Nr. 12/2012 vom 22.03.2012

Gewaltlose

«Blick am Abend» war wieder einmal schneller gedruckt als gedacht, als er dies meldete: «Traurige Kinder. Bald dürfen auch Inder ihre Schüler nicht mehr schlagen.» Dabei hatten sie sich schon so daran gewöhnt.
Jürg Fischer

Pressierte

Die Bluewin-Website meldete vergangene Woche mit einer ihrer Hauptschlagzeilen: «Vorentscheidung im Gesamt-WC?» Daneben war das Foto des Skirennfahrers Beat Feuz in der Hocke. Dass die den Skianzug sogar anbehalten, wenn sie ihr Geschäft verrichten, ist vermutlich logisch. Auch die Sponsoren verlangen es so.
Jürg Fischer

Ortsunabhängige

Die «NZZ am Sonntag», der wir hiermit gerne zum 10. Geburtstag gratulieren, hat vergangene Woche Fussball geschaut und die Ortskenntnisse des SF-Reporters Sascha Ruefer gewürdigt, der mehrmals während eines Spiels Neapel auf der Insel Sizilien verortete. Das erinnerte uns an Ruefers Kollegen Bernhard Thurnheer, der zwei Wochen vorher anlässlich des Spiels Barcelona gegen Bayer Leverkusen den Schützen des Ehrentreffers zum 7:1, Karim Bellarabi, so beschrieb: «Gebürtiger Marokkaner, aber in Berlin auf die Welt gekommen.» Das muss definitiv gewesen sein, bevor Berlin deutsche Hauptstadt und Geografie Hauptfach an der Reporterschule wurde.
Jürg Fischer

Versteuerte

Dabei ist nicht ausser Acht zu lassen, dass Berlin immer wieder von Neuem in zwei Teile zerfällt. Der «Tages-Anzeiger» meldete online: «Das Steuerabkommen zwischen Berlin und Berlin könnte doch noch ratifiziert werden. Die deutsche Opposition verzichtet auf die Forderung nach einem automatischen Informationsaustausch.» Da bleibt wenigstens die Kirche bestimmt im Dorf.
Jürg Fischer

Materialistische

Nicht immer ist auf Anhieb klar, woraus etwas besteht – hier, in der Beschreibung der «Basellandschaftlichen Zeitung», schon: «Das Provisorium musste gestern dem Definitivum weichen: Die seit 2008 stehende hölzerne Holzbrücke am Birsköpfli wurde gestern abgerissen.» Ersetzt wird sie durch eine luftige Luftbrücke.
Jürg Fischer

Vergebende

Wie sich der bussfertige Christenmensch vom Touristen unterscheidet, erklärte der Chefredaktor der «Coop-Zeitung»: «Im Mittelalter suchten Pilger ganz konkret das Heil, das in der göttlichen Vergeltung für irdische Sünden bestand. Als reformierter Intellektueller der aufgeklärten Gegenwart zieht man die Augenbrauen hoch und lächelt über solch mittelalterliche Ansichten.» Erst auf wunden Knien nach Rom rutschen und dann auch noch bestraft werden – was gibts da zu lächeln? Zumindest im Bistum Chur lautet die göttliche Antwort auf irdische Sünden noch immer Vergeltung. Aber vielleicht ist mit Vergelten ja auch Belohnen gemeint. Denn: Tue Busse und sündige weiter, spricht der Herr. «Vergelts Gott, Herr Pfarrer!», rufen wir froh.
Karin Hoffsten

Hierarchische

«Als Mitglied des Theatervereins ist die heutige Hauptprobe gratis», wusste der «Tages-Anzeiger». Wir hingegen wissen: Als Präsidentin des Theatervereins nimmt die Premiere natürlich wieder Eintritt.
Karin Hoffsten

woznews@woz.ch

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