Nr. 09/2015 vom 26.02.2015

Zum Totlachen

Von Karin HoffstenMail an Autor:in

Inzwischen ist die Fasnacht vorbei, und die Dinge sind wieder das, was sie sind. Sollten Sie also auf der Strasse einer Menschenmenge begegnen, die hinter einem orthodox gekleideten Juden herläuft, handelt es sich möglicherweise wirklich um ein Pogrom, und Sie dürfen einschreiten.

Das Foto vom sogenannten Fasnachtsscherz der Luzerner Fussballfans hat schweizweit die Runde gemacht, der Staatsanwalt sucht jetzt nach dessen Botschaft, und der FC Luzern hat dem Fotografen bis auf weiteres das Fotografieren verboten.

Doch der unsägliche Vorgang hat nur am Rand mit Fussball zu tun. Auch in fussballfernen Kreisen wurde die grauenhafte Symbolik dieses Marschs nicht gross realisiert und das Ganze als Narretei abgetan; manch einer bemühte gar die Freiheit der Satire. Hier offenbart sich ein schockierender Mangel an politischer und historischer Bildung, dem mit Strafandrohung allein nicht beizukommen ist.

Die ach so reichhaltige Geschichte böte ja noch jede Menge Stoff für Fasnachtsmotive: Umzüge mit Ku-Klux-Klan-Hauben, begleitet von «Gehenkten» mit Blackface, kahl geschorene Frauen, die auf Schildern das Wort «Schlampe» um den Hals tragen, oder – um im Land zu bleiben – ein paar verlumpte Verdingkinder, die Konfetti werfen.

Bildung ist nicht alles. Aber ohne ein ganz kleines bisschen Bildung ist alles nichts.

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