Nr. 16/2017 vom 20.04.2017

Automaten und Arbeitskräfte

Von Jutta Blume

Die Automatisierung der Arbeit hat von jeher eine utopische wie eine dystopische Gesellschaftsvision nach sich gezogen. Die positive, dass der Mensch nur noch wenige Stunden am Tag arbeiten müsse, weil der Rest der Arbeit von Maschinen erledigt werde, scheint im Kapitalismus jedoch nicht umsetzbar. Von daher wird der Automatisierung heute eher skeptisch begegnet, vor allem aus der Perspektive der Lohnarbeitenden.

Prognosen darüber, wie viele Jobs in den nächsten Jahren durch Automatisierung verschwinden werden, will der Journalist Matthias Martin Becker in seinem Buch «Automatisierung und Ausbeutung» nicht abgeben, Schätzungen dazu bewegen sich etwa in Deutschland zwischen fünfzehn und vierzig Prozent. Menschliche Arbeitskraft wird immer dort zu eliminieren versucht, wo sich ihre TrägerInnen zum Streik verbünden konnten, etwa bei der Ernte. Lange Zeit gelang es jedoch nicht, Maschinen zu konstruieren, die erkennen konnten, ob eine Frucht reif sei, um sie dann zu ernten.

Abgesehen vom kostengünstigen Ersatz der menschlichen Arbeitskraft dienen Maschinen zunehmend dazu, die arbeitenden Menschen zu kontrollieren. In einer digitalisierten und bis zu einem gewissem Grad mit künstlicher Intelligenz ausgestatteten Arbeitsumgebung erhalten Menschen Anweisungen von Computern und kommunizieren manchmal mehr mit diesen als mit den KollegInnen. Das trifft auf FabrikarbeiterInnen, die Automaten überwachen, gleichermassen zu wie auf EssenslieferantInnen, denen ihre Routen von einer Plattform vorgegeben werden. Die schlimmste Form der Vereinzelung und Fremdsteuerung erleben CrowdworkerInnen, digitale MinutenlöhnerInnen, die jeder Möglichkeit beraubt sind, mit ihren KollegInnen in Kontakt zu treten und gemeinsam für eine bessere Entlohnung zu kämpfen.

Interessant ist an Beckers Buch vor allem der Blick auf die gesellschaftlichen Verhältnisse, die die neuen, maschinellen Weisen der Arbeitsorganisation erzeugen. Dennoch verliert sich der Autor zuweilen in den technischen Details der sogenannten Industrie 4.0 zwischen Fliessbändern, Produktionsinseln und Montagerobotern.

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