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Gentechnologie

Ständiger Wettkampf

Interview: Marcel Hänggi

Der Feldversuch mit transgenem Weizen ist abgeschlossen. Sind die Wissenschaftler mit dem Resultat zufrieden?

Vergangene Woche hat die ETH über die Resultate der Versuche mit transgenem Weizen in Lindau ZH orientiert. Die Versuche waren vom Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (Buwal) nach langem Hickhack erst im zweiten Anlauf bewilligt worden, unter heftiger Kritik von AnwohnerInnen, Umweltschutz- und Gentech-kritischen Organisationen. Heute kommt das Buwal zum Schluss, dass «die Biosicherheit während des Freisetzungsversuches immer gewährleistet war»; Greenpeace schreibt, der Gentech-Weizen bleibe «ein unberechenbares und mit Risiken behaftetes Konstrukt». Die WOZ sprach mit Versuchsleiter Christof Sautter.

WOZ: «Feldexperiment der ETH gelungen», hiess der Titel der ETH-Pressemitteilung. Hand aufs Herz: Nach all den Kämpfen wäre ein anderes Fazit für die ETH gar nicht denkbar gewesen.

Christof Sautter: In der Wissenschaft bedeutet Gelingen, dass ein eindeutiges Ergebnis vorliegt. Das ist der Fall.

Sie haben dem Weizen artfremde Gene eingefügt, die ihn gegen Stinkbrand resistent machen sollen. Nun war die Resistenz nur zehn Prozent höher als in natürlichem Weizen. Das tönt nach wenig.

Es handelt sich um ein so genanntes quantitatives Resistenzgen. Da sind zehn Prozent sogar viel. Der Erfolg liegt darin, dass es überhaupt möglich war, eine erhöhte Widerstandskraft im Freiland zu erzielen.

Für eine Anwendung wären zehn Prozent aber sehr wenig?

Es ging eben nicht primär um Anwendung, sondern um Grundlagenforschung. Die Versuchsresultate öffnen nun zwei Wege: Forschung in Richtung der Anwendung - daran ist die ETH nicht interessiert. Oder man nutzt die Ergebnisse als Basis für weitere Grundlagenforschung.

Angenommen, der Weizen würde doch zur Anwendungsreife gebracht. Würde mit der Zeit nicht einfach der Stinkbrand seinerseits gegen den Weizen resistent werden?

Das ist Biologie. Man liefert sich mit den Schädlingen immer einen Wettkampf - das ist auch bei herkömmlicher Züchtung so. Auch dort schwinden die Resistenzen nach einiger Zeit.

Im Gewächshaus war die Resistenz höher. Wenn die Gene im Freien anders wirken als im Gewächshaus, wirken sie dann nicht je nach Standort, Wetter und so weiter immer wieder anders?

Das könnte sein. Deshalb sind Feldexperimente mit transgenen Pflanzen unabdingbar.

ETH-Prorektor Ulrich W. Suter sagte, rund um die Versuche hätten sich «alle beteiligten Instanzen um einen korrekten, nachvollziehbaren Prozess sehr bemüht». Sie haben gesagt, dass Sie einen solchen Aufwand kein zweites Mal auf sich nehmen würden. Heisst das: Korrektheit und Nachvollziehbarkeit in Freisetzungsversuchen lassen sich nur mit einem untragbaren Aufwand erreichen?

Wissen Sie, der finanzielle Aufwand war sehr gross, aber das kann man bezahlen. Doch die ETH hat auch einen Lehrauftrag, die Doktoranden müssen publizieren können, das ist Teil ihrer Ausbildung. Da können Sie nicht vier Jahre auf eine Bewilligung warten. Ich habe den Eindruck, dass wir heute faktisch ein Forschungsmoratorium für Freisetzungsversuche haben.

Das ETH-Mitteilungsorgan «ETH Life» schreibt als Fazit: «Der Versuch hat in den Köpfen der Beteiligten mehr Spuren hinterlassen als auf dem Versuchsfeld in Lindau.» Teilen Sie diese Aussage?

Das ist wohl schon so. Auf dem Feld haben wir keine Spuren von transgenem Weizen-DNA hinterlassen, das wurde vom Kantonslabor Basel untersucht. Und in den Köpfen? Zu Beginn ärgerte ich mich einfach, doch dann begriff ich, dass man mit den Skeptikern sprechen muss. Mit einer Gruppe von Gegnern des Versuchs kam so etwas wie ein Dialog in Gang, der noch andauert. Ich hoffe, der Versuch habe dazu beigetragen, das Thema von beiden Seiten künftig etwas weniger emotionsgeladen anzugehen. ˇ

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