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13.11.2003
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Manufactum |
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Garantiert langlebig
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Sie verkaufen geniale Einkaufsnetze, kostbare Kaffeemaschinen und die perfekten Unterhosen. Manufactum das Versandhaus, das die geltende Ökonomie auf den Kopf stellt.
Thomas Hoof ist ein bisschen verrückt. Er will keine Elektronik in seinem Unternehmen. Er verabscheut Plastik. Und er verkauft Dinge, die für die Ewigkeit gemacht sind. Der Mann pflegt ökonomische Vorstellungen aus dem letzten Jahrtausend. Und was die Geschichte wirklich verrückt macht: Der Deutsche verdient damit Geld viel Geld, wie er selber sagt. Und das, weil er den schönsten aller Kataloge herausgibt. «Manufactum» heisst das Buch, wiegt knapp ein Kilogramm und erzählt Geschichten über gute Dinge: Bratpfannen, Milchwächter, Möbel, Schuhe, Bälle. Hoof nennt sie «integere Dinge». Sie sind nicht billig, aber sie wissen, was sie können. Zum Beispiel der Handrührer der Amish People. Limitierte Produktion Die Amish leben zurückgezogen im Norden der USA. Sie entsagen der modernen Welt. Bei ihnen gibt es keinen Strom und keine Autos. In einer kleinen Manufaktur in Pennsylvania fertigt eine Amish-Familie verschiedene Alltagssachen. «Viele Dinge verkaufen sie nicht: Diesen Handrührer haben wir ihnen abgerungen», steht im «Manufactum»-Katalog. Unsere Vorfahren schlugen Rahm oder Eiweiss mit diesen Quirlern, bevor die Mixer die handlichen Geräte vertrieben. «Das grosse Gerät ist wirklich gut gemacht: ganz aus Metall (Edelstahl und Zinkdruckguss)», schwärmt «Manufactum», «das grosse Zahnrad setzt die beiden Quirle in rasante (gegenläufige) Bewegungen (Kraftübersetzung 1:5). Jedes der insgesamt 9 Einzelteile kann ausgetauscht werden; wir haben sie vorrätig.» Allerdings ist das Gerät manchmal nicht lieferbar. Die Amish produzieren nur im Winter, im Sommer bestellen sie ihre Felder: «Durch nichts lassen sie sich dazu bringen, für uns mehr zu produzieren. Das ist ein Familienbetrieb sie leben in ihrem Rhythmus und würden nie jemanden anstellen, nur weil wir möchten, dass sie mehr liefern», sagt Johannes Zumpe, Manufactum-Geschäftsleitungsmitglied. Innovation als Landplage Hoofs Versandhandel der guten Dinge prosperiert. Über viertausend Produkte bietet Manufactum inzwischen an, vom Glasfaser-Massband für 5.30 Franken über den Schweizer Raclette-Ofen für 170 Franken bis hin zum Klappsofa aus massiver Feuerlandkirsche für 3250 Franken. Vergangenes Jahr machte Manufactum einen Umsatz von rund sechzig Millionen Franken, belieferte 1,3 Millionen Haushalte, davon 80 000 in der Schweiz. Hoof weiss, wie man geschäftet. Derweil er Wörter wie Wachstum, Innovation oder Produktivität verachtet. Kürzlich konnte man den folgenden Wortwechsel zwischen einem deutschen Wirtschaftsjournalisten und Hoof lesen: Wirtschaftsforscher schätzen sie als Wachstumsmotor, Politiker als Mittel gegen Arbeitslosigkeit, Ihnen hingegen gilt Innovation als Landplage. Wie kommen Sie bloss darauf? Thomas Hoof: Wenn ich für meinen fünf Jahre alten Rasierapparat für mich ein jugendliches Ding neue Scherblätter brauche und der Händler sich über diesen Wunsch kaputtlacht und mir statt des Ersatzteils den mittlerweile lieferbaren Urenkel andient, der zwar einen schlechteren Motor habe, dafür aber wisse, wann er gereinigt werden müsse dann empfinde ich Innovation in der Tat als Landplage. Weiterentwicklung ist aber nun einmal eine Voraussetzung für bessere Produkte. Was ist denn daran weiter ? Der mickrige Motor? Das Reinigungsgefiepse? Mit Verlaub, das ist erst einmal ein Anschlag auf mein Bargeld in dem Fall übrigens ein misslungener: Ich rasiere mich jetzt wieder nass. Die Innovationen bei Konsumgütern folgen doch nicht wirklich einem technischen Verbesserungswillen; es sind Pseudoinnovationen, Scheintechniken und werden als Anlass für irgendeinen Marketing-Klamauk gebraucht. Diese Pseudoinnovationen haben aber das Pro-Kopf-Einkommen und den Wohlstand gesteigert. In jedem vernünftigen Sinn drückt sich Wohlstand nicht in wachsenden Müllbergen, sondern in einem wachsenden Kapitalstock aus. Sehen Sie den? Wenn man private und öffentliche Verschuldung, Abschreibungsraten sowie den Verzehr an Rohstoffen und Energieträgern überschlägt, dann erfreuen wir uns einer gigantischen Kapitalvernichtung. Unser Wohlstand ist der von fröhlich prassenden Erben. Das ist ein rein ökonomisches, kein moralisches Urteil, aber: Es gibt offenbar Epochen, die die Welt bereichern, und solche, die sie nur verzehren und verdauen. Mir fällt es schwer, zu sagen, dass die unsere zu den Ersteren gehört. Schrumpfende Lebenszeit Hoof sagt zwar, er habe keine Mission. Er will, dass man ihn als Unternehmer sieht. Doch als Kapitalist stellt er die herrschende ökonomische Ideologie auf den Kopf. Fröhlich unterläuft er das Gebot des modernen Wachstums, das darauf beruht, dass neue Geräte zwei Tage nach Ablauf der Garantie kollabieren. Die Dinge von heute sind mit einem klandestinen Kaputtgehdatum versehen. Handys, Schuhe oder Computer leben immer weniger lang. Sind sie kaputt, sind sie irreparabel gestorben und man ist verdammt, ein neues Ding zu kaufen. Das ist der Hunger der Ersatzökonomie: Je schneller die Dinger sterben, desto grösser der Absatz an neuen Dingern, desto grösser der Umsatz, desto grösser das Wachstum, desto grösser der Wohlstand. Hoofs Dinge sind anders. Sie sind seiner Meinung nach gut, weil sie nach alter handwerklicher Tradition aus guten Materialien hergestellt wurden, lange halten und reparierbar sind. Einige seiner guten Dinge stammen aus der Schweiz. Zum Beispiel die kalt gewalzten, dünnen Blaubackbleche. Oder die Olympia Cremina: «Seit 80 Jahren baut Olympia Espressomaschinen von allerhöchstem Renommee», steht im «Manufactum»-Katalog, «kurzlebige, modische Spielereien hatten dabei nie eine Chance. 'Nachhaltige Technik' ist ein unternehmenseigener Entwicklungsgrundsatz, der sich etwa darin bewährt, dass jahrzehntealte Modelle von ihren Besitzern heute selbstverständlich zur Reparatur gebracht und gewartet werden.» Ein edles Stück, erhältlich für 2690 Franken. Nostalgisch die berühmten Bleistiftspitzmaschinen von Caran dAche, die einst in jedem Schulzimmer standen. Begeistert beschreibt die «Manufactum»-Redaktion die schmucke Maschine, «die mit ihrer rotierenden Fräswalze Farb- und Bleistifte von 4 bis 10 Millimeter Durchmesser präzise und in definierter Kegelbreite zuspitzt». Oder die Zimmerli-Unterwäsche, die seit 1871 in Aarburg entsteht. «Manufactum» bezeichnet sie als «die berühmteste der ohnehin berühmten Schweizer Feinstrickereien». Die doppelt merzerisierte Baumwolle geht nicht ein, die Bündchen pieksen nicht, die Superreichen lieben sie und erschwinglich sind sie trotzdem. Die Damenunterhose schwarz oder weiss kostet 32 Franken, die Herrenunterhose mit Eingriff 60 Franken. «Manufactum» ist eine Hymne auf das gute alte Handwerk. Ein anachronistisches Werk, das immer mehr AnhängerInnen findet. Die «Süddeutsche Zeitung» erhob es auf der redaktionsinternen Liste der wichtigsten Bücher auf den zweiten Platz (auf dem ersten stand Ovids «Liebeskunst», James Joyce «Ulysses» lag auf dem 489sten). Reiche und Qualitätsfetischisten Thomas Hoof ist heute Mitte fünfzig. Der gelernte Buchhändler war Anfang der achtziger Jahre Landesgeschäftsführer der Grünen. 1988 begann er mit seinem Versandhandel. Heute beschäftigt er in Waltrop im Ruhrgebiet über 130 Personen. Inzwischen beliefert er mit Spezialkatalogen die Schweiz, Österreich und Britannien, Holland und Schweden werden bald hinzukommen. Über seine Kundschaft sagte Hoof einmal: «Wo die Reichsten wohnen, verkaufen sich unsere Produkte am besten. Fast ebenso gut aber in Altbauvierteln, bei Professoren und grün-alternativen Studenten.» Diese zwei Gruppen könnten sich zwar «nicht riechen», aber sie teilten ihre Vorliebe für Qualität. Übrigens hat Manufactum begonnen, ausgestorbene Dinge selbst herzustellen. Zum Beispiel das Einkaufsnetz aus Eisengarn ein phänomenaler Beutel, der kaum etwas wiegt, unglaublich viel fasst und beträchtliches Gewicht erträgt. Die Manufactum-Leute trieben irgendwo einen alten Bestand Eisengarn auf. In Thüringen fanden sie einige Frauen, die noch wussten, wie man die genialen Einkaufsnetze knüpft. Manufactum bestellte zweitausend Stück. Die Frauen weigerten sich, die Netze zu produzieren. Sie waren überzeugt, die Dinger nie mehr loszuwerden und nichts für ihre Arbeit zu erhalten. Manufactum insistierte. Die Frauen knüpften. Und in nur einer Woche waren die zweitausend Netze verkauft das Stück kostet sechs Franken. www.manufactum.ch |
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