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Apartheid-Lobbyist wird Honorarkonsul

Zementierte Beziehung

Mascha Madörin

Ein Manager aus Schmidheinys Zementimperium soll Schweizer InvestorInnen nach Südafrika locken.

Diese Woche wurde bekannt, dass Anton E. Schrafl von der südafrikanischen Regierung zum Honorarkonsul in der Schweiz ernannt wurde. Damit ist ein Schweizer Wirtschaftsvertreter, der enge Kontakte zum Südafrika der Apartheidzeit pflegte, für ein Ehrenamt im Dienst der südafrikanischen Regierung auserkoren worden.

Schrafl ist seit Jahrzehnten in der Swiss South African Association (SSAA) aktiv. Seit zwanzig Jahren amtet er als deren Präsident. Dem Apartheid-Regime hielt er auch in den schwersten Stunden die Treue. So zeigte er sich im November 1985 in einem Interview noch voll vom Reformwillen des Apartheidregimes überzeugt, obwohl Premierminister Pieter W. Botha in seiner berühmt-berüchtigten Rubikon-Rede im August 1985 klargemacht hatte, dass er nicht auf Verhandlungen über die Abschaffung der Apartheid einsteigen, Nelson Mandela nicht aus dem Gefängnis entlassen, dagegen die demokratische Bewegung verbieten werde. Diese Rede war der Auslöser für die Sanktionsbeschlüsse vieler Regierungen. Aus der Sicht Schrafls steckte Südafrika jedoch in einer Wirtschaftsrezession, nicht in einer politischen Krise. Wörter wie «Verhaftung», «Folter», «Krieg» oder «rassistisches Regime» kamen bei ihm nicht vor.

Die SSAA war seit ihrer Gründung die informelle Wirtschaftskammer der grossen Schweizer Unternehmen, welche in Südafrika Geschäfte tätigten. Sie sorgte immer wieder dafür, dass Vertreter des Apartheidregimes und zweifelhafte «Homeland-Führer» in die Schweiz kamen und sich mit Schweizer Regierungsvertretern treffen konnten. Im Mai 1984 referierte Botha auf ihre Einladung im Grand Hotel Dolder in Zürich. Per Expressbrief wurden damals hoch gestellte Vertreter von Behörden Wirtschaft und Armee aufgefordert, am Empfang von Botha teilzunehmen. Botha habe in den «wenigen Jahren seit seinem Regierungsantritt unter grössten politischen und persönlichen Risiken unendlich viel mehr für die Lockerung und sukzessive Beseitigung der verpönten Apartheidpolitik getan als alle seine versammelten Kritiker zusammen». Auf der Einladung war vermerkt: «Girls are not allowed.»

Während seines ganzen Berufslebens hat der nun 68-jährige Schrafl in der Betonindustrie des Schmidheiny-Clans gearbeitet, ab 1960 in der Zementfabrik Holderbank-Wildegg AG, von 1969 bis heute als Manager und Delegierter des Verwaltungsrates in der Holderbank Financière Glarus (HoFi), dem inzwischen weltgrössten Zementproduzenten. Schon Anfang der siebziger Jahre war er Verwaltungsratsmitglied der südafrikanischen Anglo-Alpha Cement (heute: Alpha Ltd.) und ist es heute zusammen mit Thomas Schmidheiny immer noch. Wie die spärlichen Daten in den Geschäftsberichten vermuten lassen, warf Anglo-Alpha in den sechziger und Anfang der siebziger Jahre Erträge ab, die deutlich über dem übrigen Geschäftsdurchschnitt der HoFi lagen. Bis in die siebziger Jahre war Südafrika für die Holderbank das wichtigste Übersee-Investitionsgebiet. Die Erträge aus Südafrika dürften also eine wichtige Basis gewesen sein für die weltweite Expansion der Holderbank. 1975 arbeiteten über 40 Prozent des Personals von Firmen, welche von der HoFi finanziell kontrolliert wurden, in Südafrika, heute weniger als 8 Prozent. Nicht nur für Holderbank, auch für Südafrika war Anglo-Alpha von zentraler Bedeutung: 1980 produzierte Anglo-Alpha bei Zement, Kalk, Kies und Schotter einen Marktanteil von jeweils 35 bis 50 Prozent. Obwohl die Alpha Ltd. heute nur noch 3000 Angestellte hat - weniger als die Hälfte von 1975 -, ist sie immer noch eines der grössten Unternehmen der Holderbank im Ausland und die grösste Schweizer Firma in Südafrika.

Ruth Mompati, die südafrikanische Botschafterin in der Schweiz, betont, dass sich Schrafl nach Antritt der neuen Regierung sehr aufgeschlossen und kooperativ gezeigt habe. Die doppelte Rolle als Honorarkonsul und Manager dürfte Schrafl nun aber in einen Interessenkonflikt bringen. Seit 1994 ist das wirtschaftliche Umfeld für Alpha schwieriger geworden. Zum einen hob die neue Regierung per Juni 1996 das Zementkartell auf, was zu einem scharfen Konkurrenzkampf unter den drei grossen südafrikanischen Baurohstoffunternehmen führte. Zum andern verbot die Regierung die Fusion zwischen zweien dieser drei Marktleader, zwischen Alpha Ltd. und Blue Circle. Letztere wurde inzwischen von einem der grössten Weltkonkurrenten von Holderbank, dem französischen Zementkonzern Lafarge, aufgekauft.

Für alle, welche sich in der Schweiz mit den Anti-Apartheid-Bewegungen in Südafrika solidarisiert haben, ist die Ernennung Schrafls ein Affront. Südafrika sucht jedoch laut Botschaft eine Person, die sich - ehrenamtlich und mit dem nötigen Prestige in der Wirtschaft - dafür einsetzt, dass Schweizer Firmen in Südafrika investieren. Es scheint, dass es keinen namhaften Wirtschaftsvertreter mit Südafrika-Connections gibt, dessen Vergangenheit politisch weniger dubios gewesen wäre. Die Sympathie für das rassistische Regime war in diesen Kreisen allgegenwärtig.

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