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WOZ-Online
22.5.2003

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Umfrage: Was tun eigentlich die alternativen Pensionskassen?

Der andere Ansatz
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Sie wollen anders sein als die grossen Pensionskassen und haben sich mit bemerkenswertem Erfolg halten können. Aber wo liegen ihre Schwerpunkte, und wie setzen sie ihre Strategien um? Anne Gurzeler hat nachgefragt:

1. Was sind die Schwerpunkte Ihrer nachhaltigen Anlagepolitik?

2. Was sind die wichtigsten Strategien zur Umsetzung dieser Schwerpunkte?

3. Wie sehen die Perspektiven für eine nachhaltige Anlagepolitik aus?


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Stiftung Abendrot

1)
Die Stiftung Abendrot versucht, ihre gesamten Mittel nach nachhaltigen Kriterien anzulegen. Dies betrifft Anlagen in Wertpapieren, Hypotheken und Liegenschaften, wobei für die verschiedenen Anlagesegmente unterschiedliche Kriterien erarbeitet wurden.

2) Bei den Wertpapieranlagen wurde 2001 ein Verwaltungsmandat an die Bank Sarasin erteilt, deren Nachhaltigkeitsraster für Aktien- und Obligationsanlagen uns überzeugt hat. Dieses Nachhaltigkeitsraster beruht nicht auf dem «best in class»-Ansatz, sondern auf einem Branchen- und Firmenansatz, wonach zuerst die Nachhaltigkeit der gesamten Branche ermittelt wird und alsdann die Stellung der Firma in dieser Branche. Das Rating erfolgt nach Nachhaltigkeits- und Finanzkriterien.
Bei Direktanlagen (kleinkapitalisierte Firmen, Private Equity) übernimmt der Anlageausschuss die Prüfung und nimmt in der Regel Einsitz in den Verwaltungsrat der Firma oder lässt sich dort vertreten.
Bei Liegenschaftsanlagen spielen vor allem bauliche und soziale Kriterien eine Rolle. Gemeinschaftliche Projekte haben Vorrang.

3) Das Volumen der nachhaltigen Anlagen hat in den letzten Jahren stetig zugenommen. Ebenso liegen erste Untersuchungen vor, die zeigen, dass Nachhaltigkeit nicht verbunden ist mit Ertragsminderungen oder Ertragsausfällen.
Interessant ist im jetzigen Zeitpunkt die Feststellung, dass verschiedene grosskapitalisierte Firmen starke Anstrengungen bezüglich Nachhaltigkeit vornehmen, beispielsweise Novartis, was uns zwingt, einen Denkprozess auch bei uns in Gang zu setzen.

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Ethos-Stiftung

1) Bei der Integration von Nachhaltigkeitskriterien verfolgt die Ethos-Stiftung einen dreifachen Ansatz. Erstens werden die Gesellschaften, in die Ethos investiert, strikte auf ihr soziales und ökologisches Verhalten analysiert (gewisse Branchen werden zudem völlig ausgeschlossen). Zweitens werden die mit den Aktien verbundenen Stimmrechte im Sinne der Ethos-Stimmrechtrichtlinien, die sich an einer guten Corporate Governance und am Konzept der nachhaltigen Entwicklung orientieren, ausgeübt. Drittens wird mit sämtlichen Unternehmen ein Dialog etabliert, um diese für das Konzept der nachhaltigen Entwicklung zu sensibilisieren.

2) Nachhaltiges Verhalten eines Unternehmens ist beim Investitionsentscheid das wesentliche Auswahlkriterium, das heisst innerhalb einer Branche werden die nachhaltigsten Unternehmen ausgewählt. Zudem werden die mit den Aktien verbundenen Stimmrechte konsequent im Sinne der Versicherten und der zukünftigen Generationen ausgeübt.

3) Gelder mit sozialer Zweckbestimmung dürfen ihren sozialen Charakter während der Verwaltungsphase (beziehungsweise bevor sie ausbezahlt werden) nicht verlieren. Pensionskassengelder gehören den Versicherten, das heisst ArbeitnehmerInnen, KonsumentInnen und Familienvätern. Diese wollen mit ihrem Geld nicht nur eine Rendite erzielen, sondern verfolgen auch andere, nachhaltige Ziele (Erhaltung der Umwelt, soziale Gerechtigkeit, Frieden). Hinzu kommt die Langfristigkeit der Anlage von Vorsorgegeldern. Pensionskassen müssen deshalb von ihren Eigentümerrechten Gebrauch machen und mit den Unternehmen in einen gleichberechtigten Dialog treten. Vor diesem Hintergrund gehören Nachhaltigkeitskriterien zwingend zur Verwaltung von Pensionskassengeldern.


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Nest-Sammelstiftung

1) Jede Investition der Nest-Sammelstiftung ist ökologisch und sozial verantwortbar. Dies gilt für das gesamte Portefeuille. Mit unserem Auswahlverfahren (INrating) unterziehen wir insbesondere alle Aktienanlagen einer strengen ökologisch-ethischen Prüfung. Ist diese bestanden, betrachten wir die ökonomische Seite. Die Unabhängigkeit beider Aspekte ist somit gewahrt.

2) Wir betreiben eine systematische, auf lange Sicht ausgerichtete Anlagepolitik. Im Vordergrund stehen die Sicherheit und eine ausreichende Rendite auf lange Sicht. Die Strategie legt fest, wie die Allokation der Anlagen erfolgt, das heisst die Verteilung auf die verschiedenen Anlagekategorien wie Aktien, Obligationen, Immobilien und Darlehen. Die ökologisch-ethischen Grundsätze werden so umgesetzt, als nur solche Anlagen zugelassen sind. Unsere Grundsätze sind in den Allgemeinen Anlagerichtlinien festgehalten, über die die Delegierten der uns angeschlossenen Betriebe entscheiden. Mit dem Anlagereglement setzen wir das um. Stiftungsrat und Anlagekommission treffen in diesem Rahmen die notwendigen Entscheide, die dann von der Verwaltung vollzogen werden.

3) Die Entwicklung geht seit mehreren Jahren ganz klar in diese Richtung. Vor zwanzig Jahren, bei der Gründung von Nest, betrachtete man unseren Ansatz noch als exotisch. Mittlerweile legen eine Reihe von Pensionskassen einen Teil ihrer Gelder nachhaltig an. Sie tun dies nicht zuletzt, weil sie eine gute Perfomance erwarten und die Nachfrage nach solchen Anlagen laufend zunimmt. Die Meinung, dass nachhaltige Anlagen langfristig das bessere Potenzial haben (kurzfristig können sie erheblich abweichen), setzt sich langsam auch in der Fachwelt durch.

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