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Flick bleibt unter Beschuss
Wie weiter, Herr Flick?
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MitarbeiterInnen entlassen, Ausstellung abgesagt, Baupläne redimensioniert: Flicks Museumspläne geraten in Schräglage. Jetzt machen Persönlichkeiten aus Kultur und Kunst zusätzlich Druck.
Still ist es geworden in den letzten Wochen um Friedrich Christian Flick und dessen Museumspläne an der Zürcher Hardturmstrasse. Das soll sich ändern: Ein von bekannten Persönlichkeiten aus dem öffentlichen und kulturellen Leben unterschriebener Appell richtet sich an «( ...) Erben jener Vermögen ( ... ), die zu einem relevanten Anteil auf Firmen zurückzuführen sind, welche eingebunden waren in die völkerrechtswidrige Verschleppung und den menschenverachtenden Einsatz hunderttausender Frauen, Männer und Kinder als Zwangsarbeiter unter dem nationalsozialistischen Regime». Mit «Erben» meint der Appell nicht nur, aber vor allem und als einzigen namentlich erwähnt Friedrich Christian Flick. Denn weiter führen die unterzeichnenden AppellandInnen aus: «Nicht tolerierbar erscheint es uns, wenn etwa ein namhafter Erbe wie Herr Friedrich Christian Flick zumindest den Eindruck erweckt, sich unter anderem durch den Bau eines Ausstellungsgebäudes für seine private Kunstsammlung einer Unterstützung der Initiative und ihres Fonds entziehen zu wollen.»
Initiiert wurde der Aufruf durch Armin Huttenlocher von der Kommunikationsagentur Burson Marsteller in Berlin. Im Zuge der Initiative der deutschen Wirtschaft «Erinnern, Verantwortung, Zukunft» habe die Agentur Firmen oder auch Privatpersonen bei der Aufarbeitung ihrer Vergangenheit beraten, um Klarheit darüber zu gewinnen, ob und wie in den Fonds eingezahlt werden soll. Wiederholt wurde dabei Unverständnis über jene Unternehmen und Personen aus der Erbengeneration geäussert, die nicht der Initiative beitreten wollen. Friedrich Christian Flick stehe geradezu symbolisch für diese Gruppe. Flicks Ignoranz gegenüber dem im Grundsatz politisch und gesellschaftlich breitestmöglich abgestützten Fonds habe in derart krassem Missverhältnis zum ehrlichen Bemühen vieler MandantInnen gestanden, dass man beschloss, aus einem persönlichen Anliegen heraus einen Appell auf die Beine zu stellen.
Keine Bereitschaft zum Dialog
Er wendet sich unter anderem gegen Flicks Taktik, auf Zeit zu spielen; seine Vorhaben also aus dem Schussfeld der öffentlichen Kritik zu nehmen, um im Stillen an seinem Traum von einem Flick-Museum zu werkeln. Somit ruft der Appell die zwar nicht neuen, aber nach wie vor offenen Punkte in Erinnerung: Flick zeigte bis heute in keiner Weise die Bereitschaft, sich mit der Geschichte seines Familiennamens und so auch mit der Herkunft des Grundstockes für sein immenses Vermögen auseinander zu setzen. Eine Kunstsammlung oder ein Museum mit dem Namen Flick bleibt somit im Ruch von Blutgeld, Ausbeutung von ZwangsarbeiterInnen oder Parteispendenskandal. Dass KünstlerInnen und öffentliche Personen, die mit ihrer Arbeit im und für gesellschaftlichen Dialog stehen, sich dagegen verwahren, wenn Flick als Kunstliebhaber über die Frage der historischen Belastung seines Namens hinweggeht, ist einleuchtend. Diesen Dialog, wie ihn der Konsens mit der Initiative der deutschen Wirtschaft als gesamtgesellschaftlichen Umgang mit der Vergangenheit vorschlägt, verweigert Flick beharrlich. Der erste, symbolische Schritt, diesen Dialog aufzunehmen, bestünde weiter darin, das zu tun, was ihm sogar Josef Estermann nicht als Zürcher SP-Stadtpräsident, aber immerhin als einfacher Privatmann geraten hätte: in den Fonds der deutschen Wirtschaft einzuzahlen.
Das ist nicht geschehen. Günter Gibowski, Sprecher der deutschen Stiftungsinitiative zur Entschädigung von Zwangsarbeitern, sagte auf Anfrage, dass sich Flick bis heute zur im März dieses Jahres abgeschickten schriftlichen Einladung zur Einzahlung in den Fonds überhaupt nicht geäussert habe. «Ich gehe nach wie vor davon aus, dass Flick Briefe wie auch Zeitungen lesen kann. Die Einladung bleibt von unserer Seite selbstverständlich bestehen», so Gibowski. Ebenso wenig wie Christian Friedrich haben sein Bruder Muck oder der Onkel Karl Friedrich Flick, der mit geschätzten 13 Milliarden Mark den grössten Teil aus dem Erbe des Grossvaters verwaltet, beim Fonds von sich hören lassen, obwohl es im Flick-Clan eine Fraktion geben soll, die mittlerweile für eine Einzahlung plädiert.
Standortfrage XY ungelöst
Friedrich Christian Flick hält offenbar an seinem Plan fest, eine eigene, mit einem Kapital von 10 Millionen Mark alimentierte «Stiftung gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz» zu gründen, die vor allem in den neuen Bundesländern tätig werden soll. Diese private Stiftung gibt sich «zukunftsgerichtet» und deckt sich damit mit der Initiative der deutschen Wirtschaft. Im Gegensatz zu ihr blendet Flick allerdings Fragen der Vergangenheit aus. Jörg Neef von der Zürcher Kommunikations- und Wirtschaftsberatungsagentur Hirzel, Neef, Schmid, seit März Flicks Berater in Sachen Öffentlichkeit, sagte gegenüber der WoZ denn auch, dass ihm weder bezüglich valabler Stiftungsräte, Standort noch hinsichtlich der konkreten inhaltlichen Ausrichtung der Stiftung Näheres bekannt sei. Flick sei in den letzten Wochen «viel gereist», derzeit «vielleicht in Andalusien», momentan aber «nicht zu erreichen». Neef hat derzeit auch keine Informationen zum Stand der Planungsarbeiten des holländischen Stararchitekten Rem Kolhaas für das Museum. Jedenfalls will sich Flick, wie Medienberichten zu entnehmen war, nicht mehr wie ursprünglich geplant ein grosses, öffentliches Museum für zeitgenössische Kunst bauen lassen, sondern nur mehr eine kleine Kunsthalle für ein exklusives Publikum nach dem Vorbild der «Hallen für neue Kunst» in Schaffhausen.
Selbst die Frage, wo Flick seine Kollektion präsentieren wird, bleibt grundsätzlich offen. Schon bevor sich Flick auf den Standort Zürich in unmittelbarer Nähe seines Hauptlieferanten Hauser & Wirth kaprizierte, sondierte er erfolglos an höheren Stellen. Flick erwähnte Kontakte auf Regierungsebene in Sachsen sowie ein Gespräch mit dem ehemaligen für Kulturfragen zuständigen Staatsminister und jetzigen Mitherausgeber der Hamburger Wochenzeitung «Die Zeit», Michael Naumann. Naumann schrieb auf Anfrage zu Flicks Behauptung: «Ich habe Herrn Flick nicht getroffen; vielmehr hat es - nach Auskunft meiner Büroleitung - ein Telefonat mit Herrn F. gegeben; an den Inhalt dieses Gesprächs kann ich mich nicht erinnern. Wahrscheinlich hat Herr F. mich eingeladen, seine Sammlung zu besichtigen - was aber nicht geschah.»
Flick hat aber direkt mit Naumanns ehemaligem Chef verhandelt: mit Bundeskanzler Gerhard Schröder. Das deutsche Bundespresseamt bestätigte das Gespräch und schreibt zu dessen Inhalt: «Anlass für das Gespräch des Bundeskanzlers mit Herrn Flick war die Idee, die Kunstsammlung eventuell im deutschen Expo-Pavillon zu präsentieren im Rahmen einer geeigneten Nachnutzung des Gebäudes. Es hat nach unserem Kenntnisstand darüber hinaus keine weiteren Gespräche zwischen Herrn Flick und der Bundesregierung gegeben. Die Idee wurde nicht weiterentwickelt.»
Merkwürdig dabei ist, dass sich Naumann nicht erinnern kann, Flick umgekehrt aber auch nie das jetzt offiziell bestätigte und öffentlich noch viel wirksamere Gespräch mit dem Kanzler ins Feld führte. Dass Schröder im Gespräch mit dem Neffen des wichtigsten Rüstungslieferanten Adolf Hitlers offenbar die Frage einer allfälligen Einzahlung in den Fonds nicht angesprochen hat, ist zumindest politisch eine pikante Fussnote: Immerhin ist der Bundeskanzler derjenige, der den Fonds politisch auf den Weg bringen und nach langen Auseinandersetzungen jetzt an vorderster Stelle zur Rechtssicherheit der Zahlenden beitragen soll.
Reise nach Nirgendwo?
Was Flick mit seiner Liegenschaft und mit seiner Sammlung in Zürich zu tun gedenkt, ist also mehr als fraglich. Offensichtlich scheint er sich und seine Sammlung organisatorisch neu zu sortieren. Mit der Entlassung von Eva Meyer-Hermann, Dörte Zbikowski und Peter Schüller wurde die hauseigene KuratorInnen-Truppe verkleinert. Grund dafür sei die für nächstes Jahr geplante, unter dem öffentlichen Druck aber abgesagte Ausstellung in München gewesen. Im Weiteren habe es Meinungsverschiedenheiten über die Frage gegeben, ob die Sammlung - wie von der abgesetzten Direktorin und ehemaligen Hauser-&-Wirth-Angestellten Eva Meyer Hermann vor einem halben Jahr behauptet wurde - in eine Stiftung eingehen soll. Flick will, wie er in einem Interview unmissverständlich zum Ausdruck brachte, keine Stiftung, weil damit ein Teil seiner alleinigen Verfügungsgewalt über die 2500 Kunstwerke verloren ginge. «Ich habe gesagt, dass ich in Zürich weitermachen möchte. Aber es gibt eine gewisse Schmerzgrenze, und wenn die erreicht ist, dann überlege ich mir Alternativen», sagte Flick. An gleicher Stelle nannte er auch die Namen dieser Alternativen: Dresden, Venedig, Monte Carlo.
WOZ 25/01
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Inhalt Dossier «Flick Collection»
WOZ vom 23.03.2006
WOZ vom 02.09.2004
«Die Flicks»: Ein neues Buch verharmlost die Geschichte einer berüchtigten deutschen Dynastie
WOZ vom 22.07.2004
Geschichte, weich gespült: Deutsche Vergangenheitsbewältigung
WOZ vom 06.05.2004
Flicks fieses Geschenk: Flick Collection
WOZ vom 16.01.2003
In Berlin verliert die Moral: Die Flick-Sammlung komt nach Berlin
Zürich ohne Flick-Monument: Wie viel Diskussion verträgt Flick?
WOZ 17/02
Flicks Denkpause: Kein Flick-Museum in Zürich?
WOZ 25/01
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WOZ 15/01
Eine kulturelle Geldwaschanlage: Die Kunstsammlung E.G. Bührle
WOZ 14/01
Eine Charta für den Kunstbesitz: Kunstpolitik: Unverfrorenheit von rechts



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