Hundchen im Heu

Von Suzanne Zahnd

Das war eine triste Medienwoche! Immer dieselben Krisenherde, seit Jahren. Was sag ich: Jahrzehnten! Dazu überall und immer mehr Faits divers und Promis. Es beschleicht einen ein Überdruss, und man ist immer öfter geneigt, gleich zu Trash-Blättern zu greifen, da weiss man wenigstens, was einen erwartet. So denkt man. Aber nichts ist mehr, was es mal war. «Gala» etwa, das heimliche Leib- und Magenblatt der gesamten Damenwelt, bringt heutzutage seitenweise Modestrecken, dabei wollten wir doch bloss wissen, wer in Hollywood gerade mit wem.

Dabei wird natürlich Partei ergriffen und eine Schadenfreude gehegt, die man sich bei echten Menschen versagt. Meine persönlich lichteste Stunde war, als Brad Pitt sich für Angelina Jolie entschieden hatte und gegen diese Wie-hiess-sie-noch-mal-Blondine austauschte. Subli­mation at its best! Aber eben: nur noch Mode und verbürger­lichte Königs­häuser.

«Facts» ist auch schwierig. Da liest man über die Ehefrau von Monsieur le Président. Die hat sich offenbar irgendwie entmaterialisiert, was aber erst auffiel, als sie sich nicht neben Sarkozy in Siegerposen ablichten liess. Nicht etwa, weil sie seit Wochen aus den Büros verschwunden war, in denen sie als Beraterin wohl ihren Anteil am Durchmarsch des Gatten geleistet hatte. Überhaupt. Der Beruf «Freundin» oder «Ehefrau» scheint eine Renaissance zu feiern. Als Freundin hat man noch eine Art Namen, etwa «Kahn-Freundin Verena Kehrt», im Ehestand ist man dann nur noch «Helmut Karasek mit Ehefrau Armgard». Da wundert sich natürlich niemand, dass die «Weltwoche» verschämt, aber unterschwellig ganz angetan die Rückkehr der «Polyamorie» (früher: Polygamie) prognostiziert.

Die Frage, wie das Blatt dies mit seiner Haltung gegenüber dem Islam vereinbaren will, lässt auf brisantere Artikel hoffen.

Es verhält sich ein wenig so wie das mit der Rütlifeier. Die Exponenten unserer besten Unterhaltungspartei geifern allenthalben gegen unsere mythische Wiese. Derweil singt die von Christoph Mörgeli (wenn man es denn so lesen will) als Kuhfladen bezeichnete potenzielle Festrednerin Micheline Calmy-Rey im welschen TV. Playback.

Judith Halberstam weckte im Rahmen der Veranstaltungsreihe «F-World» in der Roten Fabrik in Zürich immerhin Hoffnung in Sachen Genderfragen. Aber in den Zeitungsbesprechungen des Vortrags wird nur darauf Bezug genommen, dass sie zu diesem Zweck den Zeichentrickfilm «Shrek» analysierte. Und lustig: Da verliebt sich zum Beispiel ein Esel ganz freiheitlich in einen Drachen. Was ist denn eigentlich mit dem Geschlechterkampf? Gibts den auch nicht mehr, so in der Art, wie es dem Klassenkampf erging? Ich fang erst mal ein Verhältnis mit meiner Zimmerpflanze an. Kommt Zeit, kommt Rat. Und am Samstag das «Magazin».

Ebendort breiten seit vielen Monaten Mittdreissiger ihre mannigfaltigen Ängs­te aus. Angst vor Kinderlosigkeit, Angst vor Vaterschaft, vor Frauen über fünfzig, vor Terroranschlägen, Amokläufern und insbesondere Angst, den neusten Trend verschlafen zu haben. Eine renommier­te Psychiaterin, die neulich ein wenig aus dem Nähkästchen plauderte, verriet mir, dass sie in der Klinik immer mehr Männer wegen «Hysterie» zu behandeln hätte, wo dies doch das klassischste aller Frauen-Kranheitsbilder sei. Das fällt mir jetzt immer ein, wenn ich das «Magazin» lese. Dann ist es gar nicht mehr so schlimm.

Solange es den «Blick» und den jährlich erscheinenden Bauernkalender noch gibt, darf der Hysteriker ohnehin davon ausgehen, dass er an der Klinik vorbeischlittern wird, und vielleicht könnte er jetzt einfach Vater werden und den Rand halten, so wie viele Millionen vor ihm. Im Bauernkalender nämlich ist die Welt noch in Ordnung und eindeutig weibliche Nackedeis schmusen Hundchen und Ferkelchen im Heu ab. Der Clou: Das sind dieses Jahr keine Models, sondern echte Bäuerinnen mit zwei Titten und einem Mann.



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