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08.07.99
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Nun kam es also doch nicht zu dem von vielen befürchteten Show-down schon in der ersten Runde. Recht ordentlich und fast lautlos marschierten an diesem Sonntag fünftausend protestantische Oranier durch die nordirische Kleinstadt Portadown zur Kirche von Drumcree, und sie protestierten auch nicht gross, als ihnen die Polizei wie angekündigt den Zugang zur katholischen Garvaghy Road versperrte. Die anwesenden Grossmeister des Oranier-Ordens warben um Gelassenheit «wir haben unsere Lektion gelernt», sagte einer, und ein anderer hatte gar erkannt, dass Aufruhr «nur unseren Feinden» diene. Erinnerten sie sich an das vergangene Jahr, als eine Brandstiftung drei Kinder kamen dabei ums Leben einen geplanten Grossaufmarsch bei Drumcree verdarb? Oder wollten sie nicht die Kraftprobe vorwegnehmen, die für den kommenden Montag, den 12. Juli, vorgesehen ist, wenn in ganz Nordirland zehntausende Oranier den protestantischen Sieg über die Katholiken im Jahre 1690 feiern? Ganz überrascht von diesem Sinneswandel zeigten sich jedenfalls die bedrängten AnwohnerInnen der Garvaghy Road (siehe WoZ Nr. 25/99), die ganz andere Töne gewohnt sind. Bei ihnen erregte die unverhoffte Friedfertigkeit der Oranier grossen Argwohn, den die Ordner des Umzugs noch nährten: Die Protestanten dürften bereits in den nächsten Tagen doch noch durch die Garvaghy Road marschieren, wisperten sie hinter vorgehaltener Hand, das sei ihnen von höchster Stelle zugesichert worden.Die nordirische Marschsaison hat begonnen, die Nerven liegen blank, ein Gerücht jagt das nächste und ausgerechnet in diesen Wochen, in denen in Nordirland sonst jede politische Tätigkeit ruht, hat der britische Premierminister Tony Blair die unionistischen Politiker vor eine grosse Herausforderung gestellt. Nach fünf Tagen ergebnislosen Verhandlungen, in die sich auch immer wieder US-Präsident Bill Clinton einmischte, setzten er und sein irischer Amtskollege Bertie Ahern dem Unionisten-Chef David Trimble eine letzte Frist. Ihr Zeitplan sieht vor, dass bis 15. Juli eine Regionalregierung gebildet wird, in der auch zwei Mitglieder der IRA-nahen Partei Sinn Féin vertreten sind; kurz danach müsste die IRA ihre Entwaffnung beginnen und bis Mai 2000 beendet haben. Für die UnionistInnen ist diese Abfolge jedoch inakzeptabel: Erst müsse die IRA einen Teil ihres Arsenals aushändigen, lautet ihre Forderung, nur dann käme eine Regierungsbeteiligung von Sinn Féin in Frage. IRA und Sinn Féin hingegen vertreten (mit einem gewissen Recht) die Position, dass das Karfreitagsabkommen von 1998 eine vorzeitige Abrüstung nicht vorsieht. Blair habe sich von den katholischen RepublikanerInnen einschüchtern lassen, war die erste Reaktion der UnionistInnen an diesem Wochenende der Vorschlag aus London und Dublin könne nicht hingenommen werden. Dabei haben sich Teile von Trimbles Ulster Unionist Party (UUP) längst auf diesen Fall vorbereitet. Ein internes Strategiepapier von Ende Juni schlägt vor, Sinn Féin und IRA nicht vor, sondern nach deren Regierungsantritt (und dann mit Hilfe der Regierenden in London, Dublin und Washington) unter Druck zu setzen. Das Ende des Entwaffnungsprozesses sei wichtig, nicht der Anfang, heisst es darin. Nach diesem Papier sollen die weitere Freilassung von IRA-Gefangenen und die Umsetzung der umstrittenen Reform der nordirischen Polizei erst nach völliger Entwaffnung der IRA erfolgen. Eine einfache und aus unionistischer Sicht auch bestechende Idee: Sie zielt darauf ab, Sinn Féin und IRA alle Waffen zu entlocken, nicht nur einen Teil. Ohne Waffen aber braucht es auch keine IRA mehr; sie kann sich dann auflösen. |
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