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Presseschau: Kritik am geplanten Flick-Museum.

«... eine Bombe gezündet»

Der Fall muss öffentlich diskutiert werden, Friedrich-Christian Flick steht in der historischen Pflicht: Die vor einer Woche in der WoZ publizierten Artikel über die Hintergründe zum geplanten Bau für das Museum der «Flick Collection» lösten - ausser in der «NZZ» - ähnliche Reaktionen aus.

«Süddeutsche Zeitung», 11./12. 3.: «In der Schweiz beginnt eine öffentliche Diskussion um das in Zürich geplante private Museum des Flick-Erben Friedrich-Christian. Über die bisher nicht erfolgte Entschädigung der Zwangsarbeiter durch die Flick-Dynastie und die mögliche Herkunft der Mittel für den Museumsbau berichtete gestern die Zeitung «Tages-Anzeiger». Die «WochenZeitung» hatte zuvor über die Vergangenheit der Familie Flick und die Verurteilung Friedrich Flicks bei den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen berichtet. Ein ähnlicher Artikel hatte vor fünf Jahren in Grossbritannien dazu geführt, dass Gert-Rudolf Flick eine Spende für die Universität von Oxford zurückziehen musste. (...) Auch in dem Stadtviertel, wo der Museumsbau geplant ist, regt sich erster Widerstand. Jean-Daniel Blanc, Vorsitzender der «Initiativgruppe Hardturmquartier» der Anwohner: «So lange Flick sich nicht mit der Vergangenheit auseinander setzt, ist das Museum hier unerwünscht. Wir überlegen zurzeit, wie wir dagegen aktiv werden.» (...) Kritik kommt nun auch, und das in einem ziemlich massiven Mass, aus der Kunstszene Zürichs. Stefanie Carp vom Direktorium des Schauspielhauses fordert, dass die feinsinnigen Kunstsammler sich zunächst um etwas anderes zu kümmern haben: «Die Stadt sollte klarstellen: Ohne Entschädigung der Zwangsarbeiter kein Museum.» Es ist zweifelhaft, dass die Stadt über Druckmittel verfügt, den Museumsbau zu verhindern, da er rein privat finanziert wird. Carp verlangt jedoch in jedem Fall eine klare Aussage der Verwaltung.»

Reim Wolfs, Direktor des «migros museums» im Löwenbräu-Areal, wird im «Tages-Anzeiger» vom 9. 3. wie folgt zitiert: «(...) «Christoph Marthaler spricht mir aus dem Herzen. Für mich ist mit der WoZ-Veröffentlichung eine Bombe gezündet worden, die seit längerer Zeit nur scheinbar entschärft war. Dabei geht es mir nicht um Flick, seine Sammlung und sein Museum, sondern eher um das Wegschauen von moralischen Fragen und historischen Gegebenheiten. Darin erweisen sich Zürich und die Schweiz langsam als echte Spezialisten.»

Kommentar im «Tages-Anzeiger» vom Fr, 9. 3.: «(...) Und was sagt der Kunstsammler Friedrich-Christian dazu? Gar nichts. Bisher. Zwar räumen Leute, die ihm nahe stehen, ein, das Thema der Entschädigung beschäftige ihn schon. Öffentlich äussert er sich aber nicht dazu. Auch jetzt nicht, wo er in der Öffentlichkeit mit dem spektakulären Museumsbau auftrumpfen kann. Flicks Schweigen spricht für sich. Dabei wäre es besser für ihn, sich nicht um das Thema herumzudrücken. Für die Untaten seines Grossvaters ist er nicht verantwortlich. Gleichwohl trägt er als Erbe eine historische Verantwortung. Und er könnte diese Verantwortung nur schon wahrnehmen, indem er sich der Diskussion öffnet. Flick aber schweigt. Und wendet sich lieber seinem Sammlerhobby zu. Die Künstler, unter ihnen Schweizer Kunstprominenz, scheint die Herkunft des Geldes aus der Flick-Dynastie nicht weiter zu kümmern. Auch die Zürcher Politik kümmert die flicksche Vergangenheit bisher nicht. Selbst die Medien liessen den schweigsamen Sammler bislang gewähren. Nun ist das Eis gebrochen. Die Sache muss öffentlich diskutiert werden. Diskretion - in der Schweiz besonders beliebt - ist hier fehl am Platz.»

Im «Tages-Anzeiger» vom 11./12. 3. äusserten sich verschiedene Personen: Jean-Pierre Hoby, Chef Kulturpflege im Präsidialdepartement der Stadt Zürich: «(...) «Aller- dings beschäftigt mich die Tatsache, dass man bald gar nichts mehr machen kann, wenn man bei jedem Franken dessen Herkunft abklären muss. Diese Herkunft kennt man ja auch nicht bei Steuergeldern, mit denen die öffentliche Hand ihre Projekte finanziert. Nun aber müssen wir uns fragen, wie wir mit diesem Geschenk umgehen sollen. Diese Frage muss in der Öffentlichkeit diskutiert werden. Ich fände es gut, wenn wir in dieser neuen Situation Kontakt mit der Familie Flick aufnehmen könnten, um sie dazu zu bewegen, sich an der Entschädigung von Zwangsarbeitern zu beteiligen.»

Guido Magnaguagno, Direktor des Museums Jean Tinguely in Basel: «Man sieht ja jetzt deutlicher, wie das so genannte ‘Zürcher Kunstwunder’ am Löwenbräu, das mehr ein Wunder des dort versammelten Geldes als des strömenden Publikums war, möglich wurde. Im Übrigen interessiert mich primär die Frage, warum die Thematik der Zwangsarbeit im Dritten Reich erst nach einem halben Jahrhundert wieder öffentlich diskutiert wird.»

«Basler Zeitung» vom 11./12. 3. : «Ganz so reibungslos scheint die wundersame Zürcher Museumsvermehrung nun doch nicht zu funktionieren. (...) Tatsächlich hat den Nicht-zürcher schon verwundern müssen, mit welcher bürokratischen Geschmeidigkeit die «Flick Collection» ins städtische Gründerkonzept integriert worden ist. Im Stolz auf die kulturelle Wachstumsrate hat offensichtlich weder der belastete Name Flick zu denken gegeben noch die Sammlung selbst, von der es bis dato nur Gerüchte und Eingeweihtenerzählungen gibt.»

«Blick», 12. 3., Interview mit Roman Signer: «(...) Sind denn die Proteste gegen das Museum übertrieben?»

Roman Signer: «Die Zürcher sollten nicht so scheinheilig tun: Der Bührle-Saal im Zürcher Kunsthaus ist nach dem Krieg auch mit Waffengeldern bezahlt worden. Da klebt auch Blut dran. Kunst ist nicht rein und keusch. Kunst ist käuflich.»«Wenn jemand Sie als Künstler angreifen würde, weil Kunstwerkevon Ihnen im Flick-Museum ausgestellt sind - wie würden Sie reagieren?» Signer: «Das wäre gemein. Man ist als Künstler doch nicht verantwortlich für jene, die einem Kunstwerke abkaufen.»

«NZZ», 10./11. 3.: «Non olet - Kontroverse um die Flick Collection. Der römische Kaiser Vespasian hatte Unrecht: Geld kann stinken. Jedenfalls wenn man (möglicherweise) genügend hat wie die Crew des Schauspielhauses Zürich. Dann darf man gelegentlich die Nase rümpfen und laut rotzen. (...) Ob die Kritiker vom Schiffbau wohl auf Franken und Rappen wissen, woher das Geld kommt, das sie selber ausgeben? (...) Nachdem nun auch der «Tages-Anzeiger» auf die Skandalgeschichte aufgesprungen ist, dürfte das Erwachen für eine Gruppe namhafter Künstler bitter sein: (...) Ihnen und der Öffentlichkeit erweist einen Bärendienst, wer die Erbschuld des Flick-Clans dazu benützt, das geplante Museum zu verhindern.»

«Süddeutsche Zeitung», 13. 3., Interview mit dem Schweizer Historiker Thomas Buomberger: «(...) Das klingt, als hätte sich Friedrich-Christian Flick mit gutem Grund die Schweiz als Museumsstandort ausgesucht». Buomberger: «Es gibt auch hier Menschen, die etwas gegen diesen Ablasshandel haben. Aber natürlich gibt es gute - nicht nur steuerliche - Gründe, warum Menschen wie Flick oder Marc Rich die Schweiz mögen. Man hat hier wohl eher als anderswo seine Ruhe.»

Redaktion: Stephan Ramming

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