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Wie viel Diskussion verträgt Flick?
Zürich ohne Flick-Monument
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Der Kunstsammler Friedrich Christian Flick zeigte bei seinem Versuch, in Zürich ein privates Museum zu errichten, wenig Sensibilität für eine demokratische Öffentlichkeit und für die Kritik an der Verstrickung seiner Familie in die NS-Vergangenheit. In der WoZ vom 8. März 2001 äusserten sich Kulturschaffende und jüdische Organisationen kritisch zum geplanten Flick-Museum an der Hardturmstrasse in Zürich. Auf reges öffentliches Interesse stiess - neben Fragen von Privatisierung der Museumswelt - die Weigerung von Friedrich Christian Flick, Entschädigung an die NS-Zwangsarbeiter zu zahlen. Der geplante Museumsbau wurde in den Zusammenhang von Flicks Umgang mit der Familiengeschichte gestellt. Das Direktorium des Zürcher Schauspielhauses, Christoph Marthaler, Stefanie Carp und Anna Viebrock äusserten sich unmissverständlich zur Aussicht eines Flick-Museums als künftige Nachbarschaft des Schiffbaus: «Wir wünschen uns andere Nachbarn (...) Wir können den Gedanken nicht verdrängen, dass die Exponate dieser Sammlung mit Kriegsverbrecher-Geld und enteignetem, arisiertem jüdischem Vermögen bezahlt wurde. Die Kunst der Sammlung können wir nicht trennen vom Wissen darüber, dass sich die Familie Flick bis heute weigert, Entschädigungsgelder an ehemalige Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge zu bezahlen. Kunst ‘veredelt’ in diesem Falle nicht.» Rolf Bloch, Präsident des Schweizerischen Holocaust-Fonds, fand das Verhalten von Friedrich Christian Flick auf einer moralischen Ebene unsympatisch: «Mit einer grossen Geste an die Opfer - und nicht ans Kunstpublikum - könnte er seine Distanzierung von den Nazi-Vorfahren glaubwürdiger machen.» Auch der damalige Zürcher Stadtpräsident Josef Estermann stellte Fragen (im Gegensatz zum heute amtierenden Elmar Ledergerber).
Das WoZ-Dossier löste eine rege Debatte aus. Der «Tages-Anzeiger» organisierte eine gut besuchte Podiumsdiskussion zum Thema. Kunstkritiker, Kuratorinnen, Museumsdirektoren diskutierten in mehreren Zeitungen über Moral, Vergangenheitsbewältigung, Privatisierung der Kunst und die Macht der Galerien. Friedrich Flick selbst schwieg lange, bis er zu einem «Mediengespräch» rief. An der Zürcher Pressekonferenz am 23. März 2001 betonte der Kunstsammler, dass Zürich zu seiner Heimat geworden sei und er seine Sammlung hier zeigen wolle, wozu er einen Museumsneubau plane. Unmissverständlich gab er aber zu verstehen, dass er sich als Privatperson sehe und keine Veranlassung habe, sich persönlich an der deutschen Stiftungsinitiative zur Entschädigung der Zwangsarbeiter zu beteiligen. Gleichzeitig kündigte Flick aber die Einrichtung einer privaten Stiftung mit zehn Millionen Mark gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Intoleranz an. Zur Teilnahme an öffentlichen Diskussionen oder Interviews (mit Ausnahme der NZZ) zeigte sich Flick nicht bereit. Auch am «Tages-Anzeiger»-Podiumsgespräch nahm Flick nicht teil.
Die Diskussion in Zürich um die Verstrickung der Familie Flick in die NS-Vergangenheit muss den Milliardär so verstimmt haben, dass er die Museumspläne in Zürich verwarf. Über die «Neue Zürcher Zeitung» liess er drohend verlauten: «Es gibt eine gewisse Schmerzgrenze, und wenn die erreicht ist, dann überleg ich mir Alternativen» (17. April 2001). Wie weit die Gerüchte, dass der Rummel ums Flick-Museum und dessen Connection zur Galerie Wirth die Steuerbehörden auf «Unregelmässigkeiten» aufmerksam gemacht haben könnten, stimmen, bleibt offen. Ein Jahr nach der Verkündigung der Museumspläne in Zürich ergaben Recherchen, dass Friedrich Christian Flick für seinen Neubau immer noch kein Baugesuch eingegeben hatte und dass er die Planungsarbeiten des Architekten Rem Koolhaas stoppen liess.
Nun hat der Kunstsammler, wie er am 10. Januar in Berlin an einer Pressekonferenz bekannt gab, in Berlin einen Standort für sein Monument gefunden. Friedrich Christian Flicks Art und Weise, in der er sich einer öffentlichen Diskussion entzog und bloss autoritaristisch über Verlautbarungen kommunizierte, werden in Zürich nur wenige nachtrauern - ausser vielleicht der «Neuen Zürcher Zeitung», deren Lokalkulturteil über den Wegzug der Flick-Collection Tränen vergiesst und über eine «Medienkampagne» jammert.
Ein Museum als Ort der visuellen Kontemplation ist zusammen mit Friedrich Christian Flicks «Kommunikationskultur» kaum vorstellbar. Kunst braucht die öffentliche Debatte, die Freiheit zum Dissens, ein offenes Klima und nicht aristokratisch anmutende Geldarroganz. Aber jenseits der wichtigen Debatte um Geld und Geist, historische Verantwortung der Erben einer in die NS-Vergangenheit verstrickten Unternehmerfamilie wirft der Fall Flick erneut ein Licht auf die Steuergesetzgebung der Schweiz, welche die Reichsten der Welt zur Steuerhinterziehung einlädt.
WOZ vom 16.01.2003
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Inhalt Dossier «Flick Collection»
WOZ vom 23.03.2006
WOZ vom 02.09.2004
«Die Flicks»: Ein neues Buch verharmlost die Geschichte einer berüchtigten deutschen Dynastie
WOZ vom 22.07.2004
Geschichte, weich gespült: Deutsche Vergangenheitsbewältigung
WOZ vom 06.05.2004
Flicks fieses Geschenk: Flick Collection
WOZ vom 16.01.2003
In Berlin verliert die Moral: Die Flick-Sammlung komt nach Berlin
Zürich ohne Flick-Monument: Wie viel Diskussion verträgt Flick?
WOZ 17/02
Flicks Denkpause: Kein Flick-Museum in Zürich?
WOZ 25/01
Wie weiter, Herr Flick? Flick bleibt unter Beschuss
WOZ 15/01
Eine kulturelle Geldwaschanlage: Die Kunstsammlung E.G. Bührle
WOZ 14/01
Eine Charta für den Kunstbesitz: Kunstpolitik: Unverfrorenheit von rechts



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