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Südafrika: 2500 Franken für eine lange Krankheit
Saubere Weste?
Franz Krüger, Johannesburg
Ein Schweizer Grubenunternehmen fühlt sich von der Regierung reingewaschen. Aber warum hat es dann ein Viertel der Belegschaft gefeuert?
Seit letzter Woche untersuchen Ärzte in Südafrika ehemalige Beschäftigte der Grubenfirma Vantech, die dem Zuger Rohstoffunternehmen Xstrata gehört. Die Untersuchung ist Teil eines Abkommens, das Vantech mit der Bergarbeitergewerkschaft NUM geschlossen hat. Vom medizinischen Befund hängt ab, in welcher Höhe die früheren Vantech-Mineure entschädigt werden, die von der Firma entlassen worden waren (siehe WoZ Nr. 50/01).
Einer Untersuchung des südafrikanischen Bergbauministeriums zufolge hatte das Unternehmen innerhalb von zwei Jahren 83 Beschäftigte suspendiert - immerhin ein Viertel der gesamten Belegschaft. Nach Gewerkschaftsangaben wurden gar 120 Arbeiter gefeuert. Die meisten von ihnen litten an Bronchitis oder schwerem Asthma, da sie dem giftigen Minenerz Vanadiumpentoxid ausgesetzt waren. Nach dem Bericht des Ministeriums, der im letzten Jahr veröffentlicht wurde, hatte der Vanadiumpentoxid-Staub an manchen Arbeitsstellen den zulässigen Grenzwert zuweilen um das 31fache überstiegen. Die Inspektoren der Regierung zitierten in ihrer Untersuchung einen Arbeiter, der manchmal seine neben ihm stehenden Kollegen nicht mehr sehen konnte - so dicht sei der giftige Staub gewesen.
Der Bericht führte im Herbst letzten Jahres zu einem öffentlichen Tribunal gegen Vantech (es war die erste Anhörung dieser Art überhaupt) und zu einer erneuten Untersuchung der Arbeitsbedingungen in der Zeche. Die NUM hatte anfangs darauf gedrängt, da ein Verstoss gegen die Sicherheitsbestimmungen strafrechtliche Konsequenzen haben sollte. Doch im Laufe der Verhandlungen lenkte die Gewerkschaft ein. Die Mine liegt in der Provinz Mpumalanga, rund 380 Kilometer nordöstlich von Johannesburg, in einer Armenregion mit nur wenigen Verdienstmöglichkeiten. Angesichts dieser Verhältnisse entschied sich die NUM für einen kooperativen Ansatz und drängt nur mehr auf eine Verbesserung der Sicherheitsvorkehrungen.
Die zweite Untersuchung des Ministeriums - sie wurde letzte Woche veröffentlicht - kritisierte erneut das Vantech-Management. Dieses habe die Gesundheitsrisiken ignoriert und die Beschäftigten «über Jahre hinweg einer inakzeptabel hohen Konzentration von chemischen Substanzen» ausgesetzt. Allerdings, so der Bericht weiter, könne der Betriebsleitung keine eindeutige Verletzung der Arbeitsschutzgesetze vorgeworfen werden. Vantech interpretierte das Untersuchungsergebnis sofort als Unbedenklichkeitsbescheinigung. «Die Firma war nicht nachlässig, sondern bemüht sich fortwährend um Verbesserungen», sagte Vantech-Generaldirektor Chris Smith. Die Gewerkschaft ist da anderer Ansicht. Ihrer Meinung nach hat der Bericht Vantech nicht entlastet. «Warum wurden 120 Arbeiter aus medizinischen Gründen entlassen, wenn alles so sauber war?», fragt Gabriel Makgoga, Vorsitzender des NUM-Sicherheitskomitees in der Region. Immerhin enthält der Bericht auch dreissig Empfehlungen. So soll das Unternehmen eine ganze Reihe von Massnahmen ergreifen, um das Gesundheitsrisiko so gering wie möglich zu halten: Einbau eines Frühwarnsystems, Verbesserung des Staubabzugs, Ausbau der Ventilation. Ausserdem solle die Werksleitung sicherstellen, dass künftig nicht mehr am Arbeitsplatz gegessen werden muss.
Dass die Firmenweste dann doch nicht so sauber ist, wie jetzt behauptet wird, zeigt schon die Bereitschaft der Geschäftsleitung, den entlassenen Beschäftigten Geld zukommen zu lassen - freiwillig und ohne Anerkennung einer Schuld. Zwei Millionen Rand (rund 280 000 Franken) hat sie den betroffenen Arbeitern in Aussicht gestellt. Der Gewerkschaft ist dieses Angebot freilich viel zu niedrig. Die meisten der entlassenen Beschäftigten leiden noch immer an den Folgen ihrer Tätigkeit für das Schweizer Unternehmen, nur die wenigs-ten haben einen neuen Job gefunden. Das Angebot der Firma würde jedem Entlassenen nicht einmal 2500 Franken bringen. Ob die Gewerkschaft höhere Kompensationszahlungen durchsetzen kann, hängt auch von den medizinischen Untersuchungen ab, die jetzt begonnen haben. Makgoga ist jedoch nicht optimistisch. «Wir haben gute Gesetze in Südafrika», sagt er. «Aber viele Firmen operieren ausserhalb der Gesetze, und die Leute in den Betrieben haben kaum die Möglichkeit, daran etwas zu ändern.»
WOZ 32/02
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Inhalt Dossier «Schweiz-Südafrika»
WOZ vom 03.11.2005
WOZ vom 27.10.2005
WOZ vom 20.10.2005
WOZ vom 01.09.2005
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