Memri-Gründer Yigal Carmon


Die deutsche Fachzeitschrift «Inamo» (Informationsprojekt Naher und Mittlerer Osten) porträtiert in ihrer jüngsten Ausgabe den Memri-Gründer Yigal Carmon (www.inamo.de/kernframe.html). Carmon hat jetzt eine Unterlassungserklärung in zwölf Punkten gefordert und droht eine Klage an. Mit dem enorm hohen Streitwert von 50 000 Euro soll «Inamo» wohl zu einem Vergleich gezwungen werden, denn ein Prozess zur Wahrheitsfindung könnte «Inamo» so oder so ruinieren, meint «Inamo»-Redaktor Norbert Mattes zu Carmons Klage. Hier eine gekürzte (unbestrittene) Version des Porträts:
Carmon arbeitete von 1977 bis 1982 an der Spitze der israelischen Besatzungsverwaltung in der Westbank. Er diente mehrere Jahre im israelischen Militärgeheimdienst und war einer der führenden Offiziere der für die Anwerbung von Informanten in arabischen Staaten zuständigen Unit 504. Sie war auch für die Führung der Hilfstruppe Südlibanesische Armee verantwortlich. Die angeworbenen Araber wurden in der Regel mit Drogen bezahlt, die die Unit 504 von der israelischen Polizei erhielt.
Ab 1988 war Carmon Berater für Terrorismusfragen im Büro des Premierministers Jitzhak Schamir. Anfang 1993, nur wenige Monate nach dem Amtsantritt von Jitzhak Rabin, schied Carmon aus dem Dienst des Premierministers aus. Er betont aber immer, auch Berater von Rabin gewesen zu sein, um von dessen Nimbus zu profitieren.
Danach widmete sich Carmon dem Verfassen von Artikeln. Er präsentierte sich nicht nur als Kritiker von Rabin und Schimon Peres, sondern er warf auch Benjamin Netanjahu vor, in seiner Blockade-Politik gegen den Frieden nicht konsequent genug zu sein. Carmon näherte sich radikalen politischen Positionen und Organisationen an. Er ist in den Medien der extremen Rechten präsent, etwa in einer Zeitschrift radikaler Siedler. Am deutlichsten wird Carmon jedoch in US-Medien. Die «Washington Post» zitiert eine Aussage Carmons zur Anwendung von Folter an palästinensischen Gefangenen zum Zwecke der Informationsgewinnung: «Als Carmon gefragt wurde, ob er jemandem Schmerzen zufügen würde, um Informationen zu erhalten, antwortete er: ‘Schmerz nimmt dir nicht das Leben, Schmerz kommt und geht. Schmerz verschwindet … Jeder hat diese Erfahrung schon gemacht …’» Solche Worte von einem früheren hohen Offizier eines Dienstes, der mit Folter ar-beitet, sind mehr als Verharmlosung der angewandten Methoden (wobei Carmon bestreitet, dass der Dienst foltert).
Yossi Melman von der israelischen Zeitung «Ha’aretz» beschreibt Carmons Aktivitäten Mitte der neunziger Jahre als «Ein-Personen-Geheimdienst». So sammle Carmon auf eigene Initiative und auf eigene Rechnung Informationen in den palästinensischen Autonomiegebieten: «Er betrieb ein Netzwerk von Informanten und bezahlte jedem dutzende, wenn nicht hunderte Schekel für eine einzige Kassette.» (Carmon bestreitet dies.)
Das Projekt Memri fügt sich nahtlos in die Biografie von Yigal Carmon ein.
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