Nr. 07/2018 vom 15.02.2018

Köpfe müssen rollen

Ruedi Widmer über Gehirnerschütterungen und Neutralität

Von Ruedi Widmer

Ich bin beim Skifahren gestürzt und hatte eine Gehirnerschütterung, darf aber meinen Kopf und meine bescheidene Tätigkeit als Skifahrer behalten. Es gab zum Glück kein Köpferollen.

Köpfe rollen nämlich. Derjenige der Postchefin Susanne Ruoff soll es und der des SRG-Chefs Rudolf Matter (noch Herr über siebzig Prozent linke JournalistInnen) ohnehin, egal ob «No Billag» kommt oder nicht. Die Zürcher Stadträtin Claudia Nielsen (SP) hat ihren Kopf nur noch, weil sie das Rollen des Kopfes durch Rücktritt verhindern konnte. Wer einen Fehler macht oder sonst wie nicht mehr erwünscht ist, muss sofort den Kopf hergeben. Dieses talibanistische, twittereske Guillotinedenken ist auch bei uns angekommen. Der Kopf von D. Trump (USA) wird täglich gefordert. Doch was will man damit eigentlich tun? Gut, bei Trump seinem könnte man das mit den komischen Haaren mal genau anschauen. Und der von SPD-Altpolitiker Martin Schulz wertet sicher das Ortsmuseum Würselen auf. Aber sonst?

Rollen eigentlich auch Köpfe bei der SVP, wenn «No Billag» scheitert? Hat die SVP ihren Auftrag erfüllt? Wenn nicht, wer muss den Kopf hergeben? Natalie Rickli? Oder gar Roger Köppel? Muss dieser zur Strafe zur SRG wechseln, um den Anteil der Rechten in der Redaktion zu erhöhen? Er alleine würde ihn schon auf fünfzig Prozent bringen. Ähnlich wie es bei der SRG endlich fünfzig Prozent «Breitbart»-JournalistInnen braucht, benötigt das VBS fünfzig Prozent Linke, damit die Armee endlich den Bundesverfassungsaufrag erfüllt und neutral ist (kein Krieg). Hätte die Geheimarmee P-26 mehr Linke in ihren Reihen gehabt, wäre die Organisation erstens gar nicht nötig gewesen, und zweitens wären die geheimen Akten dazu nicht verschwunden, sondern der SRF-Sendung «Rundschau» (S. Brotz) zugespielt worden.

Braucht es auch mehr Linke in der SVP, um ihre Akzeptanz in der Mitte oder sogar links zu erhöhen? Immerhin ist sie ein nationales Heiligtum und die einzige Partei, die dem Volk dient. Und das Volk ist bei weitem nicht nur rechts. Tamara Funiciello hätte sicher den Popappeal für die SVP; der Name Geri Müller fällt; Alain Berset wird bis in die Herrliberger Innenstadt gelobt. Selbst die im Internet meistgehatete Linke, Simonetta Sommaruga, würde sich in der Partei wohlfühlen. Die SVP hat schliesslich dank Magdalena Martullo-Blocher 293 Millionen vorwärtsgemacht; da könnte Sommaruga wieder mal so richtig ungehemmt Geld aus dem Fenster werfen. Das ist ja «das Einzige, was sie kann» (Originalton Internet).

Welche rechten Winnertypen könnten umgekehrt die in Deutschland oder der Stadt Zürich komplett gehirnerschüttert agierenden SozialdemokratInnen aus ihrer postmao- und postmasochistischen Lähmung in die Neutralität führen? Gemütliche Bauernvertreter? Oder eher der Juso-artige Claudio Zanetti? Oder würde Thomas Aeschi mit seinen K.-o.-Tropfen der sozialistischen Drögelerpartei guttun? Die Unterschiede zwischen den verschiedenen Denkrichtungen wären aber selbst dann noch sehr gross. Es braucht Jahre, bis überall die totale Neutralität erreicht ist. Während Bürgerliche die Olympischen Spiele in Südkorea schauen, gucken Grüne Dschungelcamp, weil damit der Regenwald geschützt wird. Die SozialdemokratInnen schauen Olympische Spiele nur, wenn sie in Nordkorea stattfinden.

Elon Musk (SpaceX) schoss mit seiner neuen Rakete voll egomässig nur seinen Tesla auf den Mars; Renault, Mercedes, Subaru und viele weitere Automarken waren ihm herzlich egal. Eine Neutralitätsniete sondergleichen.

Die Ausgewogenheit auf die Spitze treibt Roger Köppel. So findet er in einem Anti-SRG-«Staatssender»-Aufsatz in der «Schweizerzeit» Joseph Goebbels schlecht («Denken Sie an den ‹Volksempfänger› von Propagandaminister Goebbels»), lobt aber in der «Weltwoche» NS-Kriegsverbrecher Hermann Göring («Er war weder Monster noch Teufel»). Extremer kann man nicht neutral sein.

Ruedi Widmers Kopf ist in Winterthur.

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