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Kein Flick-Museum in Zürich?

Flicks Denkpause

Von Patrik Landolt

Weder ist eine Baubewilligung eingereicht, noch arbeitet der Architekt Rem Koolhaas am Projekt. Hat Friedrich Christian Flick die Pläne eines Zürcher Museums aufgegeben?

Um die Flick Collection und das geplante Museum in Zürich ist es ruhig geworden. Sehr ruhig. Seit gut einem Jahr ist aus dem Hause Flick an der Hardturmstrasse nichts mehr zu vernehmen. Die von Flick erworbene Liegenschaft auf dem Gelände des ehemaligen Modellmagazins der Sulzer-Escher Wyss AG im Zürcher West-Quartier in direkter Nachbarschaft zum Schauspielhaus im Schiffbau, das als Museum vorgesehen war, ist immer noch verriegelt. Sprays bedecken die Ziegelsteinmauern, die Fenster sind vergittert, die Räume stehen leer, und weit und breit gibt es keine Anzeichen eines Um- oder Neubaus.

Im Januar 2001 liess Friedrich Christian Flick mit einem Pressecommuniqué verlauten, dass er den weltweit angesehenen Architekten Rem Koolhaas damit beauftragt habe, für seine über 2500 Werke umfassende Sammlung ein Museum zu bauen. Ein Dossier in der WoZ, welches Friedrich Christian Flicks Museumspläne in den Zusammenhang mit der Vergangenheit der Familie Flick stellte, löste eine öffentliche Diskussion aus. Denn gemeinsam mit der ganzen Flick-Dynastie weigerte sich auch Friedrich Christian, einen Beitrag an die Initiative zur Entschädigung der Zwangsarbeiter zu zahlen. Dies, obwohl sein Onkel Friedrich Flick Zwangsarbeiter beschäftigt hatte und im Nürnberger Kriegsverbrecherprozess wegen Sklavenarbeit, Ausplünderung besetzter Gebiete und seiner geschäftlichen Beziehungen zur SS verurteilt worden war.

Kritische Stimmen gegen Flick

Die Weigerung des Enkels musste als Nicht-anerkennung einer historischen Verantwortung interpretiert werden. Dass der Erbe Friedrich Christian Flick im Gegenzug mit seinem grossen Erbvermögen in Zürich ein Museum für seine hoch dotierte Sammlung moderner Kunst bauen wollte, provozierte Fragen. «Wir wünschen uns andere Nachbarn als ein Museum, dessen Exponate aus dem Flick-Vermögen zusammengekauft worden sind», äusserte sich das Schauspielhaus-Direktorium, bestehend aus Christoph Marthaler, Stefanie Carp und Anna Viebrock (siehe WoZ Nr. 10/01).

In einem Pressegespräch Ende März 2001 reagierte Friedrich Christian Flick auf die Vorwürfe. Er stellte klar, dass er nicht in die Zwangsarbeiterstiftung einzahlen werde, sondern dass er mit zehn Millionen Mark eine neue deutsche Stiftung gegen Rassismus und Fremdenhass einrichten wolle. Eine geplante Ausstellung seiner Sammlung im Haus der Kunst in München sagte Friedrich Christian Flick ab. Begründung: «Angesichts der laufenden Diskussion würde die Ausstellung der Kunst und den Künstlern mehr schaden als nützen.» Gleichzeitig betonte er aber, dass er in Zürich einen Bau für seine Kunstsammlung erstellen wolle und «daran festhalte, seine Sammlung in Zürich der Öffentlichkeit zugänglich zu machen».

Ende April 2001 war zu vernehmen, dass Friedrich Christian Flick dreien der insgesamt fünf KunsthistorikerInnen aus seiner Museumscrew gekündigt hatte. Gleichzeitig gab Flick in einem NZZ-Interview bekannt, dass ihn die Kontroverse um seine Person zu einem grundsätzlichen Überdenken seiner Intention veranlasse. «Es wird keine Museum geben, dass sieben Tage in der Woche offen hat. Die Betriebsform der Flick Collection lehnt sich eher an das Modell der Schaffhauser Hallen für neue Kunst an.» Die Rede war nun von einem «Haus» für die Flick Collection. Eine Verkleinerung des Projekts also. Flick bestätigte aber nochmals, dass er den Architekten Rem Koolhaas damit beauftragt habe, ein Haus zu entwerfen.

Keine Informationen aus dem Hause Flick

Ein Jahr nach diesen Äusserungen deutet alles darauf hin, dass der Kunstsammler die Pläne für den Bau seines Zürcher «Kunsthauses» schubladisiert hat. Friedrich Christian Flick selbst war für die WoZ nicht zu sprechen. Aus der Flick Collection war das Wort «Denkpause» zu vernehmen. Fest steht aber, dass der Architekt Rem Koolhaas nicht mehr an der Museumsprojektierung arbeitet. Jan Knikker, Pressesprecher von Rem Koolhaas’ Büro OMA (Office for Metropolitan Architecture), sagte auf Anfrage der WoZ: «Der Auftrag zum Bau eines Museums in Zürich ist gestoppt. Der Entwurf, den wir letztes Jahr entwickelt haben, ist leider der Öffentlichkeit nie vorgestellt worden.»

Dass sich bei der Liegenschaft an der Hardturmstrasse nichts tut, bestätigten auch die Zürcher Baubehörden. Von Leo Durrer vom Amt für Baubewilligungen war zu erfahren, dass im Sommer 2001 wohl Vorgespräche mit Rem Koolhaas und Friedrich Christian Flick stattgefunden hätten, dass aber nie ein Baugesuch eingereicht worden sei: «Seit einem Jahr herrscht Stillschweigen.» Auch der Zürcher Stadtpräsident und Kulturminister Josef Estermann hat keine neue Informationen.

Kenner von Friedrich Christian Flick weisen darauf hin, dass die Diskussion um seine Person und die Kritik an seiner Nichtbeteiligung an der Entschädigung der Zwangsarbeiter des Dritten Reiches den Milliardär bewogen haben könnten, das Zürcher Projekt definitiv aufzugeben. Denn die öffentliche Debatte in Zürich machte deutlich, dass ein Flick-Museum, dessen Exponate mit Geld aus dem belasteten Erbe der Flicks zusammengekauft wurden, ein dauerhaftes Imageproblem haben wird. Erst recht, da sich die Familie Flick weigerte, für die Zwangsarbeiter zu zahlen. Andeutungen über seinen Ärger wegen der öffentlichen Debatte hat Flick mehrmals gemacht, auch im NZZ-Interview vom 27. April 2001: «Es gibt eine gewisse Schmerzgrenze, und wenn die erreicht ist, dann überlege ich mir Alternativen.»

Es gibt aber auch Spekulationen darüber, dass der öffentliche Rummel um Friedrich Christian Flick die Steuerbehörden auf «Unregelmässigkeiten» aufmerksam gemacht haben könnte und Flick nun Orte sucht, wo er seine Kunstwerke kostengünstiger aufbewahren kann. Als neuer Standort kursiert Potsdam. Dort hat schon die Stiftung von Friedrich Christian Flick ihren Sitz.

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