Nr. 07/2015 vom 12.02.2015

Reden über Versuchsmäuse

Von Susan Boos

Sie irritieren, die TierversuchsgegnerInnen – weil sie es lieben, Fotos gequälter Kreaturen zu zeigen, weil sie radikal sind und man nie weiss, wo sie politisch stehen. Nun hat die Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner (AG STG), unterstützt von anderen Tierschutzorganisationen sowie von den Grünen und der Alternativen Linken, das Referendum gegen ein neues Labor der Universität Bern ergriffen. Das Kantonsparlament sprach Anfang Jahr für das Projekt einen Kredit von über 140 Millionen Franken.

Die TierschützerInnen kritisieren, dass in drei unterirdischen Etagen des neuen Labors auf 3000 Quadratmetern Versuchstiere gezüchtet werden sollen. Schon heute setze die Uni Bern jährlich 40 000 Versuchstiere ein, mit dem Neubau käme es zu einer massiven Zunahme.

Im Kantonsparlament hielt man dagegen, die Tierversuchsdebatte habe nichts mit dem Projekt zu tun: Es wäre, wie wenn man den Bau eines neuen Schulhauses verhindere, weil man gegen den Lehrplan 21 sei. – Schönes Bild, aber falsch. Über die Schulpolitik wird öffentlich viel debattiert, die Tierversuche finden hingegen im toten Winkel statt.

In der Schweiz gibt es etwa 600 000 Versuchstiere. Ihr Leben ist nicht schön. Eine Maus darf sich auf 0,006 Quadratmetern bewegen – das sind zehn mal sechs Zentimeter. Alles ist steril, es gibt kein Tageslicht und keine Beschäftigung für die geduldigen Biester. Der Schweizer Tierschutz kämpft nicht gegen Tierversuche, vertritt aber die Meinung: Wenn schon Versuche, dann «sollen die Tiere wenigstens so artgerecht wie möglich gehalten und nicht durch artwidrige Haltung zusätzlich belastet und krank gemacht werden». – Das verfälscht ja auch die Forschungsresultate, würde man meinen. – «Doch die Versuchstierhaltung in der Schweiz ist häufig weit davon entfernt», konstatiert der Tierschutz.

Je tiergerechter, desto teurer würden das Neubauprojekt und die Versuche. Über all dies wird man in Bern nun reden können. Und auch über die Grundsatzfrage: Braucht der Kanton, der an allen Ecken und Enden spart, dieses teure Projekt wirklich? Ginge es nicht schlanker, klüger, tierversuchsfreier?

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