Nr. 12/2021 vom 25.03.2021

Jeder Mensch ein Freund

Von Steffen Kolberg

«Beton ist ein schweres Thema», bemerkt PeterLicht im gleichnamigen Song seines neuen Albums, «schwer zu sagen» ist sein knappes Fazit. Das Stück sticht mit seinem rotzigen Gitarrenriff heraus auf «Beton und Ibuprofen», einem insgesamt besonders zart und melancholisch geratenen Werk. Das liegt am anderen schweren Thema, über das PeterLicht auf diesem Album besonders viel sagt: der psychischen Gesundheit. Um Melancholie, Depression und die feinen Abstufungen dazwischen ging es schon immer bei dem Kölner Musiker und Autor – oft versteckt in ironischen Betrachtungen unseres durchkapitalisierten Lebens, wenn er etwa dazu aufforderte, das iPhone zu vergraben. Manchmal, wie im Titelstück des Albums «Das Ende der Beschwerde» (2011), auch sehr offen in seiner Verzweiflung über die Welt: «Wenn ich nur wüsste, welches Leben ich ändern müsste und welches besser nicht.»

Die bissige Gesellschaftskritik ist seither mehr zum Beiwerk emotionaler Zustandsbeschreibungen geworden. Und PeterLichts Wortwitz wandelte sich vom brachialen Werkzeug zu einem zarten Schmuck, den er seinen Liedern anhängt: «Wenn du kein Zuhause hast, fahr besser nicht hin, denn wenn du hinfährst, dann wirst du trauriger», heisst es dann im Eingangsstück des neuen Albums. Und im schmerzhaft schönen Prosastück «Lost Lost Lost World» fehlt der Witz sogar ganz: «Ich kam mir abhanden / in einem System, das ich mein Leben nannte». Genauso wie in «Verloren», das mit dunkler Synth-Line und Frauenstimmenrefrain zum Radiopophit aufgebohrt wurde.

Doch das heisst nicht, dass sich PeterLicht mit diesem Album in der Dunkelheit verirrt hat. Er ist auf der Suche nach Auswegen, stürzt sich in die Selbstmedikation im psychedelisch auswattierten «Ibuprofen», um später eine Hymne auf die «Freunde» anzustimmen, denn «wenn die Dämonen kommen, ist jeder, der ein Mensch ist, ein Freund». Im überdrehten Powerpopsong «… e-scooter deine Liebe» gibt er noch einen essenziellen Ratschlag mit auf den Weg ins Licht: «Wenn du eine Sonne siehst, lauf ihr entgegen.»

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