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WoZ-Online
30.8.2001

Verschollen oder tot?

Der Fall Bruno Bréguet


Roger Monnerat

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Ob es sich beim in den letzten Tagen gemeldeten Skelettfund im Nordwesten Griechenlands um Überreste des Schweizer Staatsangehörigen Bruno Bréguet aus Minusio handelt, ist zurzeit noch ungeklärt. Entgegen ersten Meldungen wurde das Skelett nicht in einem Haus in Drepanon (Peloponnes) eingemauert gefunden, sondern in einem zerfallenden Zement- oder Betonblock am Strand in der Nähe der Hafenstadt Igoumenitsa. Bréguet besass dort im Ferienort Perdika ein Haus.
Auf der Rückfahrt von Perdika zu seinem Wohnort im österreichischen Vorarlberg war Bréguet im November 1995 von den italienischen Behörden in Ancona die Einreise verweigert worden. Er befand sich in Begleitung seiner Frau und ihrer gemeinsamen Tochter. Diese wurden gezwungen, die Reise fortzusetzen, Bréguet wurde in einer Kabine des Fährschiffes «Lato» eingesperrt. Seine Papiere wurden dem Kapitän übergeben, der sie später auf dem Polizeiposten in Igoumenitsa ablieferte. Von Bréguet ist nicht bekannt, ob und wie er die Fähre verliess. Seit dem 11. November 1995 ist er verschollen. Anfang Januar 1996 erschienen erste Berichte, in denen vermutet wurde, er sei vom griechischen – möglicherweise aber auch vom französischen oder israelischen – Geheimdienst verschleppt, gefoltert und getötet geworden.
Bréguet hatte zur Untergrundorganisation von Illitch Ramirez-Sanchez – genannt «Carlos» – gehört, der im August 1994 vom französischen Geheimdienst im Sudan gefangen genommen und nach Frankreich gebracht worden war. Bréguet selbst war 1982 in Frankreich wegen Sprengstoffbesitz zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt und nach dreieinhalb Jahren freigelassen worden.
Von diesem Zeitpunkt an hatte er legal in Österreich gelebt und sich nach Angaben seines Bruders Ernesto Bréguet frei bewegen können. Im Zusammenhang mit der Verhaftung von angeblichen «Carlos-Komplizen» in der Schweiz im August 1994, darunter dem bekannten Zürcher Aktivisten Giorgio Bellini, war Bréguet von der damaligen Bundesanwältin Carla del Ponte als Zeuge vorgeladen worden.* Er sei an der gemeldeten Adresse bei der Familie im Tessin aber nicht erreichbar gewesen, hiess es vonseiten der Bundesanwaltschaft später dazu. Vermutungen, del Ponte habe im Februar 1996 einen Besuch in Budapest benutzt, um den dort gefangen gehaltenen Bréguet zu verhören, wurden von den Behörden im April 1996 dementiert. Dieses Dementi ist das Einzige, was auf der Homepage der Bundesverwaltung zum seit sechs Jahren verschollenen Bréguet zu finden ist.
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