Nr. 22/2016 vom 02.06.2016

Das freche Teufelchen aus dem Bundeshaus

Von Florian Keller

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen AC/DC und der CVP? Beide haben ja ein grosses C im Namen, die australischen Hardrocker haben sogar zwei davon. Der Unterschied aber ist, dass man bei AC/DC immer noch genau weiss, wofür es steht, das C.

Abgesehen davon ist es mit Christus wie mit jeder Rockband auch: Beide können sich ihre Fans nicht aussuchen. AC/DC konnten zum Beispiel nie etwas dafür, dass Roger Köppel, seines Zeichens Chefredaktor der SVP, in ihren musikalischen Werken Inspiration und geistigen Trost findet. Wie weit er es damit schon gebracht hat, war am Sonntag auch beim Konzert von AC/DC in Bern zu sehen, wo sich Bundesrätin Doris Leuthard (CVP) als leibhaftiges «Weltwoche»-Cover fotografieren liess. Zusammen mit FDP-Ständerat Philipp Müller posierte die Magistratin dort mit lustigen roten Teufelshörnchen auf dem Kopf, dem Markenzeichen der Band. Bislang war es ja so, dass die «Weltwoche» regelmässig einen beträchtlichen grafischen Aufwand betreiben musste, um die Zielpersonen ihrer Kampagnen auf dem Cover lächerlich zu machen – jetzt übernehmen die das schon selber.

Den Zürcher EDU-Kantonsrat aber, der sich auf Twitter über solch «Satans-verherrlichendes» Treiben der Bundesrätin empörte, können wir an dieser Stelle beruhigen: Die Nummer mit den Hörnchen war wirklich nichts weiter als eine peinliche Pose, die freche Frau Leuthard identifiziert sich kein bisschen mit Rock ’n’ Roll, schon gar nicht mit seinen diabolischen Ausprägungen. Vom Motiv her besonders stimmig und richtig Rock ’n’ Roll wärs ja gewesen, wenn sie die Teufelshörnchen drei Tage später nochmals getragen hätte, als Verkehrsministerin an der offiziellen Eröffnungsfeier des neuen Gotthardbasistunnels. Sie wissen schon: Teufelsbrücke, «Highway to Hell» und so. Schliesslich hätten AC/DC ja sogar die passende Hymne für die Einweihung auf Lager: «Deep in the Hole».

Der Vollständigkeit halber: Roger Köppel ist nicht nur Chefredaktor der SVP, sondern auch deren Verleger.

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