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Adrian Frutiger

Der Weltberühmte

Von Rebecca Gericke

Zwei Ausstellungen beschäftigen sich mit dem Schriftengestalter und mit Neuigkeiten aus der Schweizer Typografie.

Seinen Schriftbildern begegnen wir täglich: auf der Post, im Stassenverkehr sowie beim Lesen und Schreiben von Texten. Oder waren Sie schon in Paris? Dann haben Sie sein Werk intensiv betrachtet, aber wohl kaum beachtet: beispielsweise die Beschriftungen in der Metro oder im Flughafen Charles de Gaulle. Gemeint ist Adrian Frutiger, einer der weltweit am stärksten prägenden Schriftengestalter des 20. Jahrhunderts, dessen Schrifttypen unseren öffentlichen Raum massgeblich mitgestalten. Das Haus Konstruktiv in Zürich eröffnet am 18. Mai eine Ausstellung über den Grossmeister der Typografie. Derzeit zeigt auch das Museum für Gestaltung eine thematisch verwandte Ausstellung über Schriften, die Schweizer Typografen in den vergangenen zehn Jahren entworfen haben; manch einer baut auf Frutigers Werk.

Adrian Frutiger, geboren 1928 in Unterseen bei Interlaken, zog nach seiner Schriftsetzerlehre und seiner Grafikausbildung an der Kunstgewerbeschule Zürich 1952 nach Paris, wo er für die nächsten vierzig Jahre heimisch wurde. Anfänglich arbeitete er für die Pariser Schriftgiesserei Deberny & Peignot als Schriftenentwerfer. Während dieser Zeit begann der grosse Wandel im Druckereigewerbe: Der Fotosatz löste den Bleisatz ab. Beflügelt durch die nun völlig neuen Gestaltungsmöglichkeiten zeichnete Frutiger 1957 jene Schrift, die ihn schlagartig berühmt machte: die «Univers». Die klare, elegante und serifenlose - ohne «Füsschen» - Schrift war bahnbrechend und entsprach sowohl dem ästhetischen Geschmack sowie den funktionellen Bedürfnissen der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts. Sie war und ist - wie der Name sagt - universell einsetzbar.

1962 eröffnete Frutiger sein eigenes Atelier in Arceuil bei Paris, wo in den folgenden Jahren Signete, Erscheinungsbilder für Firmen, Orientierungssysteme für den öffentlichen Verkehr und natürlich immer wieder neue Druckschriften entstanden. In den sechziger Jahren verfeinerte er die erste von Maschinen automatisch lesbare Schrift, dass sie auch für das menschliche Auge angenehm lesbar wurde. So entstand seine OCR-B-Schrift, die 1973 zum Weltstandard erklärt wurde und heute noch auf Einzahlungsscheinen und Schecks erscheint.

In den siebziger Jahren erhielt Frutiger den Auftrag, ein visuelles Orientierungssystem für den Pariser Flughafen Charles de Gaulle zu entwerfen. Für die Beschilderung schuf er eine neue Schrift, die in Lesbarkeitstests noch besser abschnitt als die «Univers» und so für die eilenden Flugpassagiere optimiert war. Daraus entwickelte sich sein nächster grosser Wurf: die «Frutiger». Die Schrift also, die seinen eigenen Namen trägt und dank ihrer ausgesprochen guten Lesbarkeit aus Distanz bis heute häufig für Strassensignalisationen eingesetzt wird. Und für manche Computeranwenderin ist die «Frutiger» per Mausklick greifbar. Adrian Frutiger ist auch der Schöpfer der Beschilderung der Pariser Metro. Bis heute leiten Frutigers Schilder die U-Bahn-Fahrgäste zu den richtigen Gleisen, und seine Sortie-Wegweiser führen sie wieder ans Tageslicht. Als Parisbesucherin begegnet man Frutiger erneut im Musée Rodin oder in den Musées nationaux de France; er gestaltete die Signete.

Seit den siebziger Jahren verwendet die Schweizer Post die «Frutiger» als Hausschrift. Postämter, Briefkästen und Postautos tragen seinen Schriftzug. Und jeder Autofahrer liest sie täglich. Basierend auf der klassischen Frutigerschrift entwickelte der Schweizerische Verband der Strassen- und Verkehrsfachleute eine neue offizielle Verkehrsschrift, die «Astra Frutiger», die seit 2003 nach und nach die herkömmliche Schrift auf allen Schweizer Strassen- und Autobahnschildern ersetzt. Frutiger, der inzwischen wieder in der Schweiz lebt, wirkte bei der Entwicklung beratend mit. Insgesamt entwarf Frutiger ungefähr dreissig Druckschriften. Nebst der «Univers» und der «Frutiger» werden heute noch die «Méridien» (1955), die «Serifa» (1964) und die «Centennial» (1986) häufig verwendet.

Frutigers Name ist nicht sehr bekannt. Sein Werk aber übt Einfluss auf uns aus. Seine Schriftbilder prägen unseren Zugang zu Texten, verbindet man doch unbewusst das Schriftbild mit dem Textinhalt. Durch ihre häufige Präsenz formen seine Schriften unser ästhetisches Empfinden. Wir konsumieren seine Produkte aber unbewusst. Dies entspricht Frutigers Berufsverständnis, denn er sieht sich nicht als Künstler, sondern als Gestalter eines Instruments, das Text transportiert, und vergleicht es mit anderen Alltagsgegenständen: «Wenn du dich an die Form des Löffels erinnerst, mit dem du die Suppe gegessen hast, dann war es eine schlechte Form. Löffel und Letter sind Werkzeuge, das eine nimmt Nahrung aus der Schale, das andere nimmt Nahrung vom Papierblatt. Die Schrift muss so sein, dass der Leser sie nicht bemerkt.»

Frutiger ist nicht der einzige international erfolgreiche Schweizer Typograf. Nach 1955 entwickelte sich um die Kunstgewerbeschulen Zürich und Basel eine eigentliche Gestaltungsrichtung heraus, bekannt unter dem Begriff «Schweizer Typografie». Die Schweizer Grafiker tüftelten neue Groteskschriften aus. Stilmerkmale wie Sachlichkeit, Verzicht auf Serifen und Schmuckelemente sowie extreme Weissräume im Schriftbild sind kennzeichnend. Erwähnt sei Max Miedinger, der 1960 mit seiner «Helvetica» eine der bis heute meistverwendeten Schriften, unter anderem für die SBB-Beschriftungen, zeichnete.



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