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21.2.2002

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Arbeitszeitinitiative: Die positiven Nebenwirkungen

Atempause für Zeitkünstlerinnen


Regula Rytz

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Im Unterschied zu 1988, als die 40-Stunden-Woche von Männern wie Frauen gleich beurteilt wurde, legen am 3. März wohl mehr Frauen als Männer ein Ja in die Urne. Mit gutem Grund.

«Müssiggang ist aller Laster Anfang.» Mit dieser kernigen Aussage zieht der Schweizerische Gewerbeverband gegen die Arbeitszeitverkürzung ins Feld - und kaum jemand stellt die Frage, woher die Laster heute kommen. Denn in der Schweiz wird länger gearbeitet als in fast allen westeuropäischen Ländern (Ausnahme: Grossbritannien). Auch unter geschlechtsspezifischem Blick ist die Schweiz eine Arbeitszeitinsel. Traditionelle Rollendifferenzen wirken sich immer noch stark auf die Arbeitszeiten aus. Männer leisten mehr bezahlte und sozial abgesicherte Erwerbsarbeit als Frauen. Für die unbezahlte Haus- und Familienarbeit dagegen sind noch immer mehrheitlich die Frauen zuständig.
Dieser Befund ist nicht neu, hat aber mit zunehmender Erwerbsbeteiligung der Frauen Auswirkungen auf die Deregulierung der Arbeitsverhältnisse. Weil Frauen als Zeitkünstlerinnen Beruf und Familie miteinander verbinden müssen und durch familienbegleitende Kinderbetreuung ungenügend entlastet werden, wurden sie in den neunziger Jahren von der Ausdehnung atypischer und prekärer Arbeitsformen besonders stark erfasst. Die Wahrscheinlichkeit, am Abend, in der Nacht oder am Wochenende zu arbeiten oder gar auf Abruf bereitzustehen, ist bei Frauen grösser als bei Männern. Es erstaunt auch nicht, dass 82 Prozent der Teilzeitarbeit von Frauen geleistet wird. Nicht immer ist dieses Arbeitsverhältnis freiwillig gewählt. Vor allem Frauen mit kleinen Pensen wollen häufig mehr arbeiten und verdienen, vierzehn Prozent der Frauen bezeichnen sich als unterbeschäftigt.

Die Nachteile der Teilzeitarbeit
Teilzeitarbeit bringt als individuelle Form der Arbeitszeitverkürzung viele Nachteile mit sich. Teilzeitarbeitende verdienen weniger als Vollzeitbeschäftigte und sind deswegen im Alter oder bei Invalidität schlechter abgesichert. Teilzeitarbeit hat aber auch direkte oder indirekte Diskriminierungen zur Folge wie den Ausschluss aus einem Gesamtarbeitsvertrag oder geringere Chancen bei der beruflichen Entwicklung und der betrieblichen Weiterbildung. Untersuchungen zeigen zudem, dass die Teilzeitarbeit der Frauen die traditionellen Rollen eher zementiert als verändert und keine gleichberechtigte Integration in den Arbeitsmarkt bedeutet. Die geforderte Angleichung der Lebensbedingungen von Frauen und Männern ist nur über eine generelle Arbeitszeitverkürzung und den Ausbau der familienexternen Kinderbetreuung möglich.
Die Arbeitszeitinitiative des SGB ist speziell für Frauen von grosser Bedeutung: Kurzfristig führt sie zu einem Diskriminierungsverbot bei der Teilzeitarbeit und schränkt prekäre Arbeitsformen wie «Arbeit auf Abruf» ein. Damit werden speziell Frauen im Tieflohnbereich besser geschützt. Mittelfristig ist die schrittweise Verkürzung der Normalarbeitszeit eine notwendige Voraussetzung für die Angleichung der Lebensverhältnisse von Frauen und Männern. Denn wer mehr als 40 Stunden in der Woche arbeitet und dazu noch Überstunden schiebt, hat wenig Spielraum für Veränderung. Erst die Verkürzung der Erwerbsarbeit schafft Grundlagen für ein neues Gleichgewicht. Sie senkt die generelle Lohnarbeitszeit, so dass Männer mehr Verantwortung in der Familie übernehmen können. Dies ermöglicht den Frauen, mehr bezahlte und sozial abgesicherte Erwerbsarbeit zu leisten.

Arbeitszeiten müssen planbar sein
Damit Berufs- und Familienarbeit partnerschaftlich geteilt werden kann, muss auch die Planbarkeit der Erwerbsarbeit verbessert werden. Untersuchungen bei VW in Deutschland zeigen, dass die Vier-Tage-Woche bei verlässlichen und planbaren Arbeitszeiten nach anfänglicher Skepsis auf breite Akzeptanz stiess, gerade auch bei Männern. Das Klima in den Familien und das Verhältnis zu den Kindern habe sich verbessert, auch die Beteiligung der Männer an der Hausarbeit habe (allerdings nur minimal) zugenommen. Die in Jahrhunderten eingeschliffene Rollenzuweisung lässt sich nicht in wenigen Jahren aus den Angeln heben. Aber ohne Verkürzung der Erwerbsarbeitszeit treten wir weiterhin auf der Stelle..

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