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Holt Armin Köhli als erster WOZ-Redaktor eine Goldmedaille?

Unser Mann in Sydney

Von Bettina Dyttrich

Irgendwann 1995 schenkte Radio-Lora-Macher Polo Magnaguagno seinem Freund Armin Köhli ein Rennvelo. Es war Liebe auf den ersten Blick. Armin begann auf dem Albis herumzukurven, immer die gleiche Strecke, immer schneller. «Tempo ist geil.» Aus der ersten Verliebtheit wurde ziemlich schnell Ernst. Armin Köhli, damals noch Getränkehändler bei Intercomestibles in Zürich und ein typischer natur- und gesundheitsfeindlicher Alt-80er, wurde Sportler. Dann Spitzensportler. Mit dem Rauchen hatte er schon ein paar Jahre früher aufgehört.

Mit fünfzehn hatte Armin beide Unterschenkel verloren. Er bekam Prothesen. Gehen kann er gut, rennen ist aber praktisch unmöglich. Jede Demo - und in den frühen Achtzigern gab es nicht wenige - wurde zur Nervenprobe. Darum ging Armin am liebsten mit dem Velo zu Demos. Vielleicht fing es schon damals an.

Als Armin im Frühling 2000 zur WOZ kam, war er «austrainiert wie eine frei lebende Katze». Und er hatte grosse Pläne: Im Herbst würden in Sydney die Paralympics, die Olympischen Spiele der Behinderten, stattfinden. Er wollte hin. Er hatte bereits eine EM-Bronzemedaille im Sack. Die WOZ, ein Milieu, das Sport gern am TV sieht, aber kaum selber treibt, erschauerte vor Bewunderung.

Ob und wie die WOZ über Sport berichten sollte, war eine jahrelange Diskussion. Eine Sportseite gab es 2000 noch nicht (in einer historischen Abstimmung im «Rössli» Stäfa wird sie das Kollektiv im Spätsommer 2001 einführen). Trotzdem wurde Armin ausgiebig gefeiert. Constantin Seibt, ein sportfaszinierter, hedonistischer Kettenraucher, porträtierte ihn am 7. September. Er wollte es genau wissen: Wie ist das mit dem Leiden? Dem Glücksgefühl? Dem Doping? Den Sponsoren? Welches ist die beste Taktik? Was sagen Armins Freunde? (Sie schwärmen.)

«Armin: Vor jedem Rennen musst du dir sagen, dass du der Grösste bist. Du bist stark, du bist toll. Du musst deine Gegner mit Optimismus beeindrucken. Natürlich strahlen alle anderen dasselbe aus. Es gibt keine andere Möglichkeit, zu siegen, als dieses unerträgliche, simple, amerikanische Denken: You can get it, if you really want: Jimmy Cliff.

Die WOZ: Wild, nicht?

Armin: Das finde ich eben das Gute: Das ganze Unternehmen hat nichts mit therapeutischem Kack zu tun. Spitzensport heisst: ein kranker Geist in einem kranken Körper.

Die WOZ: (lacht).

So weit Armin Köhli, WOZ-Redaktor, ein brillanter Schreiber, charmanter Mensch, und sein Gehirn scheint trotz allem noch zu funktionieren. Er ist unser Held. Auf ihn wartet harte Konkurrenz: der unschlagbare Bahn-Weltrekordler aus der Schweiz, zwei ekelhaft gute Franzosen, die gefährlichen Neuseeländer und Amerikaner. Er wird trotzdem eine Medaille holen, denn er ist toll, er ist stark and he really wants it.»

Er wurde Fünfter. Doch auch ohne Sieg macht Armin weiter. 2002 und 2003 fuhr er am Radmarathon Bern-Bodensee-Bern über 600 Kilometer am Stück. 2004 dann sein ambitioniertestes Projekt: die Tour d’Afrique von Kairo nach Kapstadt, 11500 Kilometer in hundert Tagen. Und er fand eine Möglichkeit, seine beiden Leidenschaften, Sport und Politik zu verbinden: Mit spektakulären Velotouren kämpft er für ein Verbot von Antipersonenminen. Auch diesen Herbst: Nach der Strassenrennen-WM in Aigle am 17. September (Start 13.45 Uhr, ZuschauerInnen erwünscht) plant Armin seine ganz persönliche Tour de Suisse: von Genf nach Zürich, Basel, Bern und zurück. Während seiner Tour findet in Genf die siebte Konferenz der Mitgliederstaaten der Ottawa-Konvention für ein Verbot von Antipersonenminen statt. Armin spricht in seinen Etappenorten zum Thema, wird auf dem Weg sicher auch Russland, China und die USA, die die Konvention nicht unterschrieben haben, überzeugen - und wird von Bundesrätin Micheline Calmy-Rey empfangen.



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