Nr. 19/2022 vom 12.05.2022

Bio für die Welt

Von Daniel HackbarthMail an Autor:in

Als wäre die Weltlage nicht schon deprimierend genug, droht gerade auch noch die grösste Hungerkatastrophe seit Jahrzehnten. Ein zentraler Krisentreiber ist der Krieg in der Ukraine: Die Weizenproduktion des Landes, das zu den wichtigsten Getreideexporteuren der Welt zählt, ist vielerorts zum Erliegen gekommen, die Ausfuhren sind eingebrochen. Dadurch steigen die globalen Lebensmittelpreise weiter, während sich in Afrika laut Vereinten Nationen eine humanitäre Katastrophe abzeichnet. Guter Rat ist also teuer.

Bei wem fragt man aber ganz gewiss nicht nach Rat? Richtig, beim Chef eines Agrarmultis. Die «NZZ am Sonntag» tat es trotzdem und liess den Syngenta-CEO Erik Fyrwald darüber dozieren, dass Biolandbau ineffizient sei, was indirekt zur Folge habe, «dass Menschen in Afrika hungern, weil wir immer mehr Bioprodukte essen». Zur Erinnerung: Syngenta erwirtschaftet seine Profite wesentlich mit – teilweise in der Schweiz verbotenen – Pestiziden und zählt zu den ganz Grossen auf dem globalen Saatgutmarkt. Damit hat sich der Agrochemiekonzern eine derart gute Reputation erarbeitet, dass in Basel jährlich ein «March against Syngenta» organisiert wird (nächster Termin: 21. Mai).

Nun mag auch der Bio-Hype – ein Streifzug durch den Supermarkt verrät es – ein sehr profitables Geschäft sein. Zur Bekämpfung des Hungers könnten einem aber zwingendere Vorschläge in den Sinn kommen als die Diskreditierung der Alternativen zur industriellen Landwirtschaft. Eine Einschränkung der Nahrungsmittelspekulation etwa oder ein Schuldenerlass für die von der Pandemie schwer getroffenen Länder des Globalen Südens. Zudem laufen dort auch gegenwärtig unselige «Strukturanpassungsprogramme» des Internationalen Währungsfonds. Und wenn Fyrwald meint, dass Leute, die Bio kaufen, dem Klima schaden und den Landverbrauch fördern – gilt das nicht in erster Linie für den alltäglichen Wahnsinn exzessiven Fleischkonsums?

Womöglich hat sich da jemand vom einst aus dem Trash-TV ins Netz gespülten Bonmot «Bio ist für mich Abfall» inspirieren lassen?

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