Nr. 44/2011 vom 03.11.2011

Agrarwirtschaft

Seit je haben die Bauern die besten Samen ihrer Ernte zurückbehalten, um sie im folgenden Jahr als Saatgut zu verwenden. Sie haben die ertragreichen Sorten untereinander ausgetauscht, verbessert, weitergegeben. Heute sieht die Lage so aus: Wenige Konzerne streben die weltweite Herrschaft über die Lebensmittelproduktion an. Patentiertes Saatgut wird zunehmend von global tätigen Chemiekonzernen wie Monsanto, Syngenta, Dupont oder Bayer vertrieben, zusammen mit den passenden Pestiziden und Düngemitteln. Jedes Jahr müssen die Bauern neues Saatgut kaufen. Was sind die weltweiten Zusammenhänge, und was ist zu tun, um die Unabhängigkeit einer Versorgung mit gesunden und natürlichen Lebensmitteln für alle Menschen sicherzustellen? Dazu referieren François Meienberg (Fachmann für Artenvielfalt und Patentfragen) und Peter Kunz (Landwirt und Ingenieuragronom).

Hirzel Kulturwerkstatt, Zugerstrasse 4,
Fr, 11.  November, 19.30 Uhr.

Betagtenbetreuung

Sie kommen aus Deutschland und den osteuropäischen EU-Ländern, arbeiten und leben mehrere Wochen oder Monate in einem Schweizer Privathaushalt und kehren nur für kurze Arbeitspausen in ihr Herkunftsland zurück. Pendelmigrantinnen werden sie genannt, diese neuen Hausangestellten, die Betagte zu Hause betreuen. Vermittelt werden die Frauen meist über Agenturen.

Diese Care-Arbeit ist gleichstellungs- wie gesundheitspolitisch, arbeitsrechtlich und gewerkschaftspolitisch von Brisanz. Die Arbeitsbedingungen sind kaum reguliert und schlecht zu kontrollieren, ein Teil der Arbeits- und Präsenzzeit ist unbezahlt. Die Stadtzürcher Fachstelle für Gleichstellung lädt nun zu einer Tagung zu dieser Problematik ein.

Zürich Volkshaus, Stauffacherstrasse 60, Fr, 11. November, 9–17 Uhr. Kosten (inkl. Verpflegung) 130 Franken. Anmeldung sofort: 044 412 48 86. Detailinfos: www.tinyurl.com/3uwwbd6.

Frauen

2011 ist für Frauen ein Jubiläumsjahr: vierzig Jahre Frauenstimm- und Wahlrecht, dreissig Jahre Gleichstellungsauftrag in der Verfassung, zwanig Jahre Frauenstreik. Ist die «Mission» der Frauenbewegung erfüllt? Nach einer Begrüssung durch Christian Bühler, Studienleiter Leuenberg, und Meehyun Chung, Stabsstelle Frauen- & Gendermission 21, (19.30 Uhr) und einem Impulsreferat von Esther Füller (Historikerin und Genderexpertin) diskutieren Ivana Bendik (Beauftragte für Theologie des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes), Rita Schiavi (Geschäftsleitungsmitglied Unia), Barbara Schneider (Präsidentin diverser kultureller Einrichtungen in Basel) und Caroline Schröder Field (Pfarrerin).

Basel Bildungszentrum 21, Missionsstrasse 21,
Fr, 4. November, 19.30–21 Uhr, anschliessend Apéro.

Palästina  / Israel

Der Zugang zu den Wasserressourcen ist ein zentrales Thema im Nahostkonflikt. Peace Watch und Amnesty laden ein zum Vortrag «Wem gehört das Wasser?» von Clemens Messerschmid, Hydrogeologe aus Ramallah. Er arbeitet seit bald fünfzehn Jahren in den besetzten Gebieten, für internationale Wasserprojekte und als Berater für verschiedene Organisationen. Anschliessend an den Vortrag in Zürich wird in der Roten Fabrik die Veranstaltungsreihe Palästina-Kulturaspekte eröffnet (siehe Hinweis in der nächsten WOZ).

Bern Amnesty International, Speichergasse 33,
So, 6. November, 17 Uhr. Freiburg Université, Miséricorde, salle 3113 (Vortrag auf Englisch),
Mo, 7.  November, 19.15 Uhr. Zürich Universität Hauptgebäude (HG), Raum KO2-F-152,
Di, 8. November, 18.15 Uhr. Basel Mission 21, Missionsstrasse 21, Mi, 9. November, 19.30 Uhr.

Schuldenkrisen

Das Thema der diesjährigen Herbstuniversität von Attac Schweiz heisst «Europa: Schulden und soziale Kämpfe … und die Schweiz?» Die Schulden der europäischen Länder stehen plötzlich im Mittelpunkt der Medien als das grosse Problem unserer Zeit. Woher kommen diese Schulden? Welche Rolle hat die Spekulation in der Schuldenspirale? Welche Rolle haben die Regierungen, die Finanzmärkte, die Banken? Die Reaktionen auf die drastischen Sparmassnahmen liessen nicht lange auf sich warten. Sie sind vielfältig: Ablehnung der Rettung von Banken durch den Staat, Bildung einer Bewegung der Empörten, Streik, Demonstrationen. Welches sind die Forderungen dieser Bewegungen? Welche Zukunftsperspektiven haben sie? Und die Schweiz? Eine Insel des Wohlstands mitten in einem Europa gezeichnet durch soziale Konflikte? Aber auch hier gibt es seit langem neoliberale Politik und Sparmassnahmen.

Genf Maison des Associations, Rue des Savoises 15, Fr, 4., bis So, 6. November. Simultanübersetzung französisch-deutsch und englisch-französisch. Detailinfos zu Programm, Kosten, Unterkunfts- und Verpflegungsmöglichkeiten:
www.suisse.attac.org/-rubrique18.

Sri Lanka

Als Channel 4 im März 2011 mit einer Dokumentation über die Endoffensive der sri-lankischen Regierung gegen die LTTE (Liberation Tigers of Tamil Eelam) an die Öffentlichkeit ging, waren die Reaktionen heftig. Der fünfzigminütige Film zeigt entsetzliche Bilder von Kriegsverbrechen an der tamilischen Zivilbevölkerung. Den von Amnesty International mit dem Media Award 2011 ausgezeichneten Film bezeichnete die sri-lankische Regierung als Fälschung. Zugleich weigert sie sich bis heute, die Verbrechen, die durch das sri-lankische Militär und die LTTE gegen die Zivilbevölkerung begangen wurden, durch eine unabhängige Expertenkommission untersuchen zu lassen.

Nach der Filmvorführung diskutieren Tharsika Pakeerathan, Swiss Council of Eelam Tamils (SCET), Lathan Suntharalingam, Luzerner SP-Kantonsrat, Josef Lang, Nationalrat der Grünen, Mitglied der Aussenpolitischen Kommission, und einE VertreterIn der sri-lankischen Regierung von der sri-lankischen Botschaft in Berlin.

Bern Kino Lichtspiel, Bahnstrasse 21,
Do, 10. November, 19 Uhr (Türöffnung 18.30 Uhr).

Zentralamerika

Der Film «El oro o la vida» von Álvaro Revenga (Guatemala 2011) beschäftigt sich mit Rekolonialisierung und Widerstand in Zentralamerika. Doña Teresa lebt in einem Dorf unterhalb der Mine Marlin und muss jeden Tag mit kontaminiertem Wasser waschen. Alvaro Ramazzini, Bischof von San Marcos, empört sich zunehmend angesichts der Bergbauexpansion. Für David Deisly, Vizepräsident des kanadischen Minenunternehmens Goldcorp, gibt es aber keinen Grund zur Beunruhigung.

Zürich h50, Hirschengraben 50, Do, 10.  November, 19 Uhr (Spanisch mit deutschen Untertiteln).Anschliessend Apéro.

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