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Nestlé

Brabeck will reden

Von Elvira Wiegers

Ein Tribunal zeigt Wirkung: «Wir haben Kontakt mit Nestlé aufgenommen, um die gravierenden Vorwürfe gegen den Konzern zu prüfen», sagt Hans-Jürg Fehr, Parteichef der SP Schweiz. Diese waren von der Organisation Multiwatch (www.multiwatch.ch) erhoben und an einem symbolischen Tribunal thematisiert worden, das vergangenes Wochenende in Bern stattfand (siehe WOZ Nr. 43/05). Laut Fehr wollte die SP «im O-Ton die Sicht Nestlés hören». Es sei ein interessantes Gespräch gewesen, sagt Fehr. Mehr will er nicht verraten, ausser dass Nestlé-Chef Peter Brabeck sich auch zu einem Gespräch mit Multiwatch bereit erklärt habe. Der neue SP-Generalsekretär Thomas Christen hat das Angebot an die im Frühling gegründete Organisation weitergereicht. «Ja, wir haben das Angebot erhalten, aber noch keine Entscheidung über das weitere Vorgehen getroffen», bestätigt Multiwatch-Mitglied Stephan Suhner.

Unrechtmässige Entlassungen, Zerschlagung der Gewerkschaftsbewegung, Gewässerverschmutzung, Gefährdung der kolumbianischen Bevölkerung durch abgelaufene Produkte - die Liste der von der Gewerkschaft Sinaltrainal in Kolumbien dokumentierten Vergehen von Nestlé ist lang. Während acht Stunden präsentierte der Anwalt von Sinaltrainal an der Anhörung Fakten zu verschiedenen Vorkommnissen in den Nestlé-Fabriken und überreichte dem fünfköpfigen Rat des Tribunals stapelweise Beweismaterial. Entlassene Gewerkschafter aus Kolumbien schilderten ihre prekäre Lage, erzählten von ermordeten Gewerkschaftskollegen und ihrer eigenen konkreten Bedrohung durch Paramilitärs. Etwa 200 Personen nahmen an der Anhörung teil, zu der die OrganisatorInnen auch Nestlé eingeladen hatten. Doch der Multi lehnte eine Teilnahme ab und wollte auch gegenüber der WOZ keine Stellung beziehen.

Ein fünfköpfiger Rat - bestehend aus dem brasilianischen Bischof Tomas Balduino, der Philosophin Carola Meier-Seethaler, der grünen Nationalrätin Anne-Cathérine Menétray-Savary, dem Genfer Anwalt Rudolf Schaller und dem SP-Nationalrat Carlo Sommaruga - gab am Ende der Veranstaltung eine abschliessende Stellungnahme ab, in der er Nestlés Geschäftspraktiken verurteilt. Diese seien unakzeptabel für einen Multi, der einen guten Ruf und das Vertrauen der KonsumentInnen geniesse. «Es müssen auf nationaler und internationaler Ebene Schritte unternommen werden, um Nestlé dazu zu zwingen, die Rechte der Gewerkschaften zu respektieren.» Der Rat empfiehlt der Klägerin, sich mit den Fällen an die Internationale Arbeitsorganisation zu wenden, und fordert die Schweizer Behörden auf, sich mit der Angelegenheit zu befassen.

Multiwatch gehören prominente Schweizer NGO, Hilfswerke, Gewerkschaften und Parteien an. Ziel von Multiwatch ist, den Grosskonzernen auf die Finger zu schauen und Gesetzesverstösse und unethisches Verhalten an die Öffentlichkeit zu bringen. Doch wie kommt es, dass die SP Multiwatch zwar unterstützt, aber nicht offiziell Mitglied ist? Parteichef Hans-Jürg Fehr: «Grundsätzlich sympathisieren wir mit Multiwatch, aber wir wollten eine gewisse Distanz wahren, weil uns die Art der Veranstaltung - das Tribunal - nicht überzeugt hat.» Laut Fehr sollte Multiwatch «Veranstaltungsformen pflegen, die Gespräche nicht verbauen, sondern ermöglichen». Man habe auch gewisse Vorwürfe gegenüber Nestlé für unfundiert gehalten - etwa dass der Konzern an der Ermordung der Gewerkschafter durch Paramilitärs mit beteiligt war. «Mit solchen Vorwürfen wollten wir nicht in Zusammenhang gebracht werden», sagt Fehr.

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