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Rafael Reig

Überall Blut

Rezensiert von Suzanne Zahnd

Der Autor Rafael Reig empfindet es als ermüdend, dass da draussen immer noch Leute schreibenderweise die Menschheit retten wollen. Sein neuer Roman «Überall Blut» fängt entsprechend wie jeder bessere Hardboiled an: Carlos Clot, ein versoffener Detektiv, melancholisch, einsam und mit Hang zur Philosophiererei (was ist wichtiger: die Werke von Shakespeare oder ein Paar Schuhe? - Hängt davon ab, ob man barfuss läuft oder nicht), erhält von einem verzweifelten Vater den Auftrag, dessen blutjunge Tochter zu suchen, die sich im Drogenmilieu herumtreibt. Kurz darauf ist das Mädchen tot. Die Todesursache, ein zu Beton erstarrtes Gehirn, ist auf die Einnahme einer grünen Kapsel zurückzuführen. Dies katapultiert uns flugs ins nächste Genre, in die Science-Fiction. Madrid ist vollständig amerikanisiert, Englisch ist Pflichtsprache, aus den Bahnhöfen sind Häfen geworden, und die Mächte des Bösen residieren in den Chefetagen staatlicher Betriebe und der Firma Chopeitia Genomics, die ihren Gewinn mittels genmanipulatorischer Sperenzchen, mit Menschenversuchen und notfalls mit etwas Gewalt optimiert. Als Nächstes taucht aber - nebst einem von seinem eigenen, als Gasmann getarnten Spiegelbild und von seiner Frau betrogenen Ehemann - auch ein kurz vor dem Delirium tremens schwebender Schriftsteller als Kunde auf. Eine seiner Figuren ist abgehauen, und er kann ohne sie seinen Roman nicht zu Ende bringen.

Diese wirklich sehr freie Komposition aus den unterschiedlichsten Genres gipfelt in einer Verfolgungsjagd, in deren Verlauf nicht zufällig eine Cervantes-Statue passiert wird. Unser Antiheld Carlos Clot hetzt, den Kopf einer Zauberkünstlerassistentin im Fahrradkorb, die Armani-Brüder, die mit dem zum Kopf gehörigen Körper auf der Flucht sind. An seiner Seite sind der Zauberer, die Westernromanfigur Spunk McCain auf seinem treuen Gaul und der moralische Polizist Zarco. So turbulent geht das in diesem überaus intelligenten, surrealen und lustigen Roman zu und her. Ach so, fast vergessen: Eigentlich ist «Überall Blut» ein Buch über das Schreiben. Sollte man gelesen haben. Irgendwie … ein literarischer Rettungsanker.


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«Überall Blut»

Reig, Rafael

Rogner & Bernhard bei Zweitausendeins. Hamburg 2003.

221 Seiten. 39 Franken.