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Afghanistan

Risiko Wahlen

Von Judith Huber

Die Uno setzt bei den Wahlvorbereitungen auf die Hilfe einer privaten Sicherheitsfirma.

Der Uno läuft die Zeit in Afghanistan davon. Im September sind Präsidenten- und Parlamentswahlen, doch bis jetzt haben sich erst 2,2 Millionen afghanische WählerInnen registrieren lassen - bei einer potenziellen Wählerschaft von rund 10 Millionen Menschen. 30,7 Prozent der Registrierten sind Frauen. Die Erfassung der WählerInnen ist bisher nur in den acht grössten Städten Afghanistans über die Bühne gegangen. Die Registrierung in den unzugänglicheren ländlichen Gebieten hat eben erst begonnen. «Wenn wir nur eine durchschnittliche Beteiligung erreichen, stellt das die Legitimität der künftigen Regierung vor Probleme», warnte der Uno-Sondergesandte Jean Arnault dieser Tage in Kabul. Besonders schwierig sind die Wahlvorbereitungen im Süden und Südosten des Landes, wo Taliban und andere Militante den Prozess torpedieren. Besondere Sorgen bereitet Jean Arnault die ungenügende Entwaffnung der afghanischen Milizen. Das gross angekündigte Programm zur Entwaffnung von zehntausenden ist über die Pilotphase in vier Provinzen noch nicht hinausgekommen. Die für diesen Monat geplante Ausweitung auf das ganze Land wurde verschoben.

Wie heikel die Registrierung in den abgelegenen ländlichen Gebieten ist, haben mehrere kürzlich erfolgte Angriffe auf Uno-Mitarbeiter gezeigt. Letzte Woche wurden vier afghanische Wahlbeamte in der Provinz Kunar im Nordosten Afghanistans durch eine Explosion verletzt; ein ähnlicher Vorfall hatte sich zwei Tage zuvor in der Nähe der ostafghanischen Stadt Dschalalabad ereignet. Solche und ähnliche Vorfälle haben dazu geführt, dass die Uno die Registrierung in gewissen Gebieten verschoben oder ganz ausgesetzt hat.

Mord in Nuristan

Eine dieser heiklen Regionen ist die nordöstliche Provinz Nuristan. Sie liegt an der Grenze zu Pakistan und weist bis zu 6000 Meter hohe Berge auf. Nuristan gilt als Hochburg von Gulbuddin Hekmatjar. Der Milizenführer hat wiederholt zum Kampf gegen die ausländischen Truppen und die afghanische Übergangsregierung aufgerufen und wird beschuldigt, mit den Taliban zusammenzuarbeiten. In Nuristan wurden Anfang Mai zwei Briten und ihr afghanischer Übersetzer getötet. Die Briten hatten die Aufgabe, die Sicherheit im Hinblick auf die WählerInnenregistrierung einzuschätzen.

Das Überraschende daran: Die beiden Briten arbeiteten für die britische Firma «Global Risk Strategies» mit Sitz in London. Das Unternehmen ist eine der vielen privaten Sicherheitsfirmen, die in Krisengebieten wie Afghanistan und Irak zurzeit gut bezahlt eine Reihe von gefährlichen Aufgaben übernehmen. Sie bieten bewaffneten Begleitschutz, stellen Leibwächter für Politiker und Geschäftsleute, versorgen die Besatzungsarmeen und haben auch schon Kampfeinsätze übernommen. Für Schlagzeilen sorgte vor wenigen Wochen die Ermordung und Verstümmelung von vier Angestellten einer amerikanischen Sicherheitsfirma in der irakischen Stadt Falludscha, die Lebensmitteltransporte bewacht hatten.

«Global Risk Strategies» betreibt weltweit elf Büros und stellt seine Dienste unter anderem auch der britischen Regierung, der Weltbank und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zur Verfügung. Das Unternehmen arbeitet nach eigenen Angaben in Afghanistan nicht nur für die Uno, sondern auch für die Koalitionstruppen und für Privatfirmen. «Global Risk»-Teams waren im Zusammenhang mit der Wahlvorbereitung auch noch in drei anderen, besonders unzugänglichen und gefährlichen afghanischen Provinzen - Urusgan, Sabul und Paktika - unterwegs gewesen, um die Sicherheitssituation zu evaluieren.

Sehr effizient

Die Uno-Mission in Afghanistan (Unama) arbeitet seit 2002 mit der britischen Firma zusammen, wie der Unama-Sprecher Manoel de Almeida e Silva der WOZ sagte. Sie kamen sowohl bei der ausserordentlichen Loja Dschirga (Grossen Ratsversammlung) im Juni 2002 als auch bei der Verfassungs-Loja-Dschirga diesen Winter zum Einsatz. Almeida e Silva sieht kein Problem darin, dass die Uno mit einer privaten Sicherheitsfirma zusammenarbeitet. «Wir haben nicht genug Personal, um diese Arbeit zu tun», sagt er. Es gehe um sporadische Einsätze, für die es sinnvoller sei, keine Festangestellten einzusetzen. Private seien ausserdem sehr effizient.

Inzwischen hat der Taliban-Kommandant Mullah Sabir Momin gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters die Verantwortung für den Mord an den privaten Sicherheitsleuten übernommen. «Die beiden britischen Ungläubigen und ihr afghanischer Übersetzer wurden von den Taliban getötet, weil die Taliban alle Afghanen und Ausländer tötet, die den Amerikanern behilflich sind, ihre Besetzung Afghanistans zu festigen», sagte der Mullah per Satellitentelefon. ×

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