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«Tatort Klimawandel»

Täter, Opfer, Profiteurinnen

Von Pit Wuhrer

Manchmal muss einer klimaschädigend um die Welt jetten, um herauszufinden, was los ist. Und um zu zeigen, wie erbarmungslos die Handlungen der einen den anderen die Existenzgrundlage rauben. Bernhard Pötter hat dies getan und in einem Reportageband die Ergebnisse seiner Recherchen präsentiert. Der Klimawandel, so ein Fazit seiner Untersuchungen, «ist gnadenloser als Globalisierung und Kalter Krieg», weil es «anders als bei der Globalisierung (...) keine Nischen» gebe und «anders als beim Kalten Krieg Nichtstun nicht das Überleben» sichere – «ganz im Gegenteil».

Pötter beschreibt in 26 Reportagen und Analysen die Täterinnen, die Opfer und die Profiteure der Katastrophe, deren Ausmass beständig wächst. Er schildert Beweggründe und Lebensumstände, liefert Fakten und Zitate, und ab und an spottet er auch mit gutem Grund über hilflose Bemühungen wie beim «Geschäft mit dem schlechten Gewissen»: «Treppensteigen und andere Luftbuchungen» heisst eines seiner Kapitel.

Der Autor hat sich die Sache nicht leicht gemacht. Er war im Zentrum der US-Ölindustrie in Houston und hat dort die Verantwortlichen zur Rede gestellt. Er besuchte Kohlekraftwerke in Deutschland, sprach mit brasilianischen Politikerinnen und Wissenschaftlern, die den Klimawandel für einen Mythos halten. Er beobachtete Meeresbiologinnen bei der Arbeit, berichtete über Klimaflüchtlinge in Bangladesch (siehe Pötters Text in WOZ Nr. 16/08), protokollierte die Aussagen von Gletscherforschern und überprüfte die Angaben von Rückversicherungskonzernen und AKW-Betreibern. «Grüne» Investmentbanker, die gerade die nächste Finanzblase aufpumpen helfen, kommen zu Wort wie auch Gentechfirmen, die sich von der Entwicklung «klimaresistenter» Pflanzen einen Durchbruch erhoffen. Auch wenn manches etwas überholt ist (das Manuskript wurde vor dem Kollaps der Finanzmärkte fertiggestellt): Wer ein faktenreiches, gut geschriebenes Buch über die Ursachen und die vielfältigen Auswirkungen des Klimawandels lesen will, greift hier nicht daneben.

TopTop

«Tatort Klimawandel. Täter, Opfer und Profiteure einer globalen Revolution»

Pötter, Bernhard

Oekom Verlag. München 2008

263 Seiten. Fr. 34.50

Inhalt Dossier «Klimawandel»

WOZ vom 15.12.2011

Kurzes Tauwetter im Klimakrieg: Der Klimagipfel gab Anlass zu Hoffnung – aber nicht zu Euphorie

WOZ vom 08.12.2011

Nervöser schwarzer Riese: Noch harzen die Verhandlungen an der Uno-Klimakonferenz in Durban. Immerhin hat auch in Südafrika ein Umdenken begonnen

WOZ vom 24.11.2011

Kein Durchbruch in Sicht: Inzwischen engagieren sich die Entwicklungsländer effektiver im Klimaschutz als die Industriestaaten

Mit Sparlampen in den Untergang: Vor dem 17. Uno-Klimagipfel redet niemand mehr über den Klimawandel

WOZ vom 29.09.2011

Mit Gebeten gegen die Katastrophe: Die ersten Folgen der Erderwärmung sind bereits spürbar – doch die Politik ignoriert die Zusammenhänge weiterhin

WOZ vom 23.06.2011

Heisse Luft im Diplomatenghetto: Die jüngste Uno-Klimakonferenz endete mit bescheidenen Resultaten

WOZ vom 06.01.2011

«Wenn man in einem historischen Prozess steckt, weiss man nicht, wie er ausgeht»: Sozialpsychologe Harald Welzer über die Folgen des Klimawandels

Gefährliches Klempnern am Klima: Angesichts des Scheiterns der grossen Klimakonferenzen wandelt sich das riskante Geo-Engineering zur ernsthaft diskutierten Option

WOZ vom 16.12.2010

Klimawandel als Wachstumsmarkt: In Cancún wurde mehr der Uno-Klimaprozess gerettet als das Klima. Hoffnung macht aber das Ende des Konsenszwangs

WOZ vom 25.11.2010

Kommt nach Flopenhagen jetzt Kann-cún? Beim Klimagipfel sind durchaus Fortschritte möglich

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