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Verwirrung um Waffenlager
Wie britische Soldaten feiern
Von Judith Huber
Dass Krieg auf Propaganda baut, wissen wir längst. Und ebenso, dass der Überblick über die vielen Seitenwechsel der Kriegsbeteiligten in Afghanistan besonders schwierig ist. Trotzdem sprengen die neuesten Informationen aus Afghanistan den Rahmen des Gewohnten: Am Wochenende verlautete aus London, britische Elitesoldaten hätten in der Provinz Paktia ein kurz zuvor entdecktes riesiges Waffenlager des Al-Kaida-Netzwerks von Usama Bin Laden gesprengt. Es handle sich um 30 000 bis 40 000 Raketen russischer und chinesischer Bauart sowie Granaten und andere Geschosse, insgesamt mehr als zwanzig Armeelastwagen. Die Sprengung wurde stolz als die «grösste kontrollierte Explosion seit Ende des Zweiten Weltkriegs» gefeiert. Das Feuerwerk dauerte rund 15 Stunden und hinterliess einen riesigen Krater in der Landschaft.
Doch dann meldete sich Ibrahim Omari, ein früherer antisowjetischer Kämpfer und jetziger Verbündeter der USA und Britanniens, zu Wort. Das Waffenlager habe nichts mit al-Kaida zu tun, sondern sei von ihm vor fünfzehn Jahren angelegt und all die Zeit bewacht worden, gab er der britischen Zeitung «The Daily Telegraph» zu Protokoll. Der grösste Teil der Waffen sei ihm in den achtziger Jahren aus den USA geliefert worden, zur Unterstützung der Mudschaheddin. Omari betonte, er habe die Alliierten vor vier Monaten über die Existenz des Munitionsdepots informiert. «Nun haben es die Freunde Amerikas, die Briten, in die Luft gesprengt.» Die britische Regierung dementierte umgehend. Ein Regierungssprecher erklärte, die britischen Truppen in Afghanistan seien hundertprozentig überzeugt, dass die Waffen al-Kaida gehört hätten. Die Waffen seien zwar in der Vergangenheit durch verschiedene Hände gegangen, zum Zeitpunkt der Zerstörung aber im Besitz der Terroristen gewesen.
Aussage gegen Aussage also. Die Erfolgsmeldung über die Zerstörung des Waffenlagers kam der britischen Armeeführung jedenfalls sehr gelegen, denn die britische Operation «Snipe» in Afghanistan war in den einheimischen Medien verschiedentlich als Fehlschlag kritisiert worden. Die britische Zeitung «The Guardian» fragte am Dienstag, gestützt auf Informationen von Diplomaten und Armeeangehörigen, ob der Einsatz eher eine politische Übung denn eine militärische Operation gewesen sei. Der Einsatz der rund 1800 Elitesoldaten sei zu spät erfolgt, als die Al-Kaida-Kämpfer schon längst nach Pakistan geflohen waren. Die Soldaten seien bei ihrer Suche lediglich auf verwirrte Hirten getroffen, hätten in ein paar Höhlen rumgestochert und dann eine Art privater Feuerwerkparty veranstaltet, höhnte «The Guardian».
WOZ 20/02
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