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Endo Anaconda

Hasentexte

Rezensiert von Stephan Ramming

Es ist hinlänglich und ganz zu Recht Allgemeingut: Endo Anacondas Texte sind etwas vom Allerbesten, was das hiesige Kunstschaffen zu bieten hat. Begegnet man nun aber den versammelten Lyric-Preziosen von Stiller Has im Band «Hasentexte», ist es, als wäre der alte Freund beim Rendez-vous nackt eingetroffen. Man verharrt in betretenem Schweigen. Die Nacktheit des alten Freundes, der «Hasentexte» also, schwarz auf weiss gedruckt und zwischen Buchdeckel geklemmt, berührt peinlich. Die Kleider, die Musik fehlen, der alte Freund war viel schöner mit Jacke und Hose. Die «Hasentexte», so wird einem bewusst, entfalten ihre Grösse, ihren Glanz, buchstäblich ihren Klangkörper erst in und durch Anacondas Leib. Anacondas einzigartige Körperlichkeit des Singens war immer mehr als Interpretation, Timbre, Charakter, Atmosphäre, nämlich als genuiner Bestandteil untrennlich mit den wie auch immer «bedeutungstragenden» Teilen seiner Sprache verquickt. So wird die fortschreitende Lektüre der hundertfünfzig Seiten zunehmend zu einem Gedächtnistraining - zur Mangelerfahrung also. Erlösung böte nur das Auflegen der Hasen-Platten. Zwar sind die vielen Hasen-Fotos von Francesca Pfeffer selbstredend schön, die flapsigen Liner-Notes von Urban Gwerder dagegen sowie die hochdeutschen Paraphrasen der Songtexte erweisen sich mit Verlaub als forcierte Dummdreistigkeiten. Beispiele möchte ich mir an dieser Stelle ersparen. Dem Has selber aber gehört wieder das Fell über die Ohren gezogen, raus aus dem Bücher-Stall, auf die Bühne und ins Aufnahmestudio. Bücher-Stille behagt ihm nicht, der Has muss rammeln, die Löffel stellen, hoppeln, der Aare entlang, nach Houston und weiter bis ins All. Hallo All-Hasi, hörst du mich?

TopTop

«Hasentexte»

Anaconda, Endo

Limmat Verlag. Zürich 1999

150 Seiten. 32 Franken