Nr. 24/2017 vom 15.06.2017

Ein Plädoyer für die Gastfreundschaft

Von Silvia Süess

«Aber warum ein Suppenbuch und keines über die mediterrane Küche, über Salate oder Sandwiche?», fragt der aus Syrien stammende Autor Rafik Schami im Vorwort des Kochbuchs «Suppen für Syrien». Um dann gleich selber die Antwort zu geben: «Weil eine Suppe nicht nur nahrhaft ist, sondern auch Trost und Würde schenkt.»

Achtzig Suppenrezepte von namhaften Köchinnen und Köchen versammelt das Kochbuch, das auf Initiative der Fotografin und Kochbuchautorin Barbara Abdeni Massaad entstanden ist. Diese lebt im Libanon, nur 45 Minuten von einem Flüchtlingslager entfernt. Einmal die Woche besuchte sie das Lager, kochte dort für etwa fünfzig syrische Familien und fotografierte. In dieser Zeit entstand die Idee, ein Suppenkochbuch zusammenzustellen und den Erlös daraus an Flüchtlinge zu spenden.

So entstand «Suppen für Syrien», ein wunderschön gestaltetes Kochbuch, in dem jedes Rezept mit einem farbigen, ganzseitigen Foto illustriert ist. Lecker sehen sie alle aus: die Suppe aus gebackenem Kürbis mit Kardamom von Paola Skaff Alford, Abe Guscht – persischer Eintopf mit Kichererbsen und Lamm von Jacqueline Amirfallah, die scharfe Muschelsuppe mit Pastirma von Garrett Melkonian, die Berliner Erbsensuppe von Elisabeth Raether, oder die armenische Zucchinisuppe von Rosina Jerkezian.

Der hintere Teil des Buchs versammelt Porträts von syrischen Kindern, Frauen und Männern im Flüchtlingslager im Libanon, die Abdeni Massaad während ihres Aufenthalts dort gemacht hat.

«Gastfreundschaft stand ganz oben auf der Liste der arabischen Werte und Tugenden», schreibt Schami im Vorwort. Die Geschichte zeige, «dass Diktaturen nicht nur Menschen und Ressourcen vernichten, sondern auch jahrtausendealte grossartige Sitten und Gebräuche, darunter eben auch die Gastfreundschaft». Das Suppenbuch, das dank Schamis Engagement auch auf Deutsch erschienen ist, macht Lust, den Tisch auch für Gäste zu decken, um Trost und Würde zu schenken.

Die Gewinne aus dem Verkauf des Buchs gehen an Schams e. V., den Verein zur Förderung und Unterstützung von syrischen Kindern und Jugendlichen. www.schams.org

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