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Ingvar Ambjörnsen

Lieb mich morgen

Rezensiert von Christian Schuldt

Elling, die Vierte: In seinem neuen Roman «Lieb mich morgen» hat der norwegische Schriftsteller Ingvar Ambjörnsen den kauzigen Charakter erneut zum Titelhelden erkoren. Dazu hat Ambjörnsen, der in seiner Heimat eine Art Literatur-Superstar ist und seit fünfzehn Jahren die Anonymität in seiner Wahlheimat Hamburg schätzt, allen Grund. Denn Elling ist eine liebenswerte Nervensäge: selbstironisch und snobistisch, klug und querulatorisch, gutmütig und verschlagen zugleich. Handelten die vorigen Elling-Abenteuer von seinen erotischen Passionen für die norwegische Ministerpräsidentin oder abstrusen Irrenhauserlebnissen, entdeckt Elling nun die Liebe: «Ich brauchte eine Frau!» Heimlich, aber heftig verliebt sich der notorische Einzelgänger in die Würstchenverkäuferin Lone. Bevor es aber zur ersten Kontaktaufnahme kommt, muss Elling noch das angeknackste Familienglück seines Ex-Klapsmühlenkumpans Kjell Bjarne kitten. Anfangs plätschert die Geschichte etwas unentschlossen dahin, und einzig die regen Reflexionen des Erzählers halten bei der Stange. Denn in der Welt, wie Elling sie sieht, ist nichts zu nichtig, um nicht Gegenstand einer spontanen Abhandlung zu werden. Weil der Hobby-Chaostheoretiker weiss, dass «Bagatellen im Grunde alles andere als bagatellmässig» sind, übt er sich etwa als Existenzialist der Exkremente: «Es war mir unvorstellbar, dass Madonna oder zum Beispiel Cher jeden Tag gekrümmt in ihrem eigenen Gestank hockten. Das war ganz einfach wider die Natur. Und dennoch: So brutal ist das Menschenleben.» Zwar variiert die Witzigkeit von Ellings Suaden, und am Ende wirkt manches ungereimt - etwa wenn der sympathische Sozialfall plötzlich zum fiesen Höschenschnüffler mutiert und angedeutet wird, Elling könne eine Serienkillerkarriere starten. Doch oft genug gelingt Ambjörnsen ein erzählerischer Spagat, der das Lesen lohnt: zwischen Klamauk und Poesie, Ironie und Melancholie bleibt «am Ende … nur noch die Darmtätigkeit».

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«Lieb mich morgen»

Ambjörnsen, Ingvar

Fretz & Wasmuth. Bern 2000

287 Seiten. Fr. 36.90