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Ein Aufruf zur theoretischen Reflexion

Das Spiel mit den Geschlechtern - eine Sackgasse?

Von Tove Soiland

Mit ihrer Kritik an konventionellen Weiblichkeitsbildern und Rollenklischees verharren die Gender-Studies bei einem alten Machtbegriff - und sind dabei längst von der Gegenwart eingeholt.

Sexistische Sprüche trägt das Teeny jetzt keck auf dem T-Shirt; die Jungen lernen Nähen in der Schule. Und während der onkelhafte Chef allenfalls noch belächelt wird, ist der paternalistische Onkel längst zum Kollegen seiner Nichte geworden. - Kein Zweifel, die Insignien patriarchaler Macht haben ausgedient (und selbst mein Computer unterstreicht das Wort «patriarchal» mit rot, weil es ihn offenbar ein Fremdwort dünkt). Am Geschlechterverhältnis, so scheint es, hat sich fast alles verändert - mit Ausnahme der Unterordnung der Frauen unter die Männer. Denn immerhin ist der Chef noch ein Mann, und die knallharten Daten ökonomischer Ungleichheit scheinen sich um Geschlechterdemokratie nur wenig zu kümmern.

Penis-Piercing am Nabel

Es scheint, als gehe heute ein beharrliches Fortbestehen geschlechtlicher Hierarchisierung problemlos Hand in Hand mit einer eindrücklichen Aufweichung geschlechtsspezifischer Verhaltensweisen: Auch wenn wir uns den silbernen Penis als Piercing an den Nabel stecken, an den wichtigsten Parametern der Ungleichheit zwischen den Geschlechtern wie Lohndifferenz, Verteilung der Arbeit oder Zugang zu Ressourcen ändert sich wenig bis gar nichts. Nach wie vor verdienen Frauen weniger als dreissig Prozent der Lohnsumme; obwohl sie insgesamt mehr als die Hälfte der Arbeit verrichten, ist ihre Medienpräsenz sogar rückläufig und nimmt die Gewalt gegen sie zu. Kann hier die «Dekonstruktion geschlechtlicher Identitäten» Abhilfe schaffen, wie uns ein Grossteil der gegenwärtigen Gender-Studies nahe legt? Oder sind sie gar umgekehrt selbst zum Bestandteil dieser Entwicklung geworden, die nach allem fragt, ausser eben - nach der Unterordnung der Frauen unter Männer?

Ein Blick in die gegenwärtigen Forschungsprogramme von Gender-Studies im deutschsprachigen Raum macht eines deutlich: Eine erfreuliche Vielfalt von Forschungsfeldern und eine rege, meist empirisch ausgerichtete Forschungstätigkeit kontrastiert mit einer auffälligen Einförmigkeit in der Fragestellung: Ob in Pädagogik, Literatur, Sozialarbeit oder Biologie, gesucht wird, quer durch alle Sparten, nach «geschlechtlichen Konstruktionsmechanismen». Fragt sich nur, was damit tun, wenn sie einmal gefunden sind. Denn eigentlich ist das meiste ungeklärt: Was beispielsweise heisst es überhaupt zu sagen, das Geschlecht sei ein «soziales Konstrukt»? Und ist die Gender-Forschung mit ihrer Kritik an normativen Geschlechterrepräsentationen - an Weiblichkeitsbildern, Rollenklischees, Verhaltensvorgaben - nicht längst von einer neoliberalen Realität eingeholt, die die Menschen gerade nicht mehr zu einer bestimmten Lebensweise zwingt, sondern sich umgekehrt die Flexibilisierung sämtlicher Lebensbereiche auf ihre aggressiven Fahnen schreibt? «Das Leben als Projekt ist ein Experiment des Flexiblen», steht nicht etwa im deutschen Hartz-Bericht zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit geschrieben, sondern in einem Kommentar der Gender-Expertin Marion Strunk zum Film «Venus Boyz» von Gabriel Bauer: Modeln wir den Body um nach unsrem Gusto, und es wird sichtbar, dass die Geschlechter gemacht sind. «Gender Game» heisst die Devise. Das Geschlecht ist ein Spiel. Doch die Gewissheit, mit dem Aufzeigen des «Konstruktionscharakters von Geschlecht» auch bereits einen machtkritischen Beitrag zu leisten, lässt bislang im Dunkeln, worin dieser denn besteht. Der Normalverbraucherin mag es deshalb nicht ohne weiteres einleuchten, warum die Pluralisierung der Geschlechter ein revolutionärer Akt sein soll. Und das liegt nicht nur daran, dass sie zu wenig Derrida gelesen hat. Die Sache ist nämlich auch theoretisch unklar.

Dekonstruktion als Selbstzweck

Kein Zweifel, der Begriff Gender hatte seine Nützlichkeit: Ursprünglich eingeführt zur Abwehr biologistischer Kurzschliessungen, bediente die feministische Theorie sich seiner, um klar zu machen, dass die soziale Existenzweise von Frauen und Männern sich in keiner Weise mit irgendwelchen biologischen Gegebenheiten erklären liess. Umgekehrt wies Judith Butler, die gegenwärtig wohl wichtigste Theoretikerin für den deutschsprachigen Raum, zu Recht darauf hin, dass selbst die Vorstellung von der Existenz zweier Geschlechter nicht einfach naturgegeben ist: In ihrer Erweiterung des Gender-Konzepts machte sie deutlich, dass zwischen der Annahme einer angeblich biologischen Zweigeschlechtlichkeit und dem, was sie die «heterosexuelle Matrix» nennt, ein intimer Zusammenhang besteht. Dass Identitäten beziehungsweise die damit verbundenen Weisen der «Subjektivierung» zutiefst in Macht eingebunden sind, ist eine gesellschaftstheoretische Annahme, die zweifelsohne Sinn ergibt. Doch, scheint mir, ist genau diese machttheoretische Verknüpfung aus dem Blickfeld der Gender-Studies verschwunden und damit die Fruchtbarkeit des Versuchs, Identitäten als politisches Problem wahrzunehmen.

Ist es denn erwiesen, dass «Geschlechterrepräsentationen», «Weiblichkeitsvorstellungen», «Rollenverhalten», «kulturelle Codierungen» überhaupt für Prozesse geschlechtlicher Hierarchisierungen verantwortlich sind? Die Dekonstruktion geschlechtlicher Identitäten ist zu einem Selbstzweck geworden, dessen Perspektive machtanalytisch gesehen unklar bleibt: Wäre es die Vorstellung, dass die Aufhebung geschlechtsspezifischer Sozialisation auch die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern beseitigte? Doch mit welchem Grund würde so etwas angenommen? Ist es die Vorstellung, dass die Heterosexualität den Kapitalismus stützt? Doch wer sagt, dass homosexuelle Strukturen nicht ebenso geschlechtliche Arbeitsteilungen portierten? Und wäre es jemals einem Marxisten eingefallen, die Ausbeutung des Arbeiters auf ein «arbeiterspezifisches Verhalten», gar auf spezifische Repräsentationen «des Arbeiters» zurückzuführen? Zweifellos stand E. P. Thompson ein anderer Konstruktionsbegriff vor Augen, als er sein Buch «The Making of the English Working Class» nannte.

Die Eselin am Schwanz aufzäumen

Machtverhältnisse sind nicht immer und nicht notwendig auf die Machtwirkung normativer Vorgaben zurückzuführen. Doch nahezu ausschliesslich als ein Problem solcher Vorgaben wird gegenwärtig in der Gender-Forschung das Geschlechterverhältnis diskutiert. Und man verrät kein Geheimnis, wenn man sagt, dass diese Vorstellung von der «disziplinären Erzeugung der Geschlechtszugehörigkeit» wesentlich auf den Einfluss Judith Butlers zurückgeht. So fasst beispielsweise die Basler Gender-Professorin Andrea Maihofer die «Annahme des Geschlechtes», das heisst der Umstand, dass sich ein Mensch mit «seinem» Geschlecht identifiziert, als Effekt «disziplinierender Vereindeutigungs- und Vereigenschaftlichungs-Prozesse» auf, in dessen Verlauf Mädchen und Jungen lernen, mittels gesellschaftlich zur Verfügung gestellter Gefühlsmuster und Körperpraxen ihr Geschlecht überzeugend darzustellen. Die Fokussierung auf Geschlecht als einem «zentralen gesellschaftlichen Herrschaftsprinzip» mutiert hier unter der Hand zur Frage der «Annahme des Geschlechts» und diese wiederum zu einer Frage der Identifikation mit normativen Vorlagen. Aber macht es überhaupt Sinn, die Geschlechterhierarchie als eine Frage der «Annahme von Geschlecht» zu problematisieren? Und ebenso umgekehrt gefragt: Wird diese «Annahme» auch tatsächlich unterwandert, wenn lediglich deren sichtbare Insignien - Verhalten, Gestik, Bild - kritisiert und allenfalls ausgetauscht werden? Gewiss: Es gäbe keine geschlechtlichen Hierarchisierungen, wenn es keine Geschlechter mehr gäbe. Aber heisst dies nicht, die Eselin beim Schwanz aufzuzäumen?

Es stellt sich deshalb die Frage, ob nicht im Zuge der Rezeption der Werke Judith Butlers ein grosser Reduktionismus in das gesellschaftstheoretische Verständnis der Gender-Studies Einzug hielt. Denn die Vorstellung von der geschlechtlichen Subjektwerdung als einem Akt der - um im Wortlaut Judith Butlers zu bleiben - «disziplinären Heranzüchtung» erscheint angesichts der grossen Integrationskraft spätkapitalistischer Gesellschaften irgendwie anachronistisch und kaum geeignet, deren Funktionsmechanismen adäquat zu erfassen. Und es ist schwer verständlich, wieso ausgerechnet jene Generation von Forscherinnen, die vermutlich als erste gerade nicht mehr mit ernst zu nehmenden normativen Vorgaben darüber, wie sie als Frauen zu sein hätten, konfrontiert sind, sich auf eine Theorie stützt, deren Formulierungen über weite Strecken eher den Papst als Gegenüber zu haben scheinen als eine Gesellschaft des 21. Jahrhunderts. Könnte es sein, dass die Gender-Theorie sich heute in einer ganz ähnlichen Lage befindet wie einstmals die Bewegung der sexuellen Revolution, deren Annahme, die Macht des Kapitalismus operiere wesentlich über die Unterdrückung der Sexualität, sich rückwirkend als sträflicher Irrtum erwies?

Selbstführung statt Herrschaft

Das Geschlecht als Disziplin, von der wir uns losmachen müssen: Und wenn es die List der Macht selbst wäre, die uns dies glauben macht? Michel Foucaults Vermutung, dass die Macht sich in ihrer tatsächlichen Wirkungsweise kaschiert, müsste hier längst misstrauisch machen. Und obwohl Foucault der Gender-Theorie in ihrer Kritik an Identitäten als wichtigster Referenzpunkt dient, wird völlig ignoriert, dass Foucault selbst diese in seinem Spätwerk gerade nicht mehr auf die Kraft normativer Vorgaben zurückführte, sondern das Zusammenspiel von Individuum und Macht grundsätzlich anders zu denken begann.

Merkwürdigerweise werden diese unter dem Namen «Gouvernementalitätsstudien» zunächst in Amerika bekannt gewordenen Ansätze von den Gender-Studies kaum zur Kenntnis genommen. Foucault prägte den Begriff Gouvernementalität im Zusammenhang mit einer grundlegenden Erweiterung seiner Machtanalytik, wie er sie ab Ende der siebziger Jahre in seinen Vorlesungen zu entwickeln begann. Zwar ist es richtig, dass auch er zunächst, um die von ihm so bezeichnete «Produktivität der Macht» zu erfassen, der Vorstellung reiner Repressivität jene «Disziplinarmacht» gegenüberstellte, von der sich die Gender-Studies im Wesentlichen inspirieren liessen. Doch führte ihn seine Beschäftigung mit dem Liberalismus zur Überzeugung, dass die Machttechnologien spätkapitalistischer Gesellschaften gerade nicht mehr über klare Vorgaben operieren. In seiner dritten und letzten Schaffensperiode konzentriert sich Foucault stattdessen auf das, was er nun das Regierungshandeln nennt: eine Weise der Führung der Menschen, die diese nicht primär zwingt oder einschränkt, sondern die deren Freiheit zu ihrer wichtigsten Ressource nimmt.

«Im Rahmen neoliberaler Gouvernementalität», schreibt Thomas Lemke, «signalisieren Selbstbestimmung, Verantwortung und Wahlfreiheit nicht die Grenzen des Regierungshandelns, sondern sind selbst ein Instrument und Vehikel, um das Verhältnis der Subjekte zu sich selbst und zu den andern zu verändern.» Lemke, einer der ersten Gouvernementalitätstheoretiker des deutschsprachigen Raumes, weist deshalb zu Recht darauf hin, dass Foucaults Konzentration auf Fragen des Subjekts in diesem Zusammenhang zu sehen und nicht etwa, wie oft behauptet, einem neu erwachenden Interesse an Ethik zuzuschreiben ist: Anstatt die «Machtverhältnisse» von den «Herrschaftstechniken» aus zu betrachten, wollte Foucault diese nun ausgehend von dem untersuchen, was er jetzt die «Selbsttechniken» nennt: «Man muss die Punkte analysieren», schreibt er, «an denen die Herrschaftstechniken über Individuen sich der Prozesse bedienen, in denen das Individuum auf sich selbst einwirkt. Und umgekehrt muss man jene Punkte betrachten, in denen die Selbsttechnologien in Zwangs- oder Herrschaftsstrukturen integriert werden. Der Kontaktpunkt, an dem die Form der Lenkung der Individuen durch andere mit der Weise ihrer Selbstführung verkoppelt ist, kann nach meiner Auffassung Regierung genannt werden.»

Regierung als Führen der Führungen: Mit diesem Doppelsinn des Wortes Regieren als Anführen und Sichverhalten zugleich hat Foucault also eine Machtform vor Augen, deren Subjektivierungsweise nicht auf klar fassbare Identitäten abstellt, sondern umgekehrt die Menschen gerade dazu befähigen will, sich in einem offenen Feld von Möglichkeiten stets neu und anders zu verhalten. Nicht die Anpassung oder Normierung, sondern die Verführung durch einen in Aussicht gestellten Raum unendlicher Möglichkeiten scheint hier das machtintegrierende Moment zu sein. Es lässt die Menschen die Anpassung an fortwährend drohende Gefahren als Herausforderung, die Zumutung beständiger Selbstmodulation als Selbstverwirklichung erfahren. Eine Verführung durch den Plural und eine Machttechnologie, die weitgehende Akzeptanz zu schaffen vermag: Läge es nicht näher, wenn schon, nicht die Norm, sondern allenfalls deren Kontingenz, deren Diffusität und Offenheit als das zu betrachten, was uns heute zu schaffen macht? Denn wenn, wie Foucault zu Recht vermutet, die Rationalität moderner Machtstrukturen auf der Gleichzeitigkeit von Individualisierungs- und Totalisierungsverfahren beruht, wenn mit andern Worten gerade das Individuelle machtintegrierend wirkt, dann ist die Kritik an normativen Zuschreibungen ein ebenso ohnmächtiges Instrument wie die im Namen der Individualität erhobene Forderung nach unendlicher Pluralisierung, zum Beispiel geschlechtlicher Identitäten.

Neoliberaler Karneval der Identitäten

Es stellt sich deshalb überhaupt die Frage, ob das dem Gender-Ansatz eigene Verständnis von Identitätskritik - die Konzentration auf die dem Bewusstsein zugänglichen Verhaltens- oder Erscheinungsweisen, auf Zuschreibungen und Bilder - nicht einen ganzen Bereich ausblendet, den die Psychoanalyse das unbewusste Begehren nennt. Aus psychoanalytischer Perspektive nämlich hat Macht über uns nicht so sehr das, was uns sichtbar einschränkt, sondern das, was unsere unsichtbaren Wünsche und Begehrlichkeiten zu formen vermag. Und dieser Bereich wird nicht notwendig von Veränderungen auf der Ebene der Normativität berührt, und die Aufhebung bewusst erlebter Einschränkungen vermag hier oft wenig zu bewirken. Es scheint, als folge die Gender-Theorie mit ihrer Kritik an normativen Repräsentanzen Butler in ihrem schwächsten Punkt. Denn psychoanalytisch gesehen, befindet sie sich damit auf der Ebene des Imaginären, der Wunschbilder also, auf der sich eben sehr viel ändern kann, ohne dass dies auch nur den geringsten Einfluss auf unsere unbewussten Einbindungen und Verstrickungen hätte. Das Unbewusste ist nicht einfach eine Kopie normativer Vorlagen, auf die Butler das Begehren letztlich auch in ihren jüngsten Werken reduziert. Es mag sich nämlich an den offen zutage tretenden Identitäten und Verhaltensweisen alles Mögliche wandeln - die heimlichen Vorlieben, jene privilegierten Orte, die in meinem Empfinden mir einzig Wert und Anerkennung zu geben vermögen, bleiben davon weitgehend unberührt. Und erst recht scheint die gesellschaftliche Organisation bestimmter Zuständigkeiten sich um solche Veränderungen nicht gross zu kümmern: Die Vielfalt der - sich teilweise geradezu ausschliessenden - Bilder von der «guten Mutter» beispielsweise, die nur schon die letzten hundertfünfzig Jahre uns bescherten, ohne dass sich Wesentliches an ihrer alleinigen Zuständigkeit für die Kinderpflege geändert hätte, lässt an der Relevanz von Bildern zweifeln. Doch allenfalls erhellt sich daraus die Attraktivität des Konzepts von Gender: Wäre es die Hoffnung, als Norm möge sich das Geschlechterverhältnis doch noch als handhabbar erweisen? Doch offensichtlich ist dies eine Unterschätzung der Mechanismen, die hier am Werke sind.

Anstatt deshalb am neoliberalen Karneval der Identitäten teilzunehmen, täten die Gender-Studies besser daran, auf das diesem Treiben zugrunde liegende Subjektkonzept zu achten. Hier nämlich setzt sich kaum verhohlen ein altes Allmachtsideal durch, für dessen «Abfall» traditionellerweise schon immer Frauen zuständig waren: Sie sind es, die heute die Reste der flexibilisierten Familie zusammenhalten und die globalisierten Kinder trösten, wenn diese nach dem zehnten Umzug die Sprache im neuen Kindergarten wieder nicht verstehen. Und sie waren es schon immer, die in einer zunehmend ungastlichen Welt für den sozialen Kitt und oft auch schlicht fürs blanke Überleben sorgten. Dass sich das Leben in dieser Weise deregulieren lasse, ist eine Allmachtsphantasie; aber die Kosten, die bei der Aufrechterhaltung dieses Phantasmas von der totalen Verfügbarkeit - diesem Autonomieideal mit seiner Verleugnung und Verachtung von Abhängigkeit, Bezogenheit und Verletzbarkeit - anfallen, diese Kosten werden nicht von beiden Geschlechtern gleichermassen getragen. Und diese Asymmetrie verwischt die Rede vom sozialen Konstrukt, die beide Geschlechter gleichermassen adressiert.

Für eine Kritik dieses abendländischen Subjektmodells, dessen Geschlechterasymmetrie allen Unkenrufen zum Trotz Bestand hat, genügt die Beschwörung der «sexuellen Differenz» als der «unabschliessbaren Frage» schlechthin, wie die Philosophin Astrid Deuber-Mankowsky, Philosophin und Kulturwissenschaftlerin, in Anlehnung an Butler uns nahe legt, nicht. Das ist nicht Sand ins Getriebe des Patriarchats, sondern Sand in die Augen der letzten noch verbleibenden Feministinnen gestreut. Sind die noch zeitgemäss, fragt Andrea Maihofer. Vielleicht sind sie das nicht - im besten Sinne.


Dank an Gaby Baldinger für die Mitarbeit an diesem Text.





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