| [home] | WoZ-Online | 18.02.99 | |
[Dossier] |
Mit Tempo an die Klippen 2/2 |
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Jetzt werden die RepublikanerInnen wieder ungeduldig, zumal sich am Wochenende Irlands Premier Bertie Ahern verhaspelte: Auch er sei der Meinung, dass ein Teil der IRA-Waffen abgeliefert sein müsse, bevor Sinn Féin die ihr zustehenden Regierungssitze einnehmen dürfe, sagte er in einem Interview. Die Sinn-Féin-Spitze um Gerry Adams und Martin McGuinness war entsetzt. Da hatten sie ihre Mitglieder in jahrelanger Arbeit auf eine breite Front eingeschworen mit dem Argument, dass die irische Einheit nur mit Hilfe Dublins und einer Regierungsbeteiligung von Sinn Féin zu erreichen sei. Und ausgerechnet jetzt scheint der wichtigste Bündnispartner die Seite zu wechseln. Dabei haben Adams und McGuinness ohnehin schon alle Hände voll zu tun, um die skeptische Basis zu besänftigen.Wie sehr dort die Unruhe gewachsen ist, zeigen die Vorfälle der letzten Wochen. Ende Januar wurde das ehemalige IRA-Mitglied Eamon Collins totgeschlagen, die Täter kommen wahrscheinlich aus republikanischen Kreisen. Collins hatte in seinem Buch «Blinder Hass» die Niederungen des IRA-Kampfes dargestellt und im Schadensersatzprozess einer britischen Zeitung gegen den angeblichen Stabschef der IRA ausgesagt. Das war ärgerlich (zumal dieser Stabschef Gerüchten zufolge daraufhin ersetzt werden musste), aber selbst noch kein zwingender Grund für einen Mord. Wirklich gefährlich wäre Collins erst bei einer Wiederaufnahme des bewaffneten Kampfes geworden. Dass die IRA den Kampf neu beginnt, ist höchst unwahrscheinlich aber nicht alle IRA-Mitglieder scheinen dieser Ansicht zu sein. Vieles spricht auch dafür, dass die «Continuity IRA» (CIRA) Zulauf hat. CIRA ist die einzige Gruppierung auf republikanischer Seite, die keine Waffenruhe ausgerufen hat. Der bewaffnete Arm der traditionalistischen Republikanischen Sinn Féin hat sich im Januar durch einen Anschlag auf eine Polizeikaserne in Westbelfast hervorgetan und soll mittlerweile auch in London über Einheiten verfügen. Wie Sinn Féin und IRA die republikanischen KritikerInnen ihrer Strategie in den Griff bekommen wollen, zeigte sich Anfang Februar, als das ehemalige IRA-Mitglied Paddy Fox entführt wurde. Fox (er sass wegen seiner republikanischen Taten jahrelang im Knast) wurde gehörig malträtiert und wohl nur freigelassen, weil Freunde rechtzeitig die Medien alarmiert hatten. Das erinnert an frühere Spaltungen in der republikanischen Bewegung: In den zwanziger und siebziger Jahren wurden viele erschossen, die der jeweiligen Mehrheitsmeinung nicht folgen wollten. Während vielen republikanischen Kritikern des Karfreitagsabkommens nicht mehr einfällt als die Wiederaufnahme eines militärischen Kampfes (den die IRA auch deswegen einstellte, weil sie ihn zu verlieren begann), zündeln andere fröhlich weiter. Letzte Woche hat die britische Regierung erneut eine unabhängige Untersuchung des Mordes an Pat Finucane abgelehnt. Der angesehene Rechtsanwalt Finucane war vor genau zehn Jahren von Loyalisten erschossen worden, die vom britischen Geheimdienst Unterstützung erhalten hatten. Und in Portadown drangsalieren immer noch allwöchentlich aufgeregte ProtestantInnen eine kleine irisch-katholische Gemeinde, weil diese einen Umzug von der Kirche Drumcree durch ihre Strasse verhindert hatte. Das war im Juli letzten Jahres. An Ostern beginnt die neue Marsch-Saison. |
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