligt an all dem, was um sie herum und in ihrem Körper passiert. Sie möchte das Kind abtreiben, doch dazu braucht sie die Einwilligung ihrer Eltern, die ihr diese verweigern. So muss sie auf ihr Stipendium verzichten, das sie als Klassenbeste für ein College in Austin gewonnen hat. Sie beginnt zu kellnern und lässt sich auf eine Beziehung mit Aaron ein. Noch weiss er nichts von ihrer Schwangerschaft, doch der Bauch wächst.

Mit Devon Keller hat Magee eine grossartige Laiendarstellerin für ihre Layla gefunden. Praktisch während des ganzen Films ist die Kamera auf sie gerichtet: wie sie durch Vorstadtquartiere zur Arbeit geht, wie sie im Trailer bei ihrer Grossmutter und in deren blühendem, fast schon paradiesisch anmutendem Garten ein Refugium findet – allerdings auch das nur auf Zeit – und wie sie nach jedem Rückschlag mit bewegungsloser Miene weitermacht. Dass «Petting Zoo» zudem völlig unaufgeregt und nie moralisierend ist, macht ihn zu einem der stärksten Filme zum Thema Teenagerschwangerschaft der vergangenen Jahre.

Läuft zurzeit in den Schweizer Kinos.

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