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Alan Moore (Text) / Eddie Campbell (Zeichnungen)

From Hell

Rezensiert von Volker Hummel

Den «Orson Welles des Comics» hat man Alan Moore genannt. Was natürlich Unsinn ist. Denn während Welles’ Ruhm sich nur auf ein einziges Werk gründet, mit dem er das Medium Film revolutionierte, hat der Brite Moore mittlerweile schon zwei «Citizen Kanes» abgeliefert, die das belächelte Trashmedium Comic zur Kunstform der Graphic Novel erhoben haben. 1987 war es das gemeinsam mit Dave Gibbons (als Zeichner) geschaffene «Watchmen», das mit seiner Fülle an popkulturellen Anspielungen und seiner ideologiekritischen Grundrichtung dem Genre des Superheldencomics neues Leben einhauchte. Eine Dekade später erschien «From Hell», das mittlerweile bei Fans wie Fachleuten als absolutes Meisterwerk gilt. In der Reihe Speed Comics des Tilsner-Verlags ist vor kurzem der dritte und letzte Band der deutschen Übersetzung von «From Hell» erschienen. Alan Moore (Text) und Eddie Campbell (Zeichnungen) wagen sich darin an den berühmtesten ungelösten Kriminalfall aller Zeiten: die Morde an fünf Prostituierten im Londoner Eastend 1888. Bis heute ist nicht geklärt, wer sich hinter dem medienwirksamen Namen «Jack the Ripper» wirklich verbarg.

Auf einer Ebene ist «From Hell» ein genaustens recherchierter und durchdachter Beitrag zur Lösung des Rätsels. In seiner Version der Vorfälle beruft sich Alan Moore auf einen Strang der Ripperologie, die hinter den Morden ein Vertuschungsmanöver sieht, an dem die königliche Familie, die Freimaurer und vor allem der königliche Leibarzt Sir William Gull beteiligt sind, der als Täter präsentiert wird. Zur Fundierung seiner Version hat Moore dem Werk umfangreiche Anmerkungen und Literaturhinweise beigefügt, die schon für sich eine spannende Einführung in das Thema bieten. Moore weist aber auch immer wieder darauf hin, dass er trotz allen Fakten an vielen Stellen auf die eigene Imagination zurückgreifen musste und «From Hell» natürlich ein, wenn auch plausibles, Werk der Fiktion ist. Eine Erkenntnis, die über dem historischen Detailreichtum, der Menge an genaustens recherchierten Figuren und Ereignissen und dem plausiblen Plot leicht in Vergessenheit gerät. Was Alan Moore von anderen Ripperologen unterscheidet, ist sein Verständnis des Falles als ein Kristallisationspunkt nicht nur für die soziale Wirklichkeit des viktorianischen Zeitalters, sondern als Beginn der Moderne. Die Unterdrückung der Frauen, die Armut und Verzweiflung der Einwanderer im Londoner Eastend, die Sensationslust der Medien und die Unmenschlichkeit der modernen Medizin bilden den Hintergrund, vor dem sich die Morde abspielen. Alan Moore und Eddie Campbell zeigen den Ripper als Produkt einer Gesellschaft, für die das Leben eines Grossteils der BürgerInnen keinen Wert hat.


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«From Hell»

Moore, Alan

Tilsner Verlag