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Keine Entspannung
Kalte Füsse, heisses Business
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Kunst als Investment, die Verbindungen zu Iwan Wirth, Entschädigung für NS-Opfer: Flick bleibt Antworten auf viele Fragen schuldig.
Lange hatte er geschwiegen, dann rief er über Nacht zum «Mediengespräch»: Friedrich-Christian Flick, mit seinem geplanten Privatmuseum an der Zürcher Hardturmstrasse ins Schussfeld geraten, verlas eine Verlautbarung und beantwortete ausweichend Fragen. Einzelinterviews gewährte er nicht. Flick hatte zwei Botschaften. Die erste lautete: Der öffentliche Probelauf für seine Sammlung im Münchner Haus der Kunst von Christoph Vitali ist - entgegen Vitalis Wille - gestrichen. Die zweite Botschaft: Flick richtet mit zehn Millionen DM «eine zukunftsgerichtete Stiftung in Deutschland für die Basisarbeit gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Intoleranz» ein.
Ist die erste Botschaft einfach zur Kenntnis zu nehmen, will es sich Flick mit der zweiten einfach machen - zu einfach: Ohne Entschädigung von ZwangsarbeiterInnen wirkt eine «Stiftung gegen Rassismus» wie blanker Hohn für die zum Teil noch lebenden Opfer. Flick bestreitet jeglichen Zusammenhang zwischen seinem privaten Vermögen und den - nicht zuletzt durch die Ausbeutung von ZwangsarbeiterInnen - von seinem Grossvater Friedrich Flick angehäuften Milliarden. Dem steht die Tatsache entgegen, dass Flick in den siebziger Jahren aus Grossvaters Hinterlassenschaft 308,5 Millionen DM als Barabfindung, nach einem Rechtsstreit mit seinem Onkel Friedrich Karl später nochmals um hundert Millionen DM kassierte. «Was ich darüber hinaus besitze, habe ich mir in den vergangenen 25 Jahren selbst erarbeitet», sagt Flick. Mit 400 Millionen DM Startkapital waren die Voraussetzungen für Flicks Aktivitäten als «Privater Investor» (Selbstbezeichnung) wohl doch etwas anders als die Realitäten für einen Zwangsarbeiter, der, falls er überhaupt lebend aus Grossvaters Fabriken entkam, in der Ukraine, Ungarn, Polen oder anderswo wieder eine Existenz aufbauen musste. Falsch ist im Weiteren Flicks Behauptung, die Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft «Erinnerung, Verantwortung und Zukunft», die sich um die Entschädigung der Opfer kümmern soll, richte sich ausschliesslich an deutsche Unternehmen: Privatpersonen mit Flicks Vermögensprofil stehen ebenfalls in der Pflicht. Auf Flicks Pult liegt ein Brief aus Deutschland, in dem er um einen Beitrag gebeten wird. Der Brief ist unbeantwortet (vgl. Interview unten).
Vor diesem Hintergrund ist Flicks private Stiftung gegen Fremdenhass ein Manöver, um die Öffentlichkeit ruhig zu stellen. Gleichzeitig weiss Flick, dass er für die Verwirklichung seiner Pläne auf diese Öffentlichkeit angewiesen ist: «Es ist mir klar, dass das Projekt, die Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, nur im weitgehenden Konsens mit dem Quartier, der Stadt und den Zürcherinnen und Zürchern möglich ist.» Ein solcher Konsens ist im Dialog zu erreichen. Flicks Signale in dieser Hinsicht sind dagegen eindeutig: Weder den «Tagesthemen» der ARD gab er Auskunft, noch fand die versprochene «Ausarbeitung von Modalitäten» für die Teilnahme an einem Podiumsgespräch des «Tages-Anzeigers» statt. So scheint es derzeit unmöglich, mit Flick in den von ihm geforderten «konstruktiven Dialog über Kunst und deren Vermittlung» zu treten. Warum gibt Flick keine Antworten auf Fragen bezüglich seiner Sammlung, über die Gründung und personelle Zusammensetzung der angekündigten Stiftung, über die Ausstellungspolitik im geplanten Museum?
Steuern, Kunst-Investment, Connections
Vielleicht möchte Flick doch lieber in Ruhe gelassen werden. Zum Beispiel von der Steuerbehörde oder der Einwohnerkontrolle der Stadt Zürich. Denn obwohl Flick, wie er sagt, in Zürich «eine neue Heimat» gefunden habe, liess er sich 1999 aus der bescheidenen, dafür steuergünstigen Wohnung in Horw (LU) nicht nach Zürich, sondern als pauschalierter Steuerzahler nach Gstaad ummelden. Gleichzeitig bezog er aber an der Beethovenstrasse 5 in Zürich eine Wohnung, deren Klingel mit «Hauser & Wirth» beschriftet war - angeblich eine alte Wohnung des Galeristen-Ehepaares. Ein kleiner Dienst zwischen Freunden für allfällige Unannehmlichkeiten mit Einwohnermelde- und Steueramt. Die beiden verstehen sich auch geschäftlich bestens: Flick ist nicht nur Eigner einer Vielzahl von Finanzgesellschaften, sondern ist auch an einer «Flick Kunstverwaltung GmbH» beteiligt, als deren alleiniger und zeichnungsberechtigter Geschäftsführer Iwan Wirth fungiert. Neben Flick ist eine im Steuerparadies der Kanalinsel Guernsey domizilierte «Contemporary Art Limited» mehrheitsbeteiligte Gesellschafterin. Wer hinter «Contemporary Art Limited» steht, ist noch offen. Klar ist damit jedoch, dass Iwan Wirth nicht nur die von Insidern auf 200 bis 300 Millionen Franken geschätzte Kunstsammlung als Verkaufsgalerist, «Berater und Filter» massgeblich geprägt hat, sondern dass die beiden auch im Kunstbusiness gemeinsame Sache machen.
Denn Flick bewirtschaftet seinen Schatz, der als Stiftung in den Genuss der Steuerfreiheit käme, überaus professionell. Freund Wirth, selbst privater Sammler als auch Händler, steht ihm dabei zur Seite. So soll beispielsweise 1999 Flick durch Vermittlung von Wirth Gerhard Richters weltberühmtes Bild «Grün-Rot-Gelb» für 5 Millionen Franken an Stephan Schmidheinys «Daros Collection» verkauft haben. Das Wirtschaftsblatt «Bilanz» sprach denn auch bereits im Dezember 1999 von einem zweistelligen Millionenbetrag, den Wirth insgesamt an Provisionen von Flick kassiert haben soll. Der vorläufige Steuerbescheid 1999 für Wirths Galerie gibt sich dagegen kleinlaut: Gerade mal 1 Million Franken Gewinn wird von der St. Galler Gemeinde Oberuzwil für 1999 ausgewiesen, spätere Steuerbescheide sind hängig.
Hängig sind damit nicht nur Fragen zu Flicks Verständnis von «gesellschaftspolitischem Engagement», sondern auch zu den geschäftlichen Aktivitäten seines unmittelbaren Kunstumfeldes. Es ist an der Öffentlichkeit, diese Fragen weiter zu stellen.
WOZ 13/01
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Inhalt Dossier «Flick Collection»
WOZ vom 23.03.2006
WOZ vom 02.09.2004
«Die Flicks»: Ein neues Buch verharmlost die Geschichte einer berüchtigten deutschen Dynastie
WOZ vom 22.07.2004
Geschichte, weich gespült: Deutsche Vergangenheitsbewältigung
WOZ vom 06.05.2004
Flicks fieses Geschenk: Flick Collection
WOZ vom 16.01.2003
In Berlin verliert die Moral: Die Flick-Sammlung komt nach Berlin
Zürich ohne Flick-Monument: Wie viel Diskussion verträgt Flick?
WOZ 17/02
Flicks Denkpause: Kein Flick-Museum in Zürich?
WOZ 25/01
Wie weiter, Herr Flick? Flick bleibt unter Beschuss
WOZ 15/01
Eine kulturelle Geldwaschanlage: Die Kunstsammlung E.G. Bührle
WOZ 14/01
Eine Charta für den Kunstbesitz: Kunstpolitik: Unverfrorenheit von rechts



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