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UBS-Konkurs?

Zu gross für die Welt

Von Susan Boos

Die UBS-Aktie ist diese Woche unter die Marke von zehn Franken gefallen. Droht der Grossbank die Pleite? Niemand weiss, wie lange die UBS noch vor dem Grounding bewahrt werden kann.

Wenn der Kurs der UBS-Aktien unter 10 Franken fällt, wird es brenzlig, sagten Börsenfachleute noch vor Weihnachten. Am Dienstag stand der Kurs zeitweilig bei 9.35 Franken. Die Bank ist demnach noch knapp 30 Milliarden Franken wert, vor zwei Jahren waren es noch über 200 Milliarden.

Was bedeutet das? Droht die Bank bankrottzugehen, weil ihre Aktien abstürzen? An welchem Punkt wird es dramatisch? Bei fünf, bei zwei oder erst bei null Franken? Was passiert, wenn die Bank dasselbe Schicksal erleidet wie die Swissair und groundet? Sitzen wir dann bald verarmt mit einem wertlosen Schweizer Franken auf unserer gepflegten Insel fest?

Ungehaltener Pressesprecher

Wegen des Aktienkurses gehe die Bank sicher nicht Konkurs, sagt der Pressesprecher des Eidgenössischen Finanzdepartements, Roland Meier. Und wenn er auf fünf Franken oder noch tiefer sinkt? Müssen die SteuerzahlerInnen ein neues Rettungspaket gewärtigen? Ungehalten antwortet der Pressesprecher: «Selbst wenn der Bund solche Überlegungen macht, breitet er die sicher nicht öffentlich aus. Tut mir leid.»

Was meinen linke ÖkonomInnen wie die Finanzplatzexpertin und WOZ-Autorin Mascha Madörin, Daniel Lampart vom Schweizerischen Gewerkschaftsbund und Mitglied des Bankrats und der ehemalige Preisüberwacher und SP-Nationalrat Rudolf Strahm zum tiefen Aktienkurs und zur Frage eines bevorstehenden Konkurses? Einen direkten Zusammenhang gibt es nicht, sagen sie, doch Tatsache ist: Wenn die UBS eine gewöhnliche Firma wäre - die Turbinen oder Medikamente produzierte -, ginge sie mit einem so katastrophalen Aktienkurs bankrott, weil sie über zu wenig Eigenkapital verfügte. Nun ist die UBS aber keine gewöhnliche Firma, sondern eben eine Bank. Solange sie liquid ist, bedroht ein tiefer Aktienkurs sie nicht direkt. Liquid heisst: Sie kann zu jeder Zeit alles bezahlen, was sie bezahlen muss.

Nun könnte es aber passieren, dass immer mehr Leute ihr Vertrauen in die UBS verlieren - zum Beispiel auch dar­um, weil der Aktienkurs weiter sinkt - und deshalb ihre Gelder abziehen. Wor­auf die Bank plötzlich mit zu wenig flüssigen Mitteln dastehen würde und so eben in Konkurs geraten könnte. Und dann? Madörin, Lampart und Strahm sind sich einig: Die UBS ist tatsächlich zu gross, als dass man sie bankrottgehen lassen könnte. Der Schweizer Franken würde kollabieren. All die Firmen, die ihre Kredite, ihre Löhne, ihre Auslandsgeschäfte über die UBS abwickeln, stünden plötzlich ohne Geld da. Die hiesige Wirtschaft würde ins Koma fallen.

Wie wäre zu helfen?

Die Schweiz könnte die Bank zum Beispiel verstaatlichen - ein Szenario, das in den letzten Wochen immer wieder entworfen wurde. Doch das würde immense Risiken bergen. «Man stelle sich zum Beispiel vor, die UBS wäre jetzt schon verstaatlicht», gibt Lampart zu bedenken: «Der Konflikt wegen der US-Steuerflüchtlinge wäre nicht nur politisch, sondern auch rechtlich ein Konflikt zwischen Staaten - und nicht ein Konflikt zwischen einem Staat und einer privaten Bank. Der Schweizer Staat könnte als UBS-Besitzer indirekt selber auf der Anklagebank sitzen.»

Ein anderes Szenario wäre, dass der Staat Garantien für Gelder gibt, die die Bank auf dem Markt aufnehmen muss. Der Staat gilt im Gegensatz zur Bank als vertrauenswürdiger Schuldner und käme günstiger zu Geld.

Im Moment behandle der Markt die UBS wie eine Junkfirma, der man nicht über den Weg traut, sagt Lampart, das sei schon ein bisschen gruslig: «Die UBS-Obligationen liegen bei acht Prozent: Wenn sie einen Kredit mit einer Laufzeit von acht Jahren aufnimmt, bezahlt sie acht Prozent Zins! Vor zwei Jahren zahlte sie dafür noch weniger als drei Prozent.»

Rudolf Strahm sagt, Mitte Januar habe es so ausgesehen, als ob der Staat nochmals eingreifen müsse, was dann doch nicht nötig wurde.

«Im Moment herrscht weltweit offenbar die Doktrin, dass man keine Bank mehr Konkurs gehen lässt», sagt Strahm, aber es sei durchaus möglich, dass es zu geordneten Liquidationen kommen könnte. Bei der UBS würde man die lukrativen Teile wie das Devisengeschäft verhökern und den Bereich, der den Schweizer Markt betrifft, her­auslösen; das Investmentbanking ginge vermutlich unter. Strahm hält eine geordnete Liquidation bei der UBS aber für unwahrscheinlich, weil die Bank ein viel zu grosses Gebilde ist. Theoretisch wäre die UBS jetzt eine gute Übernahmekandidatin, weil sie günstig zu haben ist, doch wagt niemand, die Bank zu kaufen, da man nicht weiss, welche Risiken noch in ihr stecken. Strahm meint, er könne sich durchaus vorstellen, dass die Bank in einigen Jahren in ausländischen Händen sei. Das wäre problematisch: «Die ausländischen Investoren könnten grosse Risiken eingehen, immer im Wissen, dass die Bank wegen ihrer immensen Grösse eine faktische Staatsgarantie hat.»

Die grosse Verwirrung

UBS und auch CS sind also zu gross für dieses kleine Land. Madörin rechnet vor, dass die beiden Grossbanken zusammen im Investmentbanking grössere Umsätze haben als die Citibank, die von den USA nun schon zum dritten Mal unterstützt werden muss. Bei CS und UBS schlummern noch toxische Papiere in der Höhe von 300 bis 400 Milliarden in den Bilanzen.

«Wir wissen auch gar nicht, was diese beiden Banken wirklich tun im Ausland. In der Botschaft zum Rettungspaket wurde dargelegt, dass man die UBS wegen der einheimischen Wirtschaft retten muss. Aber es steht nichts über ihr internationales Geschäft drin. Die UBS ist eine der führenden Banken, sie wickelt Geschäfte der Weltelite und der weltgrössten Konzerne ab», sagt Madörin. Diese Banken sind aufgrund ihrer unglaublichen Grösse nicht nur ein Klumpenrisiko für die Schweiz, sie sind auch eins für die Weltwirtschaft.

Was das bedeute, habe man in der kleinen Schweiz noch nicht begriffen: «Eigentlich brauchten wir dringend eine CS- und UBS-Watchgroup», um überhaupt zu begreifen, wie der globalisierte Finanzplatz, die globalisierte Wirtschaft tatsächlich funktioniere, sagt Madörin. Erst dann könnten wirksame Gegenstrategien entwickelt werden. Kein Ökonom, keine Ökonomin verstehe heute, was da passiere, sagt Madörin. «Aber kaum jemand steht hin und gibt das zu.» Es ist, als ob sich alle - Ökonomen wie Politikerinnen - bei Nacht und Nebel verirrt hätten und sich nun gegenseitig erklärten, sie wüssten, wo es langgeht.

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