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Die Aids-Berichterstattung in der WOZ

Aids - «die tödliche Seuche?»

Von Sonja Wenger

Als am 5. Juni 1981 zum ersten Mal eine medizinische Studie veröffentlicht wurde, in der von einer neuen Immunschwäche die Rede war, die vor allem homosexuelle Männer betraf, hielt sich lange das Image einer reinen Schwulenkrankheit.

Auch die WOZ Nr. 23/83 titelte in einem Gespräch mit dem schwulen Regisseur Rosa von Praunheim noch: Aids - «die tödliche Seuche»?, wie eine «rätselhafte Krankheit Schlagzeilen macht». Rosa von Praunheim sagte im Interview mit Alois Bischof: «Momentan passiert Interessantes in der Schwulenbewegung, durch die neuen Schwulenkrankheiten und durch AIDS, den Schwulenkrebs. (...) Da ist plötzlich so ne Seuche, wo tausende von Schwulen krank werden, so krank, dass sie in ziemlich kurzer Zeit sterben. Das kann man nicht verdrängen, und man muss sich überlegen, wie man sich zueinander als Gruppe verhält. Also, dass ne Solidarität passieren sollte, dass man sich als Gruppe auch Wärme und Schutz gibt.»

Erst als nach 1984 weiterführende Studien belegten, dass es sich beim HI-Virus um eine allgemein sexuell und über Injektionen übermittelte Infektion handelt, begann sich die Weltöffentlichkeit dafür zu interessieren. Die Aids-Hilfe und das Lighthouse entstanden, die Weltgesundheitsorganisation erklärte den 1. Dezember zum Welt-Aids-Tag, und seit 1987 gibt es Medikamente und Therapeutika, die zumindest die Sterberate reduzieren. Wie sich die Pharmaindustrie dabei eine goldene Nase verdiente und wie staatliche Repressionen gegen den Drogengebrauch und die Prostitution unter dem Deckmantel der Aidsprävention passierten, darüber berichtete die WOZ seit Mitte der achtziger Jahre ausführlich.

In der WOZ Nr. 23/96 reflektierte Matthias Preisser dann im Dossier Leben mit dem HI-Virus über rote Schleifen, den Gesinnungswandel in den neunziger Jahren und eine Betroffenheitskultur gegenüber der Krankheit und den an ihr Erkrankten: «Der Zeitgeist weht liberal, wenn es um den Umgang mit HIV-Positiven oder Aidskranken geht. Ausser ein paar wenigen Spinnern plädiert heute niemand mehr ernsthaft für deren Ausgrenzung oder Stigmatisierung - zumindest, solange es sich um aus der Ersten Welt kommende Weisse handelt.»

Weitere zehn Jahre später gilt die damals stipulierte Gleichung HIV=Aids=Tod noch immer, die Krankheit gilt nach wie vor als unheilbar. Hinzugekommen ist jedoch das Bewusstsein, dass es sich bei der Krankheit um eine Pandemie handelt, die bisher über 25 Millionen Menschen das Leben gekostet hat und bei der sechzig Prozent der heute 38 Millionen HIV-Infizierten in Afrika leben.




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