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Repression gegen Zürcher HausbesetzerInnen in den achtziger Jahren

Spekulation und Zwangsräumungen

Von Daniel Stern

Am 11. Mai 1989 wurden drei besetzte Häuser an der Zürcher Zweierstrasse polizeilich geräumt und durch Bauarbeiter sofort abgerissen. Die ganze Aktion war generalstabsmässig geplant. Doch die Folge des Einsatzes waren ein Toter und zwei Schwerverletzte. Die WOZ schrieb in der Ausgabe 20/89 dazu: «Mit kompromisslosem Durchgreifen will Stadtpräsident Thomas Wagner (FDP) das Wohnungsproblem in Zürich lösen und das Recht auf Eigentum schützen. Seine Mannen verteidigen dieses Recht auf Spekulation mit Gewalt.» Zur Dokumentation druckte die WOZ auf ihrer so genannten Prärie-Seite eine Erklärung der ehemaligen BewohnerInnen ab. Sie schildern, was sich an diesem Tag an der Zweierstrasse abspielte: So hätten die meisten BesetzerInnen sich bei Ankunft der Polizei bereits ausserhalb des Gebäudes aufgehalten, andere, die vorher rechtmässige MieterInnen waren, verliessen auf die Aufforderung der Polizei hin unter Protest ihre Häuser, da sie deren Räumung als widerrechtlich betrachteten. Der Hausabbruch wurde schliesslich völlig überstürzt hinter einem dichten Grenadier-Cordon begonnen. Ein umgesägter Baum fiel unplanmässig auf ein angrenzendes Haus. Eine Wasserleitung platzte. Schliesslich rissen Arbeiter eine Mauer ein, während dahinter gerade eine Anwohnerin und der verantwortliche Bauführer vorbeigingen. Die Anwohnerin erlitt Knochenbrüche, der Bauführer verletzte sich so schwer, dass er kurze Zeit später starb. Dennoch wurden die Abbrucharbeiten fortgesetzt. Auch als ein Mann aus der HausbesetzerInnenszene aus Protest auf das Dach eines Hauses kletterte, stoppten die Abbrucharbeiten nicht. Die Feuerwehr konnte schliesslich den Mann dazu bewegen, auf ein Luftkissen zu springen, das jedoch wegen der Bauarbeiten schlecht platziert war. Beim Sprung touchierte der Mann einen Sims. Mit einem Beckenbruch blieb er liegen, während zwei Meter neben ihm ein Arbeiter weiter presslufthämmerte.

Das Ereignis markierte einen Höhepunkt der damaligen Repression gegen die HausbesetzerInnenbewegung. Die bürgerlich dominierte Stadtregierung unternahm nichts gegen die grassierende Wohnungsnot, während die Spekulanten ungehindert Wohnhäuser aufkauften, sanierten und zu überteuerten Mieten wieder auf den Markt brachten. Die WOZ dokumentierte solche Praktiken exemplarisch in der Nummer 11/89. Dabei wird die Geschichte eines Wohnhauses an der Seefeldstrasse erzählt, dessen Kaufpreis innerhalb von zehn Jahren von einer auf acht Millionen Franken stieg. Ebenfalls berichtete sie über die Protestbewegung, die sich im Frühling 1989 gegen die Wohnungsnot organisierte. Wöchentliche «Aufläufe gegen die Spekulation» wurden abgehalten, Grossdemonstrationen organisiert und eine Vielzahl von leerstehenden Häusern besetzt. «Wo, wo Wonige», war in der Stadt lautstark zu hören. Die Behörden reagierten mit Tränengas und Gummischrot. Die bürgerlichen Zeitungen applaudierten der Polizei. Zwar kehrte schon bald wieder Ruhe ein, die Demonstrationen verliefen im Sand, doch kleinere Veränderungen in der Politik wurden erreicht: Besetzte Häuser wurden nicht mehr sofort geräumt, einige konnten gar legalisiert werden. Mit zu einer Entspannung hat beigetragen, dass die Spekulationsblase platzte und einige der Spekulanten Konkurs anmelden mussten. Zudem brachten die Stadtratswahlen 1990 eine rot-grüne Mehrheit. Zwar liess auch sie besetzte Häuser räumen und abreissen - zwei Häuser an der Bäckerstrasse etwa, die durch eine mehrjährige Brache ersetzt wurden -, doch Alternativprojekte hatten fortan bessere Chancen. So gelang es BewohnerInnen aus der unmittelbaren Nachbarschaft der abgerissenen Häuser an der Zweierstrasse, die Liegenschaften im so genannten Dreieck vor dem drohenden Abbruch zu retten und sie in genossenschaftlichen Besitz zu überführen.

Die vollständigen Texte zum Thema aus WOZ Nr. 11/89 und 20/89 finden Sie hier: Spekulation mit dem Haus Seefeldstrasse 92 und
Räumung der Zweierstrasse.



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