Nr. 28/2017 vom 13.07.2017

Schadenfreude mit Vögeln

Von Stephan Pörtner

Vom Zwitschern der Vögel geweckt zu werden, nervte Fraterbier gewaltig. Ihm war bewusst, dass dieses penetrant fröhlich klingende Pfeifen zu Zeiten, die schon seit der industriellen, spätestens aber seit der digitalen Revolution der Nacht zugerechnet werden mussten, für die Viecher irgendwie notwendig war. Der Vogelgesang war allgemein nicht der Geschmacksfrage unterworfen, sondern wurde, abgesehen vom Gurren der Tauben, als schön befunden. Ihn auf dieselbe Stufe mit Lärmquellen wie Baustellen, Partyvolk oder Strassenverkehr zu stellen, stiess auf Unverständnis. Darum freute es Fraterbier diebisch, dass die Welt vom Gezwitscher wenn nicht eines Vogels, so doch eines Präsidenten um den Schlaf gebracht wurde.

Stephan Pörtner ist Krimiautor («Köbi der Held», «Stirb, schöner Engel», «Mordgarten») und lebt in Zürich. Für die WOZ schreibt er Geschichten, die aus exakt 100 Wörtern bestehen. Die WOZ hat eine Auswahl unter dem Titel «100 Mal 100 Wörter» als Buch herausgegeben, das unter www.woz.ch/shop/woz-buecher erhältlich ist. Sein Krimi «Mordgarten» ist unter www.woz.ch/shop/buecher zu haben.

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