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Soukous, Kathak und Bachata

Salsa helvetica

Von Fredi Bosshard

Einem Buch den Titel «Soukous, Kathak und Bachata» zu geben, ist ganz schön gewagt - aber es klingt gut und macht neugierig. Die drei Begriffe stehen für die drei Erdteile, mit denen sich Kultur und Entwicklung, die Dokumentations- und Vermittlungsstelle für Kunst und Kultur aus Afrika, Asien und Lateinamerika, seit zwanzig Jahren beschäftigt. Die Kulturstelle wurde 1984 von den Hilfswerken Brot für alle, Fastenopfer, Heks, Swissaid und Terre des hommes gegründet und erhält zusätzliche Unterstützung von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) und der Pro Helvetia.

Das Buch dokumentiert die Arbeit der vergangenen Jahre, lässt MusikerInnen und TänzerInnen aus den drei Erdteilen, die es auf verschlungenen Wegen in die Schweiz verschlagen hat - erstaunlich oft war es die Liebe -, in Interviews zu Wort kommen. Das Einbürgerungstrauma wird aber auch immer wieder angesprochen, denn erst der Schweizer Pass legitimiert zur Teilnahme am öffentlichen politischen Leben. Die Gespräche mit den Kulturschaffenden, die Texte von Journalisten und Ethnologinnen vermitteln aus unterschiedlichen Perspektiven vertiefend oder beschreibend Einsichten, die oft etwas im Verborgenen liegen oder an denen man bisher achtlos vorbeigegangen ist.

Hier singt niemand

Man schlendert mit Hans Keller durch das Zürcher Langstrassen-Quartier und erfährt en passant, dass man in der «Rösti-Bar» authentische Küche aus der Dominikanischen Republik geniessen kann und «Bachata» mehr bedeutet als ein musikalisches Genre. Samir Essahbi aus Marokko erzählt von seiner Zusammenarbeit mit dem Rapper Greis und wie ihr gemeinsamer Videoclip «Dounia» in seiner alten Heimat unter die Top Ten geraten ist. «Hier wird nur wenig getanzt - und wenig gesungen. Wenn ich vorschlage, etwas zu singen, kann praktisch niemand ein ganzes Lied singen», stellt die argentinische Musikerin Sonia Levitán fest.

Ein Kapitel, mit «Anpassung und Eigensinn» überschrieben, gibt Beispiele aus dem Leben zwischen den Kulturen und zeigt, wie daraus Neues entstehen kann, ohne dass dabei Tradition und Herkunft verleugnet werden müssen. TrägerInnen der Tradition haben ihren Platz genauso wie diejenigen, die die Synthese suchen. Kultur und Entwicklung ist eine Anlaufstelle, die Kontakte vermittelt, vernetzt, den interkulturellen Dialog und den gegenseitigen Respekt fördert. Die Fachstelle hat einige wenige Projekte selbst initiiert, sieht dies aber nicht als ihre Hauptaufgabe, sondern nur als punktuellen Input. Nebst technischer und inhaltlicher Betreuung und Kontakten zu Agenturen bietet sie den Kulturschaffenden eine unentgeltliche Veranstaltungsagenda an.

Damit wieder gesungen wird

Das Buch kann auch als Nachschlagewerk mit Diskografie und entsprechenden Links genutzt werden. Man erfährt, in welchen Städten indischer Tanz - zum Beispiel Kathak - gelehrt wird und in welchen Clubs zur populären Musik des Kongos - Soukous - getanzt werden kann. Das Buch und die Realität zeigen, dass die Entwicklung an den Rändern und entlang den Schnittstellen schon immer etwas spannender war als der Mainstream im Zentrum. Die beigelegte CD ergänzt die Texte mit der passenden Musik. Die fünfzehn Beispiele reichen von der traditionellen Musik des China Trios über den Cuban Latin Jazz von Toni Martinez bis zur Interpretation eines Liedes der Tupi-Guaraní aus dem paraguayischen Amazonasgebiet durch Jorge Lopez Palacio und Sylvie Blasco.

Damit in der Schweiz wieder etwas mehr getanzt und gesungen wird - und das nicht nur in «vier Sprachen» -, dafür arbeitet Kultur und Entwicklung. Deshalb: Gehen Sie am Wochenende und stimmen Sie für die beiden Einbürgerungsvorlagen, damit diese Vielfalt der kulturellen Formen auch weiterhin das Leben in der Schweiz bereichert.


TopTop

«Soukous, Kathak und Bachata»

Abbühl, Mauro / Bürgi, Chudi / Kopse, Dagmar

Limmat Verlag. Zürich 2004

278 S. Fotos: Driss Manchoube. Musik auf CD. 42 Franken