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6.7.00
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Drumcree zum Sechsten |
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Pit Wuhrer |
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Alles ist vorbereitet für die grosse Schlacht. Rund zweitausend extra aus Britannien eingeflogene Soldaten haben Schützengräben ausgehoben, Stacheldraht ausgerollt, Stahlbarrieren errichtet, Panzer und schweres Bergungsgerät bereitgestellt. Auf der anderen Seite tauchen immer wieder loyalistische Paramilitärs auf, Mitglieder der probritischen Terrorkommandos, unterstützt von Combat 18, einer faschistischen englischen Organisation (die Zahl 18 steht für die Stelle der Anfangsbuchstaben des Namens Adolf Hitler im Alphabet). Es gehe ums Ganze, hatten die Führer des protestantischen Oranier-Ordens von Portadown verkündet, als sie sich am letzten Sonntag in einer Art Generalprobe bei der kleinen Kirche von Drumcree am Stadtrand von Portadown versammelten. An diesem Sonntag wollen sie es nun wissen. «Wir verteidigen den protestantischen Glauben, die protestantische Kultur, das protestantische Volk», lautet der Schlachtruf der Oranier.
Vieles deutet darauf hin, dass sich in diesem Jahr die Ereignisse von 1996 und 1998 wiederholen könnten. Seit im Jahre 1995 die Behörden erstmals den traditionellen Marsch der Oranier-Loge Nr. 1 von Drumcree durch die irisch-nationalistische Garva-ghy Road verhindern wollten, ist die alljährliche Auseinandersetzung um die Parade von Drumcree Höhepunkt der nordirischen Marschsaison. 1996 erzwangen die Oranier mit Hilfe bewaffneter Paramilitärs den Durchmarsch, weil sie in weiten Teilen Nordirlands Unterstützung fanden, Flugplätze, Strassen, Häfen blockiert wurden und die nordirische Polizei mit Meuterei drohte. 1998 entwickelte sich eine ähnliche Situation, nachdem die neu gewählte britische Labour-Regierung im Jahr zuvor den Oraniern den Weg hatte freiprügeln lassen. Doch die grosse Konfrontation blieb aus: Im Zuge schwerer Unruhen verbrannten drei Kinder in einem Feuer, das Loyalisten gelegt hatten; das war den meisten ProtestantInnen dann doch zu viel. 1999 schliesslich endete alles friedlich. Wie sich im Nachhinein herausstellte, hatte der britische Premierminister Tony Blair den Oraniern von Portadown zu verstehen gegeben, dass sie innerhalb von Monaten doch noch marschieren dürften. Dass sie so hinters Licht geführt wurden (und dann auch noch von einem Premierminister!), empörte die braven Oranier ganz besonders. Noch einmal, sagen sie jetzt, würden sie sich nicht für dumm verkaufen lassen. «Irrational», «unvernünftig», «unbelehrbar» die Medien sind sich in ihrem Urteil über die Oranier weitgehend einig, verkennen dabei aber den rationalen Kern von deren Handeln. Denn bisher hat sich sture protestantische Opposition ausgezahlt: Ihre britische Schutzmacht gab meist nach. So ist bereits abzusehen, dass die Oranier demnächst durch die Garvaghy Road marschieren dürfen. Ob sie sich schon dieses Mal durchsetzen können, ist ungewiss. Die ProtestantInnen bilden (anders als bei Drum- cree 19951997) keine Einheit mehr. Das jedoch könnte sich schon am Freitag ändern, wenn die britische Regierung bekannt gibt, wie gründlich sie die nordirische Polizei reformieren will. Geht die Reform den ProtestantInnen zu weit, kommt es bei Drumcree zu einem Grossaufmarsch. In Belfast zum Beispiel gingen zu Beginn dieser Woche die ersten Barrikaden und Autos in Flammen auf. |
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